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Helmut Bünder (bü.)

Kommentar : Thyssen-Krupp wagt den Befreiungsschlag

Der Essener Mischkonzern spaltet sich in zwei selbständige börsennotierte Unternehmen auf. Bild: dpa

Fast drei Monate hat die Führungskrise Thyssen-Krupp und seine 160.000 Mitarbeiter in Atem gehalten. Nun scheint es der vermeintlichen Ersatzmannschaft an der Konzernspitze zu gelingen, den Knoten zu durchschlagen.

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          Eon hat es vorgemacht, jetzt zieht Thyssen-Krupp nach. Der Essener Mischkonzern spaltet sich auf: in zwei selbständige börsennotierte Unternehmen. Anders als bei Eon werden nicht die vermeintlich perspektivlosen Geschäftszweige ausgelagert, sondern die Zukunftssparten. Unter dem Dach des traditionsreichen Mutterkonzerns, der Thyssen-Krupp Materials heißen soll, bleiben die Geschäfte um den Stahl. Manche würden sagen: die Vergangenheit aus Hochöfen, Werkstoffhandel, der Weiterverarbeitung von Stahl und Edelstahl. Auch die Marinesparte findet hier ihre neue Obhut. Wer an das zyklische Stahlgeschäft glaubt, kann sich künftig gezielt für Aktien dieser Gesellschaft entscheiden. Die großen Hoffnungen vieler Investoren richten sich aber auf die renditestärkeren Industriesparten: die Geschäfte mit Aufzügen, Autoteilen und dem Bau von Industrieanlagen, an denen Thyssen-Krupp Materials AG nur eine Minderheit halten soll.

          Wichtige Eckpunkte und Details stehen noch aus. Doch der Plan, den der Konzernvorstand hinter den Kulissen vorbereitet hat, stößt auf Begeisterung. Die Börse feiert mit sagenhaften Kursgewinnen; die Gewerkschaft steht hinter dem Konzept und ist froh, dass es den befürchteten Ausverkauf nicht geben soll; einflussreiche Investoren wie die Krupp-Stiftung und die schwedische Finanzgesellschaft Cevian als zweitgrößter Aktionär bekunden ihre Unterstützung.

          Ein Happy End ist noch nicht sicher

          Es sieht also nach einem erfolgreichen Befreiungsschlag aus. Fast drei Monate hat die Führungskrise nach dem Doppelrücktritt von Vorstandschef Hiesinger und Aufsichtsratschef Lehner den Konzern und seine 160.000 Mitarbeiter in Atem gehalten. Nun scheint es der vermeintlichen Ersatzmannschaft an der Konzernspitze zu gelingen, den Knoten zu durchschlagen. Der eigentlich nur für den Übergang bestellte Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff kann sich der Zustimmung sicher sein. Obwohl es sehr ungewöhnlich ist, dass eine so weitreichende Entscheidung von einem Aufsichtsrat abgesegnet werden soll, dem auf der Kapitalseite zwei Vertreter fehlen und der deshalb von einem Gewerkschaftsvertreter geführt wird.

          Die spannende Frage lautet, wie Thyssen-Krupp Materials auf Dauer mit ihrem Minderheitsanteil an den Zukunftsgeschäften der Schwestergesellschaft umgehen wird? Wird sich hier die Eon-Geschichte wiederholen und am Ende auch bei Thyssen-Krupp Industrials ein neuer Großaktionär einsteigen? Dann könnte es doch noch zum Ausverkauf kommen. Ein Happy End, das dauerhaft alle Beteiligten zufrieden stellt, ist noch nicht sicher.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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