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Stahlkonzern : Thyssen-Krupp-Chef stimmt Mitarbeiter auf harte Zeiten ein

  • -Aktualisiert am

Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff Bild: AFP

„Es gilt, schnell zu handeln“, schreibt Guido Kerkhoff in einem internen Brief an das Personal. Denn der Stahlkonzern muss dringend Kosten einsparen.

          Es sind drei Punkte, mit denen Guido Kerkhoff, der Vorstandschef von Thyssen-Krupp, seine Mitarbeiter in einem internen Brief konfrontiert: kritische Überprüfung aller Projektkosten, sofortiger Einstellungsstopp und eine Verschärfung der Vorgaben für Reisen und Tagungen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Reisen sollen reduziert werden, Beraterkosten am besten komplett wegfallen und die Kosten insgesamt „nachhaltig“ sinken. Der Vorstand habe beschlossen, „konzernweit auch kurzfristig Einsparpotentiale zu realisieren“. Die Ergebnissituation sei angespannt, es müssten kurzfristige Maßnahmen hinzukommen zur Neuausrichtung des Konzerns, die Kerkhoff im Mai verkündet hatte. „Es gilt, schnell zu handeln“, teilt der Vorstandsvorsitzende in dem Schreiben mit, das der F.A.Z. vorliegt. Zu erst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

          Thyssen-Krupp äußert sich offiziell nicht dazu. Aus dem Umfeld des Konzerns ist allerdings zu hören, dass es in einer Phase des Umbruchs doch völlig normal sei, das Bewusstsein für Kosten zu schärfen. Solche häufig als „Brandbriefe“ bezeichneten Mitteilungen an Mitarbeiter sind tatsächlich in Konzernen in Krisensituationen nicht ungewöhnlich. Beraterverträge werden dann nicht verlängert, auch auf Einsparmöglichkeiten bei Büromaterial oder Bewirtungen wird hingewiesen. Was im Brief von Kerkhoff allerdings fehlt, womit Chefs sonst häufig ihren Aufruf garnieren, sind positive Durchhalteparolen. So schreibt er nur: „Wir wissen, dass wir Ihnen viel abverlangen. Aber wir setzen darauf, dass Sie gemeinsam mit uns alles in Ihren Bereichen Mögliche tun, um unser Unternehmen zukunftsfest zu machen.“

          Der Aktienkurs von Thyssen-Krupp steht schon seit einigen Monaten unter Druck. Eine weitere Prognosesenkung ist informierten Personen zufolge aber erst einmal nicht zu erwarten. Im August gibt der Konzern seine Quartalszahlen bekannt. Nachdem das geplante Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel gescheitert ist, will Kerkhoff den Konzern auf Hochöfen, Werkstoffe und Werkstoffhandel ausrichten. Um diese Bereiche auch mit Zukäufen zu stärken, braucht das Unternehmen allerdings dringend Geld. Thyssen-Krupp will deshalb die renditestarke Aufzugsparte an die Börse bringen.

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