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Sitzung in Essen : Thyssen-Krupp-Aufspaltung kann beginnen

Fortan nicht nur Interims-Chef: Der neue Thyssen-Krupp-Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff Bild: EPA

Unter neuer Führung von Bernhard Pellens billigt der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp den Umbauplan. Guido Kerkhoff soll dauerhaft Vorstandschef bleiben.

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          Der große Umbau von Thyssen-Krupp kann beginnen. Am Sonntag hat der Aufsichtsrat des Essener Stahl- und Industriekonzerns die Aufteilung in zwei unabhängige Gesellschaften gebilligt. Die eine soll sich um die Industriegeschäfte kümmern, während sich die Schwestergesellschaft auf Stahl und Werkstoffe konzentriert. In einer noch vor wenigen Wochen kaum vorstellbaren großen Koalition stellte sich die Arbeitnehmerseite zusammen mit der Krupp-Stiftung und den übrigen Aktionärsvertretern einstimmig hinter den vom Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff präsentierten Plan. Der langjährige Finanzvorstand, der nach dem Rücktritt von Vorstandschef Heinrich Hiesinger zunächst nur für den Übergang an die Konzernspitze geholt worden war, soll nun dauerhaft die Führung behalten. Sein Vertrag als Vorstandschef ist um fünf Jahre verlängert worden.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Ebenso bekommt Personalvorstand Oliver Burkhard einen neuen Vertrag bis Ende September 2023. Die Bestellung von Donatus Kaufmann, verantwortlich für Recht und Compliance, war schon zuvor bis Ende Januar 2022 verlängert worden. Das aktuelle Vorstands-Trio soll demnächst wieder um einen Finanzvorstand erweitert werden.

          Bald drei Monate nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner wird die Spitze des Kontrollgremiums ebenfalls neu besetzt: Die Nachfolge übernimmt der Bochumer Wirtschaftsprofessor Bernhard Pellens, ein mit dem Konzern bestens vertrauter Mann. Der 62 Jahre alte Wissenschaftler und neue Chefkontrolleur gehört dem Aufsichtsrat schon seit 2005 an. Die Suche nach einem externen Kandidaten war erfolglos geblieben. Die damit beauftragte Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, und Jens Tischendorff, Deutschlandstatthalter des mit 18 Prozent zweitgrößten Aktionärs Cevian, hatten sich mehrere Absagen eingehandelt. Gather betonte die große Erfahrung, die Pellens mitbringe. Er leite den Prüfungsausschuss und habe eine Vielzahl von strategischen Entscheidungen erfolgreich begleitet und geprägt.

          Beide Unternehmen sollen an der Börse bleiben

          Seit dem Lehner-Rücktritt hatte der IG Metall-Vertreter Markus Grolms die Geschäfte des Kontrollgremiums geführt und sich dabei allseitige Anerkennung erworben, wie Gather und Pellens sagten. Zwei der zehn Plätze auf der Kapitalbank bleiben weiter unbesetzt: Neben Lehner hatte auch der frühere Telekom-Vorstandschef René Obermann sein Mandat niedergelegt.

          An den von Kerkhoff ausgearbeiteten Eckpunkten hat sich nichts mehr verändert. Sein Konzept ist die Antwort auf die laute Kritik an der Konglomeratsstruktur, in der einflussreiche Investoren einen Hauptgrund für die Ertragsschwäche des 200 Jahre alte Traditionskonzerns sehen. Deshalb werden nun die Industriesparten in die neue Thyssen-Krupp Industrials AG abgespalten, während sich der bisherige Mutterkonzern unter dem Namen Thyssen-Krupp Materials AG auf Stahl- und Werkstoffgeschäfte konzentrieren soll. Auch der Marineschiffbau wird dort untergebracht werden. Beide Unternehmen sollen jeweils als eigenständige börsennotierte Gesellschaften geführt werden.

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