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Thyssen-Krupp : Hochhäuser statt Hochöfen

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Der Turm, in dem Thyssenkrupp seine Aufzüge testet. Diese gehören zu der wachsende Sparte des Konzerns. Bild: Patrick Seeger/dpa

Ein Stahlkonzern ohne Stahlproduktion? Thyssen-Krupp gliedert seine Hochöfen aus. Wichtiger ist längst anderes.

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          Wer an Thyssen-Krupp denkt, hat Bilder von riesigen Hochöfen, glühendem Stahl und Arbeitern in Hitzeschutzanzügen im Kopf. Das ist natürlich, dort hat der Konzern seine Ursprünge. Der Konzern entstand durch eine Fusion Ende des vergangenen Jahrhunderts der Friedrich Krupp AG mit der Thyssen AG. Beide haben ihre Wurzeln in der Stahlindustrie im Ruhrgebiet.

          Und diese europäische Stahlproduktion soll jetzt mit der Stahlsparte des indischen Tata-Konzerns zusammengeschlossen werden, eine entsprechende Absichtserklärung wurde heute unterzeichnet. Die Fusion macht deutlich, wie falsch das Hochofen-Bild von Thyssen-Krupp heute ist.

          Thyssen-Krupp liefert Autoteile und betreibt Fabriken

          Das einstige Kerngeschäft von Thyssen, das Stahlkochen, ist schon lange nicht mehr die umsatzstärkste Sparte. Andere Bereiche haben dieser den Rang abgelaufen. Die europäische Stahlproduktion mit Sitz in Duisburg steuerte im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 7,6 Milliarden Euro zum Umsatz bei – rund ein Fünftel des Gesamtunternehmens. Längst wird Stahl billiger in China produziert, immer wieder hatte Thyssen-Krupp mit der Produktionssparte Schwierigkeiten.

          So sah es früher aus: Stahlproduktion im Krupp-Werk in Essen 1880.

          Das Herz von Thyssen-Krupp schlägt schon anderswo. Wichtige Unternehmenssparten sind „Components Technology“ und „Industrial Solutions“. Zusammengenommen machen die Sparten rund ein Drittel vom Umsatz aus und beschäftigen fast 50.000 Menschen. Erstere hat sich zu einem wichtigen Auto-Zulieferer entwickelt. Sie stellt neben Teilen für die Karosserie (nicht nur aus Stahl) auch Fahrwerksteile her. Zweitere unterhält verschiedene Industrieanlagen. Neben Chemie-, Kokerei-, Raffinerie- und Zementanlagen zählen auch Anlagen für Tagebau, Erzaufbereitung oder Hafenumschlag dazu. Gerade dieser Teil des Unternehmens hat aber mit einer schwachen Auftragslage zu kämpfen und baut Stellen ab.

          THYSSENKRUPP

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          Aufzüge bringen immer mehr Geld

          Auch der Handel mit Stahl, Werk- und Rohstoffen bringt Thyssen-Krupp heute Geld. Die zweitgrößte Konzernsparte nennt sich „Materials Services“. Im Geschäftsjahr 2015/2016 (bis 30. September) erwirtschaftete die Sparte 11,9 Milliarden Euro Umsatz – und damit knapp 30 Prozent des Konzernumsatzes.

          Das Wachstum aber kommt von Aufzügen und Rolltreppen: Diese spielen in den Plänen von Konzernchef Heinrich Hiesinger eine entscheidende Rolle. Büro- und Wohnhäuser wachsen in die Höhe. Denn der Wohnraum, gerade in Asien, wird immer knapper. Aufzüge werden immer mehr gebraucht. In Rottweil hat Thyssen-Krupp einen Aufzug-Testturm gebaut, der mit 246 Metern von weitem sichtbar ist.

          Einige Aktionäre forderten bereits den Verkauf dieser Sparte, weil das Geschäft so gut läuft: Die Sparte könne sich alleine besser entwickeln – als im Konzern.

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