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Tönnies will Geld vom Land : Der Gipfel der Wurstigkeit

  • -Aktualisiert am

Clemens Tönnies Bild: dpa

Wer zahlt den Lohn der Tönnies-Mitarbeiter, wenn die in Quarantäne sind und das Werk still steht? Der Unternehmenschef hat da eine klare Vorstellung. Der Antrag zeigt mangelndes Fingerspitzengefühl.

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          Der Fleischbetrieb Tönnies bittet das Land Nordrhein-Westfalen darum, ihm die Lohnkosten für die Quarantänezeit seiner Mitarbeiter zu erstatten. Zur Erinnerung: Der Schlachtbetrieb, in dem gut 1500 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden, woraufhin Tausende Menschen unter Quarantäne gestellt wurden und zwei Kreise in der Region plötzlich verschärften Kontaktbeschränkungen unterworfen waren und nicht mehr reisen durften, dieser Schlachtbetrieb möchte nun Geld vom Land für den Verdienstausfall. Gleichzeitig rechnet sich der Landrat vom Kreis Gütersloh die Finger wund, um die Kosten für den ganzen Lockdown-Aufwand zusammenzutragen, um sie dem Unternehmen zu präsentieren.

          Es ist nicht per se verwerflich, dass der Unternehmer Clemens Tönnies eine Unterstützung prüfen lässt. Wer unter Quarantäne gestellt wurde, dem steht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Entschädigung zu – es dürfte sich auch nicht um Unsummen handeln, weil sie nur für einen kurzen Zeitraum in Frage kommt. Für den Antrag auf Erstattung hätte er aber 12 Monate Zeit gehabt. Die Aktion zeigt mangelndes Fingerspitzengefühl in einer Zeit, in der alle Augen auf die Verantwortung dieses Unternehmers gerichtet sind.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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