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Ticketbörse im Internet : „Für 2500 Euro zum Champions-League-Finale“

  • Aktualisiert am

Über die Internetseite Viagogo verkaufen Musik- und Fußballfans ihre Tickets. Eric Baker verdient mit Bild: Nedden, Kai

Wenn alles ausverkauft ist, hat Eric Baker immer noch Karten. Im Internet erklärt der Viagogo-Chef, wie seine Ticketbörse funktioniert. Er glaubt nicht, dass sie verboten werden sollte.

          Herr Baker, was kostet in Ihrer Tauschbörse das Ticket für das Finale der Champions League in München, das ausverkauft ist?

          Zwei Tickets für den Oberrang kosten beispielsweise 4720 Euro.

          Sie kassieren davon 600 Euro Gebühr. Ist das nicht Wucher?

          Wucher? Nein. Viagogo ist ein Marktplatz: Jeder Ticketbesitzer kann dort seine Tickets wieder verkaufen - zu dem Preis, den der Käufer zu zahlen bereit ist.

          Wo ist da der Unterschied zum Schwarzmarkt?

          Auf dem Schwarzmarkt müssen Sie in irgendwelchen dunklen Ecken zwielichtigen Gestalten vertrauen, wenn es für ein Fußballspiel oder ein Rockkonzert offiziell keine Karten mehr gibt. Sie wissen nicht ob das Ticket echt ist. Sie wissen nicht, ob Sie gleich zusammengeschlagen oder ausgeraubt werden. Bei uns ist alles sicher: Wir registrieren jeden Verkäufer mit seinen Daten und verfolgen den Versand der Tickets. In den seltenen Fällen, dass etwas schiefgeht, erhält der Käufer sein Geld zurück und der Verkäufer wird nicht bezahlt. Das garantieren wir.

          Garantieren Sie, dass jedes Ticket Einlass findet? Vor einem Jahr wurden Tausende deutscher Take-That-Fans wegen fremder Namen auf ihren Tickets abgewiesen - alles Tickets von Viagogo.

          Das Problem mit dem Take-That-Konzert war, dass der Veranstalter zu jedem Ticket den Personalausweis sehen wollte. Wenn Sie den nicht dabeihatten, wurden Sie auch abgewiesen, wenn Sie Ihr Ticket bei einer offiziellen Vorverkaufsstelle gekauft hatten.

          Ein Gericht hatte Viagogo den Weiterverkauf von Take-That-Tickets doch zuvor verboten.

          Ich kann nur sagen, dass das ganze System der Veranstalter, die Tickets zu personalisieren, nicht funktioniert hat, auch für Kunden, die nicht bei Viagogo gekauft hatten. Es gab einige wenige Betrugsfälle mit wenigen Take-That-Tickets, und in diesen Fällen haben wir den Kaufpreis erstattet.

          Die Veranstalter wollen Viagogo-Tickets nicht. Müssen Ihre Kunden nicht immer damit rechnen am Ende im Regen zu stehen?

          Seit ich das Geschäft in Amerika im Jahr 2000 gestartet habe, gibt es interessierte Kreise, die dem Fan den Weiterverkauf von Tickets verbieten wollen - weil die Veranstalter so nicht noch ein zweites Mal verdienen. Aber niemand aus der Musikindustrie, niemand aus dem Sportbereich hat es geschafft, unser Geschäft kaputtzumachen. Wir sind offizieller Ticketpartner der Tour von Madonna geworden. Das zeigt, dass man dem Fan seine Rechte nicht nehmen kann.

          Welche Rechte?

          Das Recht, das eigene Ticket weiterzuverkaufen. Wenn ich einen Mercedes kaufe und den dann weiterverkaufe, kriegt Mercedes doch auch nicht ein zweites Mal Geld. Auch wenn Mercedes sicherlich nichts dagegen hätte!

          Für Madonna werden auf Viagogo Tickets zu über 1000 Euro angeboten - obwohl die Konzerte nicht ausverkauft waren und der offizielle Preis bei einem Zehntel lag. Ist das in Ordnung?

          Viagogo ist ein Marktplatz. Auf ihm regieren Angebot und Nachfrage. Wenn ich darauf Tickets verkaufe, kann ich jeden irren Preis fordern - die Frage ist doch nur, ob mir dafür irgendjemand die Dinger abnimmt. Es ist doch vielmehr so: Der Marktmechanismus drückt irre Preise von selbst: Es steht Ihnen frei, Ihren alten gebrauchten Mercedes statt für 50 000 Euro für eine Million zu annoncieren - aber niemand wird ihn kaufen.

          Warum auch, es gibt genug Mercedes-Händler mit Neuwagen. Wer „Madonna“ und „Tickets“ googelt, landet bei Viagogo - und denkt, Ihre Preise wären die offiziellen. Keine Irreführung?

          Das Problem bei Google ist doch vielmehr: Jeder, der Lust hat, kann dort auf eine täuschend echte Website verlinken und den Leuten falsche Madonna-Tickets andrehen. Deshalb müssen wir unser Portal mit den echten Madonna-Tickets auf Google angemessen präsentieren. Und dann ist es doch so, dass in Deutschland der offizielle Ticketverkauf über die üblichen Veranstalter organisiert wird, zum Beispiel über Eventim. Da müssen die Leute nur drauf gehen oder direkt auf die Internetseite des Künstlers.

          Alles kein Problem?

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