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Thyssen-Krupp : Auf dem Hügel und in den Niederungen

  • -Aktualisiert am

Im Zeichen des Stahls, aber mit welcher Zukunft? Straßenszene aus Duisburg Bild: Schoepal, Edgar

Nach dem Tod von Berthold Beitz ist Thyssen-Krupp ein Spekulationsobjekt geworden. Der Ankeraktionär Krupp-Stiftung befasst sich zurzeit aber nicht mit Zerschlagungsphantasien sondern mit Nachfolgefragen.

          Wer wird die Nachfolge von Berthold Beitz in der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung antreten? Was passiert, wenn demnächst eine Kapitalerhöhung bei dem angeschlagenen Stahl- und Industriegüterkonzern die Position der Stiftung als Ankeraktionär von Thyssen-Krupp schwächen sollte? Diese beiden Fragen bewegen die Öffentlichkeit offenbar mehr als die Gremien der gemeinnützigen Stiftung in Essen im Park der Villa Hügel, dem einstigen Kruppschen Familienpalais.

          Für die Stiftung gibt es jetzt näherliegende Aufgaben zu erledigen. Nach dem Tod des mächtigen Stiftungsvorsitzenden Beitz am 30. Juli sind für den September zwei Feiern zu organisieren: die Trauerfeier mit prominenten Gästen am 26. September, dem 100. Geburtstag von Beitz, und einige Tage später die Jazzmatinee für Mitarbeiter, Freunde und Essener Bürger, auf die sich der Krupp-Patriarch besonders gefreut hatte. Ob die Nachfolge in den Stiftungsgremien vor oder nach diesen Feiern geregelt werden, ist offen.

          Bei Thyssen-Krupp brennt es lichterloh

          Derweil drängt die Zeit, denn bei Thyssen-Krupp brennt es lichterloh. Das Unternehmen leidet unter den gigantischen Fehlinvestitionen in Amerika, aber auch unter den finanziellen Risiken von früheren Preisabsprachen. Der in den ersten neun Monaten auf 1,2 Milliarden Euro angeschwollene Konzernverlust ist das kleinere Problem. Schwerer wiegt, dass der Vorstand die Unsicherheiten nicht klären konnte, die Thyssen-Krupp seit Monaten zum Spielball einer gewaltigen Spekulationswelle machen, in den Medien und an der Börse.

          Im Gegenteil: Der seit Monaten strittige Zeitpunkt einer Kapitalerhöhung scheint näherzurücken. So hat der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger in dieser Woche erstmals eingeräumt, dass der Fortgang der strategischen Neuausrichtung entscheidend für den Zeitpunkt einer Kapitalerhöhung ist. Bislang galt immer der Verkauf der notleidenden Stahlhütte in Brasilien und des Walzwerks in Alabama als die Voraussetzung für eine Stärkung des auf knapp 3 Milliarden Euro erodierten Eigenkapitals.

          Eigentlich soll der Rückzug aus der Stahlproduktion in Amerika die Lage etwas entspannen. Aber den vor fast einem Jahr begonnene Verkaufsprozess verzögern technische Probleme in der Stahlhütte, wie auch diverse langlaufende Verträge mit denen der Mitgesellschafter und Eisenerzlieferant, der brasilianische Bergbaukonzern Vale, zu einem größeren Engagement bei dieser Investition geködert wurde.

          Anteilseigner und Börsenwert der Thyssen-Krupp AG

          Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die seit Monaten die Gerüchte einer drohenden Zerschlagung von Thyssen-Krupp schüren. Es ist gewiss, dass die Krupp-Stiftung bei einer Kapitalerhöhung nicht mitziehen kann. Die Sperrminorität der vor fünf Jahren auf 25,3 Prozent ausgebauten Unternehmensbeteiligung ginge verloren. Häufig fällt der Name RAG-Stiftung als Weißer Ritter. Seit April wird über diese Stiftung und ihren Vorstandsvorsitzenden Werner Müller eine regelrechte Geisterdebatte geführt. Der frühere Wirtschaftsminister und ehemalige RAG-Chef Müller hat wiederholt erklärt, er würde eine finanzielle Unterstützung der Krupp-Stiftung prüfen lassen, wenn er darauf angesprochen werde.

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