https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/thyssen-krupp-verzichtet-auf-staatshilfen-17097769.html

Widerstand von Bund und Land : Thyssen-Krupp verzichtet auf Staatshilfen

Das Firmenlogo von Thyssen-Krupp steht an einer Einfahrt in Dortmund. Bild: dpa

Die Hoffnung von IG Metall und Betriebsrat, mit Staatshilfe einen weiteren Stellenabbau unter den rund 27.000 Stahlkochern verhindern zu können, hat sich endgültig zerschlagen.

          1 Min.

          Thyssen-Krupp will seine Stahlsparte ohne Hilfe des Staates sanieren. Eine staatliche Beteiligung sei vom Tisch, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg der „Rheinischen Post“. Ziel sei es, aus eigener Kraft zukunftsfähig zu werden. Dafür wird der Sparkurs weiter verschärft werden müssen.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Hoffnung von IG Metall und Betriebsrat, mit Staatshilfe einen weiteren Stellenabbau unter den rund 27.000 Stahlkochern verhindern zu können, hat sich endgültig zerschlagen. Die Streichung von 3000 Stellen ist beschlossene Sache, aber das wird nicht reichen. Die Kapazitäten sind zu hoch, die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Fast eine Milliarde Euro Verlust hatte Thyssen im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr im Stahlgeschäft erlitten, die Aussichten bleiben düster. Die Verhandlungen über tiefere Einschnitte sollen schnell beginnen. Eine entscheidende Frage wird sein, ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Die waren bisher ein Tabu, inzwischen hält sich der Vorstand auch diesen harten Weg offen.

          Ebenso bleibt ein Verkauf weiter denkbar. Für den britischen Konkurrenten Liberty Steel, der ein bisher unverbindliches Übernahmeangebot gemacht hat, sind die Bücher geöffnet worden. Bis zum Frühjahr soll eine Entscheidung fallen, ob Thyssen-Krupp den Stahl ganz abgibt, in eine Allianz einbringt oder ihn allein wieder auf Vordermann bringt.

          Hilfen hoch verzinst

          Es war nicht nur der hinhaltende Widerstand von Bund und Land, der den Konzernvorstand dazu bewogen hat, auf Hilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zu verzichten. Denn Thyssen-Krupp käme die Unterstützung ziemlich teuer zu stehen. WSF-Hilfen werden vergleichsweise hoch verzinst, eine stille Beteiligung muss üblicherweise nach sechs oder sieben Jahren wieder ausgezahlt werden.

          Das wäre von der defizitären Stahlsparte ohne eine Querfinanzierung aus dem übrigen Konzern kaum finanzierbar. An Liquidität mangelt es allerdings aktuell nicht. Nach dem Verkauf der Aufzugssparte ist der Konzern finanziell wieder beweglicher geworden.

          Weitere Themen

          „Die Ukraine kann auf uns zählen“

          Polens Präsident Duda : „Die Ukraine kann auf uns zählen“

          Der russische Überfall auf die Ukraine wird die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der osteuropäischen Staaten intensivieren. Davon zeigten sich die Staatspräsidenten Polens, Lettlands und Estlands auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos überzeugt.

          Topmeldungen

          Ihm muss der Wandel gelingen: Finanzminister Christian Lindner

          Finanzpolitik der Regierung : Lindners Zeitenwende

          Wenn der FDP-Chef im Jahr 2025 nicht blank dastehen will, muss Christian Lindner als Finanzminister einen Wandel schaffen. Ohne eine Umkehr in der Finanzpolitik wird die Belastung der Bürger und Unternehmen weiter zulegen.

          Radikaler Klimaprotest : Kleb dich fest!

          Christian Bläul ist Teil der „Letzten Generation“ – er blockiert Straßen und Pipelines. Sie nennen das zivilen Ungehorsam. Viele sind davon genervt. Was will die Klimabewegung erreichen? Unterwegs mit einem Aktivisten.
          Handel mit Europa: Der Containerhafen in Shanghai

          Eine neue Weltordnung? : Handel erst nach Wandel

          Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat das Scheitern des Prinzips Wandel durch Handel offenbart. Demokratische Staaten müssen ihre Werte vor die Geschäfte mit autokratischen Regimen stellen. Ein Gastbeitrag.

          Scholz in Davos : „Putin hat alle seine strategischen Ziele verfehlt“

          Der Bundeskanzler zeigt sich überzeugt davon, dass Russland den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen wird. In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum ruft Olaf Scholz zudem zu mehr internationaler Zusammenarbeit auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement