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Meynhardt und Oetker : „Wir haben keine Gründermentalität“

  • -Aktualisiert am

Jahrhundertealte Tradition: Deutsche Händler auf einem Kupferstich um circa 1500. Bild: INTERFOTO

Wirtschaftsforscher Timo Meynhardt und der Industrielle Arend Oetker sprechen über den Transparenzwahn der Politik und die schwierige Rolle von Familienunternehmen heute.

          Herr Oetker, Herr Meynhardt, nicht wenige Familienunternehmen sind 2015 durch Streitigkeiten aufgefallen. Gleichzeitig ist die Welt schneller und komplexer geworden. Was bedeutet es in den heutigen Zeiten, ein Familienunternehmen zu führen?

          Oetker: Die Abhängigkeit einer Familie von einem Patriarchen ist riskant. Aber es gibt auch mächtige Manager, die Konzerne beherrscht haben. Das Führen eines Familienunternehmens ist wahrscheinlich schwieriger als früher, weil sich alles beschleunigt hat, etwa durch die Digitalisierung und Internationalisierung der Märkte.

          Meynhardt: Familienunternehmen leisten unter allen Unternehmen in Deutschland den höchsten Beitrag zum Gemeinwohl und führen im jüngsten „Gemeinwohl Atlas Deutschland“ die Liste der untersuchten Unternehmen an. Es scheint, dass Familienunternehmen es am besten verstehen, Menschen in ihren Grundbedürfnissen anzusprechen und auf diese Weise auch einen positiven Beitrag zum Gemeinwohl und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten.

          Worin liegt das?

          Meynhardt: Natürlich wachsen oder schrumpfen Familien, verändern sich Dinge, aber die gewisse Bodenhaftung, vielleicht auch das Provinzielle, was Familienunternehmern ja teilweise nachgesagt wird, erweist sich in dieser schnellen Welt als Vorteil. Dass es in Familienunternehmen bisweilen Streit gibt, ist nun einmal der Preis, den wir zahlen müssen für den Vorteil, den sie bieten: eine nachhaltigere, langfristige Wirtschaftsentwicklung.

          So wichtig sie für die Wirtschaft sind: Familienunternehmen gelten als intransparent, obwohl sie Milliarden Euro und Millionen Menschen bewegen.

          Oetker: Familienunternehmen, die nicht börsennotiert sind, müssen ihre Unternehmenskennziffern und Gewinne nicht veröffentlichen. Das trägt zu einem wesentlichen Unterschied in der äußeren Wahrnehmung beider Unternehmensformen bei: Die Regularien sind einfach verschieden, sobald sie an die Börse gehen. Natürlich wollen Aktionäre wissen, in was sie investieren und was am Ende - vermutlich - dabei für sie herauskommen wird. Wenn SPD-Familienministerin Manuela Schwesig etwa pauschal alle Gehälter veröffentlichen will, dann ist das zu viel des Guten. Dass das Management transparent sein muss, ist richtig, aber das ganze Unternehmen? Das ist zu viel.

          Meynhardt: Dieser Transparenzwahn hat zum Beispiel bei den Gehältern im Gegenteil eher zu einer Spirale nach oben geführt. Das gilt auch für andere Bereiche. Wenn man anderen nicht vertraut, und Vertrauen braucht die Wirtschaft, wird man Probleme durch Transparenzregeln auch nicht lösen können. Es sollte eher die Devise Mut zur Lücke gelten.

          Über Wurstkartelle, Zinsmanipulationen, Gammelfleisch und Korruption liest man fast täglich in der Zeitung. Welche Rolle spielen heute Haltung, Demut und Anstand in Deutschland also? Ist der ehrbare Kaufmann noch aktuell?

          Oetker: Durch die gestiegene Transparenz ist auch mehr nach oben gespült worden.

          Also wirkt Transparenz doch.

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