https://www.faz.net/-gqe-8gcgh

Rüstung : ThyssenKrupp verpasst milliardenschweren U-Boot-Deal

Ein U-Boot der australischen Marine: Die neue Flotte wird nicht von ThyssenKrupp gebaut. Bild: AFP

Dem Essener Industriekonzern ist einer der größten Industrieaufträge in der deutschen Wirtschaftsgeschichte entgangen. Den Zuschlag zum Bau von zwölf U-Booten erteilt die australische Regierung jemand anderem.

          Thyssen-Krupp ist zum Verlierer im Bietgefecht um den größten Industrieauftrag der deutschen Wirtschaftsgeschichte geworden. Australiens Regierung hat bekanntgegeben, dass der Auftrag zum Bau einer Flotte von zwölf Unterseebooten im Gesamtwert von mehr als 50 Milliarden Dollar nicht an den deutschen Industriekonzern, sondern stattdessen an die französische Werft DCNS geht.

          Lässt seine U-Boote woanders bauen: Australiens Premier Malcolm Turnbull.
          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Schon am australischen Morgen vor der erwarteten Bekanntgabe gingen immer mehr Stimmen davon aus, dass Thyssen-Krupp Marine Services (TKMS) hinter die Franzosen zurückgefallen sei. Japan galt schon vorher als ausgeschieden. TKMS hat damit nun trotz umfassender politischer Unterstützung über Monate bis hinauf zu Bundeskanzlerin Angela Merkel von dem umfassenden Marine-Programm der Australier im Gesamtwert von etwa 100 Milliarden Dollar – das auch den Bau von Zerstörern und Patroullienbooten umfasst – nichts abbekommen.

          Alle diplomatischen Kanäle genutzt

          Auch für Japan ist das frühe Ausscheiden bitter – denn der Auftrag zum Bau der Boote wäre der erste Rüstungsexport für Tokio nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. China, Australiens größter Handelspartner, hatte sich aber gegen einen Kauf der Unterseeboote von seinem Rivalen Japan ausgesprochen. Die Japaner selber hatten nach Berichten über ihr Ausscheiden in letzter Minute alle diplomatischen Kanäle genutzt, um sich doch noch wieder ins Spiel zu bringen. Vergebens.

          Auch für den Ruhr-Konzern ThyssenKrupp und seinen Partner Siemens wäre der Gewinn der Durchbruch im asiatisch-pazifischen Rüstungsgeschäft gewesen: Die Deutschen hatten versprochen, im südaustralischen Adelaide eine große Werft zu bauen und auch die Marinewerft im westaustralischen Perth einzubinden. Zuletzt warb der Essener Konzern damit, die neue U-Boot-Flotte vollständig in Australien bauen zu wollen. Von Insider-Seite hieß es jedoch bereits im Januar, dass ThyssenKrupp den Anschluss in dem Rennen verliere.

          Für Australiens Ministerpräsident Malcolm Turnbull, der sich am 2. Juli zur Wahl stellt, ist es jedoch vor allem innenpolitisch wichtig, Stimmen in Südaustralien zu gewinnen.

          Öffnen

          Weitere Themen

          Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?

          650.000 Seiten Klageschrift

          Ein Lastwagen voller Papier : 650.000 Seiten Klageschrift

          Eine Lastwagenladung mit 650.000 Seiten Papier hat am Montag das Büro der Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart erreicht. Die Anwälte vertreten Daimler im Prozess um ein Lkw-Kartell.

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Bruchteil der bis 2020 anvisierten 100.000 Ladestellen.

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?
          Demonstranten in Cottbus im Mai 2018

          Sicherheitsbehörden und AfD : Ist Frust die Ursache?

          Es gilt, alle rechtsstaatlichen Mittel anzuwenden, um Reichsbürger aus dem Sicherheitsapparat auszuschließen. Es hilft aber nicht, allen Mitgliedern der Sicherheitsbehörden pauschal ein blindes rechtes Auge zu unterstellen. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.