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Geplante Stahlfusion : Thyssen-Krupp und Tata machen Zugeständnisse

Ein Stahlwerk von Tata, aufgenommen in Port Talbot in Wales Bild: dpa

Der deutsche Industriekonzern will seine Stahlsparte mit dem indischen Unternehmen fusionieren. Doch zunächst müssen sie die EU-Kommission überzeugen. Helfen soll dabei nun offenbar der Verkauf von Standorten.

          Im Ringen um die geplante europäische Stahlfusion haben Thyssen-Krupp und der indische Konkurrent Tata den Verkauf mehrerer Produktionsanlagen angeboten, um ein Veto der Europäischen Kommission zu vermeiden. Am 5. Juni wird nun eine endgültige Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter erwartet. Auf der Veräußerungsliste stehen nach Insiderangaben zwei Anlagen für Autobleche in Spanien und Belgien.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die wettbewerblichen Bedenken auf dem Markt für Verpackungsstahl, wo Tata und Thyssen zum dominierenden Unternehmen würden, sollen demnach durch den Verkauf von zwei Tata-Standorten in Belgien und Großbritannien ausgeräumt werden. Das Werk Rasselstein im rheinland-pfälzischen Andernach, wo rund 2000 Mitarbeiter Verpackungsmaterialien wie Bleche für Konservendosen produzieren, käme ungeschoren davon. Die Unternehmen bestätigten, dass die Angebote eingereicht worden seien, wollten sich zum Inhalt aber nicht äußern.

          Guido Kerkhoff, Vorstandschef von Thyssen-Krupp, zeigte sich davon überzeugt, dass die beiden Partner die Freigabe für ihr Gemeinschaftsunternehmen bekommen werden. „Unsere Vorschläge decken aus unserer Sicht alle von der Kommission vorgetragenen Bedenken ab. Das Angebot ist weitreichend und ein substantielles Entgegenkommen“, ließ sich in einer knappen Pressemitteilung am Dienstag zitieren.

          „Kein Risiko für die industrielle Logik des Gemeinschaftsunternehmens“

          Für Thyssen-Krupp ist der Zusammenschluss ein zentrales Element des Konzernumbaus. Milliardenlasten für Pensionsverpflichtungen könnten aus der Bilanz herausgelöst werden; durch die Zusammenlegung von Hüttenwerken, Weiterverarbeitung, Vertrieb und Logistik sollen jährlich Kosten von 400 bis 500 Millionen Euro eingespart werden. Die Beteiligung an dem neuen Stahlriesen, durch den in Europa eine starke Nummer zwei hinter Weltmarktführer Arcelor-Mittal entstehen würde, soll im Zuge der geplanten Konzernspaltung zusammen mit dem Werkstoffhandel und anderen werkstoffnahen Aktivitäten in die „Materials“ eingebracht werden. Das Aufzugsgeschäft, der Anlagenbau und das Autozuliefergeschäft will Kerkhoff in der Schwestergesellschaft „Industrials“ bündeln.

          Der Vorstandschef stellte in seinem Statement klar, dass die Zugeständnisse den Kern des Joint-Ventures nicht berührten. Es gebe „kein Risiko für die industrielle Logik des Gemeinschaftsunternehmens“, so Kerkhoff in der Erklärung. Wie schwierig der Kompromiss werden könnte, hatte sich schon in den vergangenen Wochen gezeigt. Kerkhoff persönlich war nach Brüssel gereist, um mit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Einwände und eine Verlängerung der Fristen für die Vorbereitung der Konzessionen zu besprechen.

          Einen ersten Erfolg gab es: Ihre Bedenken, dass das Gemeinschaftsunternehmen einen zu starke Stellung auf dem Markt für Elektrobandstahl bekommen könnte, hat die Kommission fallen lassen. Doch es gab und gibt offenbar auch Stimmen, die die Herauslösung ganzer Stahlwerke und Hochöfen aus dem neuen Konglomerat verlangen. Das allerdings wäre mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil Thyssen und Tata dann an die großen integrierten Standorte in Duisburg, im niederländischen Ijmuiden oder im britischen Port Talbot heran müssten.

          Wie es aus der Branche hieß, umfasst das Kompromissangebot deshalb statt dessen den Vorschlag, die zum Verkauf angebotenen Weiterverarbeitungsanlagen aus den eigenen Werken heraus mit kostengünstigen Rohstoffen zu versorgen: Der Stahl für die Herstellung feuerverzinkter Autobleche und Verpackungen käme dann weiter aus den Hüttenwerken von Tata und Thyssen-Krupp.

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