https://www.faz.net/-gqe-9tkwj

Thyssen-Krupp-Bilanz : Die Lage ist bedrohlich

  • -Aktualisiert am

Martina Merz geht voran, Aufgaben warten viele. Bild: EPA

Was wird aus Thyssen-Krupp? Der deutsche Traditionskonzern hat eine steinige Strecke vor sich. Gefordert sind jetzt harte Entscheidungen, die auch die Mitarbeiter treffen werden.

          1 Min.

          Es wird erst noch schlechter werden müssen, bevor es besser werden kann. Beim Umbau – oder sollte man besser von Sanierung sprechen? – von Thyssen-Krupp steht Anlegern und Beschäftigten eine lange Durststrecke bevor: Die neue Vorstandschefin Martina Merz schwört sie auf zwei, vielleicht sogar drei weitere Krisenjahre ein.

          Und die Jahresbilanz liefert ein verheerendes Bild. Die Lage ist bedrohlich. Mehr als eine Milliarde Euro hat der angeschlagene Stahl- und Industriekonzern im Tagesgeschäft verbrannt. Der Schuldenberg wächst, das knappe Eigenkapital schmilzt wie Schnee in der Sonne, die Dividende muss ausfallen.

          Merz, erst vor sieben Wochen aus dem Aufsichtsrat auf den Vorstandsvorsitz gewechselt, bringt es schonungslos auf den Punkt: Der Konzern hat sich jahrelang irgendwie durchgewurschtelt statt die überfälligen Verbesserungen konsequent und ernsthaft anzugehen.

          Keine ausreichende Finanzkraft

          Auch sie hat kein Patentrezept in der Tasche, es wird ein langer Weg der vielen kleinen Schritte. „Performance First“ haben schon ihre Vorgänger gepredigt, doch in den meisten Geschäftsbereichen ist davon wenig zu sehen. Die Renditen hängen teils meilenweit hinter den Ergebnissen der Branchenbesten zurück.

          Das zu ändern, bleibt die zentrale Herausforderung, an der Thyssen-Krupp entweder scheitert oder die Zukunft gewinnt. Fest steht aber auch: Die Geschäfte flott zu machen, kostet erst einmal viel Geld, das der Konzern nicht hat und deshalb sein Tafelsilber in Form der Aufzugssparte verkaufen muss. Nur wird es damit nicht getan sein. Unter dem Konzerndach gibt es zu viele Geschäftsbereiche, die nicht zueinander passen und bei Thyssen-Krupp keine Zukunft haben.

          Dem Konzern fehlt die Finanzkraft, um gleichzeitig Spitzenpositionen im Stahl, Anlagenbau oder Autozuliefergeschäft aufzubauen. Harte Entscheidungen sind gefordert, die auch die Mitarbeiter treffen werden. Aber sonst wird Thyssen-Krupp die Zeit davon laufen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Wenn der Rauchmelder piept

          Nervig und nützlich : Wenn der Rauchmelder piept

          Seit rund fünf Jahren sind die meisten Deutschen mit Rauchmeldern in ihren Privatwohnungen konfrontiert. Und Konfrontation ist das richtige Wort. Es piept zur Unzeit. Immer wieder. Wir haben uns einmal umgehört.

          Topmeldungen

          Kreuzung an der Taunustor Ecke Große Gallusstraße

          Brexit-Banker in Frankfurt : Liebe auf den zweiten Blick

          Der Goldman-Sachs-Banker Jens Hofmann ist wegen des Brexits von der Themse an den Main gezogen. Seiner Rückkehr in die Heimat kann er einiges abgewinnen – wie auch dem Wahlerfolg von Boris Johnson.
          Typischer Fall: Ein handelsüblicher Rauchmelder unter der Decke

          Nervig und nützlich : Wenn der Rauchmelder piept

          Seit rund fünf Jahren sind die meisten Deutschen mit Rauchmeldern in ihren Privatwohnungen konfrontiert. Und Konfrontation ist das richtige Wort. Es piept zur Unzeit. Immer wieder. Wir haben uns einmal umgehört.

          Wandel der Industrie : Digital souverän in Zeiten von 5G

          Der nächste Mobilfunkstandard wird die deutsche Industrie und Gesellschaft stark verändern. Wieso? Welche Chancen und Risiken erwarten uns? Und wer soll sich am Aufbau beteiligen dürfen? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.