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Thomas Sedran : Der neue Opel-Chef bleibt auch nicht lang

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Thomas Sedran hat gute Chancen, nächster Opel-Chef zu werden. Bild: Archiv

Thomas Sedran heißt der Favorit für den Chefposten bei Opel. Auch er wird wohl bald wieder gehen müssen.

          Der neue Opel-Chef könnte in einigen Monaten schon wieder der alte sein. So unglaublich es klingt: Der erst seit Donnerstag amtierende Interimschef wird zunächst auch nur durch einen Interimschef abgelöst. „Die Suche nach einem Nachfolger für Karl-Friedrich Stracke hat begonnen. Der Opel-Aufsichtsrat wird in Kürze einberufen, um einen kommissarischen Opel-Vorstandsvorsitzenden zu benennen“, heißt es aus Rüsselsheim. Als ob die Marke Opel nicht gerade jetzt, mitten in der Krise, ein wenig mehr personelle Kontinuität brauchen könnte, um Vertrauen bei den Autokäufern und den Beschäftigten aufzubauen. Nach dem überstürzten Rücktritt des bisherigen Opel-Chefs Karl-Friedrich Stracke, der nach nur 15 Monaten Amtszeit das Handtuch geworfen hat, übernimmt für einige Tage Stephen Girsky, der Vizechef des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors, das Steuer in Rüsselsheim.

          Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gilt Opel-Strategiechef Thomas Sedran. Auch Produktionschef Peter Thom wird von manchen als Alternative genannt. Doch Thom würde auf besonders harten Widerstand der Gewerkschafter von der IG Metall treffen. Denn er war es, der zu Jahresbeginn von Werk zu Werk zog, um den Belegschaften an den einzelnen Standorten mit impliziten Schließungsdrohungen billigere und flexiblere Arbeit abzuringen. Die Betriebsräte mögen ihn nicht besonders.

          Also wird wohl Sedran das Rennen machen. Er ist seit April als Vorstand des eigens für ihn neu geschaffenen Ressorts „Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien“ in das Führungsgremium eingerückt. Sedran ist als guter Skiläufer mit einer Frau aus Kitzbühel verheiratet und entsprechend auch in den besseren Kreisen des Tiroler Orts vernetzt, in denen VW-Chef Winterkorn und dessen Vorgänger Pischetsrieder verkehren. Sedran kennt Opel schon lange von innen. Denn er kommt von der auf Sanierungen spezialisierten und weltweit tätigen Unternehmensberatung Alix Partners, mit der er seit Jahren im Auftrag von GM mit an der Sanierung von Opel arbeitete, unter anderem an der Neuordnung des Standorts Bochum. Sedran hat die gesamte Phase der Unsicherheit während des Jahres 2009 mitgemacht, als Opel erst an den kanadischen Zulieferkonzern Magna verkauft werden sollte und dann doch im GM-Konzern verblieb. Er hat 20 Jahre Erfahrung in der Branche – und anders als der Tüftler und Ingenieur Stracke gilt Sedran eher als Sanierer.

          Der 47 Jahre alte Manager fährt klar auf dem Gewerkschaftsticket. Er genießt die Unterstützung des Betriebsrats und der IG Metall, weil er sich zuverlässig an Abmachungen mit den Gewerkschaftern hält. Das dürfte seine Chancen, im paritätisch von den Arbeitnehmern mitbestimmten Opel-Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden gewählt zu werden, deutlich erhöhen. Schließlich ist die IG Metall – ähnlich wie bei Volkswagen – auch bei Opel ein extrem wichtiger und alteingesessener Machtfaktor. Auch die Arbeitgeberseite schätzt Sedrans guten Draht zu den Belegschaftsvertretern: „Er kann gut mit den Leuten und er versteht es, im Team zu arbeiten“, sagt ein anderes Vorstandsmitglied über ihn. Dass Sedran die Sprache der IG Metall versteht, ist keine Nebensache in der gegenwärtigen Situation: Schließlich muss in den kommenden Wochen vielleicht über Personalabbau und Werksschließungen, ganz sicher aber über Lohnverzicht in Form von aufgeschobenen Tariferhöhungen verhandelt und entschieden werden. Im nächsten Schritt geht es darum, die Allianz von Opel mit Peugeot im Einkauf, in der Entwicklung und in der Logistik voran zu treiben, um Kosten zu sparen. Auch das wird nicht ganz ohne den Betriebsrat gehen.

          Sedran wird – den Interimschef Girsky nicht gerechnet – der dritte neue Vorstandsvorsitzende binnen drei Jahren. Trotz aller seiner Vorzüge könnte es sein, dass auch er schon bald wieder abgelöst wird. Dem Vernehmen nach sucht Opel auch außerhalb des Unternehmens nach einem geeigneten Mann. Einen Spitzenmanager aus Deutschland für den Führungsposten bei Opel zu begeistern, dürfte angesichts der Lage äußerst schwierig werden. Zu attraktiv sind im Vergleich zu Opel die anderen potentiellen Arbeitgeber aus der Automobilbranche wie Volkswagen, Daimler oder BMW. Allerdings gibt es auch dort immer wieder Dissidenten, die im Streit mit dem Unternehmen ausscheiden. Einer dieser Manager könnte die fast unmögliche Aufgabe der Opel-Rettung vielleicht als interessante Herausforderung ansehen. Er wäre der 19. Opel-Manager in 64 Jahren und müsste ein Faible für Blut, Schweiß und Tränen haben.

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