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Klage gegen Fusionsverbot : Thyssen-Krupp legt sich mit der EU-Kommission an

  • Aktualisiert am

Dunkle Wolken über Thyssen-Krupp Bild: dpa

Europas zweitgrößter Stahlkonzern wäre durch die Stahlfusion von Tata und Thyssen-Krupp entstanden – dann kam das Verbot der EU-Kommission dazwischen. Thyssen-Krupp findet die Entscheidung falsch und zieht vor Gericht.

          Thyssen-Krupp zieht gegen das Nein der EU-Kommission zur Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel vor Gericht. Die Kommission habe den Rahmen des geltenden Wettbewerbsrechts über Gebühr ausgedehnt, begründete Vorstand Donatus Kaufmann am Donnerstag die Klage vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg. Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff hatte diesen Schritt bereits angekündigt. Die Essener rechnen aber nicht damit, dass sie auf diesem Weg die Fusion doch noch durchsetzen können.

          Die EU-Kommission hatte im Juni den geplanten Zusammenschluss der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel untersagt, weil sie den Wettbewerb bei bestimmten Stahlsorten für gefährdet hielt. Die Fusion hätte nach ihrer Einschätzung zu steigenden Preisen geführt. Zugeständnisse von Thyssen-Krupp und Tata hatten den Wettbewerbshütern für eine Freigabe des Zusammenschlusses nicht ausgereicht.

          Klage mit grundsätzlicher Bedeutung

          Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit etwa 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssen-Krupp wollte damit die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

          Der Essener Industriekonzern misst der Klage, die in der ersten Instanz zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen dürfte, grundsätzliche Bedeutung zu. „Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation“, sagte Kaufmann.

          Der Vorstand warf der Kommission vor, bei Verpackungsstahl und Blechen für die Autoindustrie erstmals eine so enge Marktabgrenzung vorgenommen zu haben. „Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schaffen ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte.“ Die Entscheidung der Kommission sei deshalb falsch.

          Neue Strategie

          In Branchenkreisen wird darauf verwiesen, dass die EU-Kommission im vergangenen Jahr dem weltgrößten Stahlkonzern Arcelor-Mittal erlaubt habe, die italienische Stahlfirma Ilva zu übernehmen. Arcelor-Mittal hatte sich verpflichtet, eine Reihe von Stahlwerken zu verkaufen.

          Die EU-Wettbewerbshüter stehen hingegen zu ihrem Beschluss in Sachen Thyssenkrupp und Tata. „Die EU-Kommission wird ihre Entscheidung vor Gericht verteidigen“, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

          Für Thyssenkrupp hatte das Platzen des Geschäfts mit Tata unmittelbare Folgen. Kerkhoff musste einen Strategieschwenk vornehmen und die geplante Aufteilung des Unternehmens in zwei Gesellschaften absagen. Die Abhängigkeit vom wechselhaften und kapitalintensiven Stahlgeschäft ist damit wieder gestiegen. Kerkhoff verfolgt jetzt einen umfassenden Umbau des Konzerns und sucht für verschiedene Industriegeschäfte Partner. Um Geld in die Kasse zu bekommen, soll das Aufzugsgeschäft zumindest teilweise an die Börse gebracht werden.

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