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Fleischersatz : Tönnies setzt auf Veggie-Wurst

Veggie-Wurst von Tönnies Bild: Tönnies

Der größte deutsche Fleischkonzern baut sein vegetarisches Angebot aus. Die Konkurrenz ist da weiter. Das Geschäft ist noch winzig, doch wächst es stark.

          2 Min.

          Deutschlands größter Fleischproduzent Tönnies baut die Produktion von vegetarischen und veganen Produkten aus. Am Stammwerk der Zur-Mühlen-Gruppe in Böklund hat der Konzern schon im vergangenen Jahr ein Werk für vegetarische und vegane Produkte aufgebaut, dessen Kapazität nun verdoppelt wird, „da die Verbrauchernachfrage und das Vertrauen in die Produkte nachhaltig wachsen“, wie Geschäftsführer Maximilian Tönnies sagt.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Der Sohn des Unternehmensgründers Clemens Tönnies und Teilhaber am Gesamtkonzern, hat unter dem Dach des mit Abstand größten Wurstherstellers, zu dem Marken wie Gutfried, Böklunder oder Zimba gehören, einen eigenen Geschäftsbereich namens Vevia 4 You gegründet. Im Juni soll das Werk fertig sein, in dem dann rund 60 Artikel produziert werden sollen. Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag investiert das Unternehmen dort. „Wir sehen die Herstellung vegetarischer und veganer Lebensmittel nicht als Konkurrenz zu unseren Fleischprodukten“, sagt Tönnies. Es ergänze das „eh schon sehr breit aufgestellte Produktportfolio“, ließ er sich in einer Mitteilung am Freitag zitieren.

          273 Millionen Euro gegenüber 40 Milliarden

          Gleichwohl ist der Verkauf von Fleischersatzprodukten ein Wachstumsmarkt, im vergangenen Jahr wurde damit ein Umsatz von 273 Millionen Euro erzielt. Das ist zwar noch winzig im Vergleich zu den mehr als 40 Milliarden Euro, die jedes Jahr mit Würsten und Steak umgesetzt werden, doch steigt die Nachfrage seit 2015 jedes Jahr im Schnitt um acht Prozent. In der Corona-Pandemie hat die Nachfrage noch stärker angezogen, was Marktforscher von Nielsen und Mintel zum Teil auf das Infektionsgeschehen in Schlachthöfen und andererseits auf das gestiegene Interesse an nachhaltiger Ernährung zurückführen.

          Alleine im ersten Quartal des vergangenen Jahres ist der Absatz von Fleischersatzprodukten um 37 Prozent auf gut 20000 Tonnen gestiegen. Gleichzeitig geht der Fleischkonsum vor allem jüngerer Kunden hierzulande zurück, wenngleich jeder Deutsche im Schnitt noch 60 Kilogramm Fleisch im Jahr isst. Dadurch, dass in bevölkerungsreichen Ländern wie China der Fleischhunger wächst, dürfte sich der Trend global auch nicht so schnell umkehren, jedoch sind gerade die Zielgruppen für Fleischersatzprodukte attraktiv, weil sie weniger auf den Preis achten. Auch Tönnies will nun vor allem junge Familien und Singles in der Altersgruppe zwischen 16 und 45 Jahren ansprechen.  

          Mehr Umsatz mit Veggie-Produkten

          Marktführer für vegetarische und vegane Fleischprodukte ist Rügenwalder Mühle, die sich schon vor sieben Jahren darauf fokussiert haben und nach eigenen Angaben einen Marktanteil von fast 45 Prozent auf dem noch überschaubaren Feld haben. Das Unternehmen aus Niedersachsen hat seinen Umsatz zuletzt um 14,7 Prozent auf 242 Millionen Euro gesteigert - mehr als die Hälfte davon kommt von fleischlosen Alternativen. Rügenwalder Mühle hatte zuletzt Investitionen von 20 Millionen Euro angekündigt.

          Auch der größte Geflügelschlachter, die PHW-Gruppe, die vor allem für Wiesenhof bekannt ist, hat mit Fleischalternativen alleine im ersten Halbjahr 2020 fast zwei Drittel mehr Umsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum. Mit „Green Legend“ vermarktet die PHW-Gruppe inzwischen fünf vegane Wurstprodukte und sechs Fleisch- und Fischalternativen auf Basis von Pflanzen.

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