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Top-Saläre im M-Dax : Ein Börsengang lohnt sich - für Vorstände

  • -Aktualisiert am

Der Gang auf das Parkett lohnt sich für viele Manager auch finanziell. Bild: dpa

Die besten Gehälter werden im Dax gezahlt, aber auch in der zweiten Reihe verdienen die Vorstandsvorsitzenden nicht schlecht : Im Durchschnitt 2,3 Millionen Euro im Jahr.

          Das Leben an der Börse hat für einen Top-Manager auch seine Schattenseiten: Manche Kritik von Aktionären geht unter die Gürtellinie, und nur die Vorstände eines börsennotierten Unternehmens müssen ihre Gehälter offenlegen und sich der Diskussion darüber stellen. Dennoch übt ein Börsengang für viele Manager einen besonderen Reiz aus – auch finanziell. Denn mit einem gelungenen Gang auf das Parkett winkt vielerorts auch eine Sonderprämie, die sich sehen lassen kann. Dafür lässt sich auch so manche Schmähkritik ertragen.

          Wie hoch diese Prämien ausfallen können, lässt sich anhand der Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden im Börsensegment M-Dax ablesen. Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft HKP Group, die dieser Zeitung vorliegt, war der Spitzenverdiener in diesem Index  im vergangenen Jahr Wolfgang Dehen, der Vorstandsvorsitzende des Leuchtenkonzerns Osram. Er erhielt eine Gesamtvergütung von 5,36 Millionen Euro;  damit lag zum ersten Mal überhaupt ein Konzernlenker aus dem M-Dax über dem Durchschnittsgehalt in der Top-Liga Dax (4,97 Millionen Euro).  Dehens Gehalt beinhaltete aber  rund 1,7 Millionen Euro  Sonderbonus für den gelungenen Börsengang, erläutert HKP-Partner Dirk Filbert.

          Auch der Evonik-Vorstandsvorsitzende Klaus Engel erhielt für den gelungenen Börsenstart seines Spezialchemiekonzerns eine Sonderzahlung von 1,5 Millionen Euro, ergänzt HKP-Fachmann Björn Hinderlich. Und Michael Zahn, der Vorstandvorsitzende des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, vollbrachte zwar keinen Börsengang, dafür aber die Übernahme des Rivalen GSW Immobilien – was ihm einen Sonderbonus von immerhin 900.000 Euro einbrachte.

          Spitzenverdiener im M-Dax: Wolfgang Dehen, Vorstandsvorsitzender von Osram, läutet den Börsengang ein.

          Auch aufgrund dieser Einmalzahlungen haben sich die Vergütungen im M-Dax im vergangenen Jahr – anders als im Dax – weiter erhöht. Im Durchschnitt erhielt ein Vorstandsvorsitzender in dieser Liga gut 2,3 Millionen Euro und damit 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne die Sonderboni wären die Vergütungen dagegen im Durchschnitt leicht um 0,2 Prozent auf 2,23 Millionen Euro gesunken.

          „Die Gehälter im M-Dax haben im Grundsatz stagniert, während der Gewinn nach Steuern im Durchschnitt um 1,1 Prozent zugelegt hat. Das zeigt, dass sich auch im M-Dax ein bestimmtes Gehaltsniveau herausgebildet hat“, sagt Filbert. Große Sprünge nach oben seien demnach in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, fügt er hinzu.

          Die Vergütungsstrukturen in der zweiten Liga haben sich  den Vorbildern aus dem Dax also weitgehend angenähert. Allerdings weist der M-Dax – mit 50 Unternehmen um einiges größer als der Dax – doch noch ein paar Besonderheiten auf. Während in der ersten Liga inzwischen alle Konzerne die Vorstandsgehälter individuell ausweisen, verweigern dies im M-Dax immer noch 8 (Vorjahr: 9) Unternehmen, die entweder einen starken Familienmiteigner haben oder zum Teil noch einem Finanzinvestor gehören. In dieser Reihe befindet sich auch der Axel-Springer-Verlag, dessen Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner den M-Dax-Durchschnitt deutlich übertreffen dürfte. Seine Vergütung wird auf mindestens 10 Millionen Euro geschätzt, wird von Springer  aber nicht publiziert.

          Neuer Druck auf diese Verweigerer könnte nach Ansicht der HKP-Fachleute allerdings im nächsten Jahr entstehen, wenn börsennotierte Unternehmen noch mehr Transparenz zeigen müssen. Ausgewiesen werden dann nicht nur die Summen, die den Vorständen laut Plan bezahlt werden, sondern auch die tatsächlich gezahlten Beträge in einem Jahr.

          Der Unterschied entsteht, weil die variablen Gehaltsbestandteile inzwischen stark von mehrjährigen Komponenten abhängen. Die Auszahlung dieser Langfristanteile erfolgt also erst Jahre nach dem Vertragsabschluss, wenn der Vorstand und sein Konzern die gesetzten Ziele  erreichen.

          Da künftig beide Tabellen – mögliches Salär und tatsächliches Einkommen – veröffentlicht werden, „könnte auch neue Dynamik in die Vergütungsdebatte und die Veröffentlichungspraxis kommen“, mutmaßt Hinderlich. Schwierig bleibe dagegen die korrekte Berechnung der Pensionszusagen an die Vorstände, die stark vom jeweils verwendeten Zinssatz abhängt.

          Hier hat Hartmut Retzlaff, der Chef des Pharmakonzerns Stada, offenbar die besten Karten: seine Altersansprüche belaufen sich auf kumuliert 35,3 Millionen Euro. Damit übertrifft er sogar alle Vorstandschefs im Dax.

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