https://www.faz.net/-gqe-83nfp

Tierkrankheit in Amerika : Schon jede zehnte Legehenne ist tot

Jede zehnte Legehenne haben Amerikas Farmer infolge des neuen Ausbruchs der Vogelgrippe gekeult. Bild: AP

Es ist die schwerste Vogelgrippe in den Vereinigten Staaten aller Zeiten: Das Virus breitet sich in großer Geschwindigkeit im Mittleren Westen aus. Die Zahl der getöteten Tiere ist gigantisch.

          2 Min.

          Amerikanische Farmer haben 40 Millionen Hühner und Truthähne töten lassen, um die schwerste Vogelgrippe, die das Land je befallen hat, zu stoppen. 32 Millionen der gekeulten Tiere waren Legehennen, deren Bestände im wahren Wortsinn dezimiert wurden: das Keulungs-Programm vernichtete zehn Prozent der amerikanischen Eierproduktion.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Behörden, Tiermediziner und Bauern versuchen mit allen Mitteln, die Verbreitung des Virus zu verhindern. Als nachteilig erweist sich dabei die Struktur dieses Wirtschaftszweiges: Die Eierproduktion ist in den Händen weniger großer Unternehmen konzentriert. Werden Symptome bei einzelnen Tieren entdeckt, müssen oft Bestände mit einer Million Tiere oder mehr getötet werden. Hühnerfarmen mit Legehennen haben im Schnitt 1,5 Millionen Tiere.

          Erste Hühnerfarmen haben aufgegeben, weitere sind bedroht. Die Preise für Eier steigen schnell. Betroffen sind auch die Truthahnbestände: In Minnesota wurden 5,5 Millionen Tiere getötet. Ein großer Weiterverarbeiter von Truthahnfleisch, die im ganzen Land bekannte Firma Hormel, hat hunderte Arbeiter entlassen.

          Der Eierpreis schießt nach oben

          Die Regierung stellt 400 Millionen Dollar bereit, um Farmer zu entschädigen: Sie erleiden hohe Verluste, weil sie teilweise Bestände keulen müssen und zudem hohe Kosten für Säuberungen der Ställe und für Tests schultern müssen.

          Die Preise für Flüssigei, das von Großbäckereien und Unternehmen wie McDonald’s verwendet wird, haben sich binnen eines Monats verdreifacht. Die Großhandelspreise für Eier, die im Supermarkt verkauft werden haben sich im Mittleren Westen, dem Kerngebiet des Ausbruchs, fast verdoppelt. Goldman Sachs schätzt, dass die amerikanischen Konsumenten bis zu acht Milliarden Dollar zusätzlich für Produkte bezahlen müssen, die Ei enthalten: Vom EggMcmuffin über die meisten Nudelsorten und Backwaren bis hin zur Mayonnaise.

          Der Vogelgrippe-Virus der Untergruppe H5N2 breitet sich in atemberaubender Geschwindigkeit aus. Erste Fälle waren im Januar bekannt geworden. Anfang April war die Vogelgrippe schon in Beständen registriert worden, die 500.000 Tiere umfassten. Bis heute sind nun schon Hühnerfarmen mit knapp 40 Millionen Tieren infiziert. Am stärksten betroffen ist der Bundesstaat Iowa, der wichtigste Eierlieferant der Vereinigten Staaten. Dort wurde ein Drittel der Legehennen-Bestände gekeult. Der Gouverneur des Bundesstaates hat den Notstand ausgerufen.

          Der Virus H5N2 ist hochinfektiös. Wissenschaftler vermuten, Wildgänse oder Enten haben den Virus über ihre Fäkalien übertragen. Es gibt bisher keine Hinweise, dass Menschen von dem Virus infiziert worden wären. Die Sorge ist allerdings, dass er sich durch Mutation verändern und dann doch für die Menschen gefährlich werden könnte. Anfang des Jahres war in einer Wildente im Bundesstaat Washington auch ein neuartiger H5N1 entdeckt worden, der allerdings nicht identisch mit jenem asiatischen H5N1-Virus war, der im vergangenen Jahr auch zu Todesfällen geführt hatte.

          Die Wissenschaftler hoffen, dass das wärmere Wetter dem Virus den Garaus macht. Ein Nebeneffekt der Vogelgrippe ist, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten der nicht bedrohten Tierfarmen verbessert. Der größte Eierlieferant des Landes, die börsennotierte Cal-Maine Foods Inc., hat seine Hühnerfarmen vornehmlich in den Südstaaten der Vereinigten Staaten, in der deutlich weniger Vogelgrippe-Fälle aufgetreten sind. Der Börsenkurs der Firma in den vergangenen zwei Wochen um 30 Prozent gestiegen. Die Europäische Union hat ein Einfuhrverbot für amerikanisches Geflügel verhängt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nominierung für Supreme Court : Sie ist Trumps neuer Trumpf

          Donald Trump steht kurz davor, eines seiner wichtigsten Versprechen an die Republikaner einzulösen. Mit einer konservativen Richterin Amy Coney Barrett am Obersten Gericht könnten sich die schlimmsten Befürchtungen der Demokraten bewahrheiten.

          Biden über Trump : „Er ist so in etwa wie Goebbels“

          Der Ton im Präsidentschaftswahlkampf ist rau – und wird noch unversöhnlicher: Joe Biden bezichtigt Trump der Lüge und stellt einen schwierigen historischen Vergleich her. Der Amtsinhaber ist nicht weniger zimperlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.