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Thyssen-Krupp-Chef Kerkhoff : Der Unwahrscheinliche

  • -Aktualisiert am

„Wenn der Chef ein langes Gesicht macht, werden auch die Gesichter der Mitarbeiter immer länger und die Motivation sinkt.“ Bild: Hagemann, Insa

Guido Kerkhoff gibt sich redlich Mühe, bei Thyssen-Krupp Aufbruchstimmung zu verbreiten. Manchmal auch mit Bierflasche in der Hand. Ein Portrait.

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          Guido Kerkhoff lacht gerne, viel und laut. Doch in den vergangenen Wochen hatte der neue Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp wenig zu lachen. Zu verfahren war die Situation nach den Rücktritten von Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Zu uneinig war der Aufsichtsrat über die zukünftige Ausrichtung, zu aussichtslos erschien die Suche nach neuem Führungspersonal. Seit Kurzem ist zumindest die Personalfrage geklärt: Einstimmig hat der Aufsichtsrat Kerkhoff für fünf Jahre an die Unternehmensspitze berufen. Wer ist der Mann, dem es gelang, den öffentlich zerstrittenen Aufsichtsrat für seine Sache zu gewinnen?

          Kerkhoff ist nicht neu bei Thyssen-Krupp. Als Finanzvorstand hat er die Kultur des Essener Traditionsunternehmens entscheidend mitgeprägt. Früher dominierte in der Zentrale der Stahl-Männer eine stählerne Hierarchie. Wenn er an sein Vorstellungsgespräch zurückdenkt, muss der neue Chef laut lachen. „Ich sah die Leute hier, im Zweireiher und mit Einstecktuch“, erzählt er. „Mein erster Gedanke nach dem Vorstellungsgespräch hier im Haus bei Thyssen-Krupp war: ,Ich brauch neue Klamotten!“ Es kam dann aber anders, und das sagt viel über den Menschen Guido Kerkhoff aus. Die Krawatte ist abgeschafft, am Jackett arbeitet der Vorstandsvorsitzende noch. Der bunte Magenta-Kerl – Kerkhoff kam von der Telekom – hat den Stahl-Leuten gezeigt, dass das nicht wichtig ist. Die Leistung zählt und nicht der Anzug. „Status und Macht sind mir nicht wichtig, das interessiert mich nicht“, behauptet Kerkhoff. Die Ärmel hochkrempeln, das sagt ihm mehr zu. Seine Hemdsärmeligkeit nimmt man dem Niedersachsen ab. Eben gerade, weil er sie sich nicht erst nach seiner Wahl zum Chef zugelegt hat, sondern von vornherein als einen Grundsatz vertreten hat.

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