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Thomas Middelhoff : Wenn das Lächeln gefriert

  • -Aktualisiert am

Thomas Middelhoff Bild: AP

Der einst so gute Ruf des „Magiers“ Thomas Middelhoff ist ruiniert. Inzwischen wird er stattdessen als „Deutschlands gierigster Manager“ tituliert. Vielleicht ist er am Ende trotzdem noch arm geworden. Ein Porträt.

          5 Min.

          Ob er an den Tag, an dem Madeleine Schickedanz in sein Leben getreten ist, häufiger denkt? Denn Thomas Middelhoff hat auf persönliche Bitte der Erbin des Karstadt-Quelle-Konzerns den Aufsichtsratsvorsitz und ein Jahr später den Vorstandsvorsitz des angeschlagenen, später in Arcandor umbenannten Handelskonzerns übernommen. Dieser Karriereabstecher des kontinuierlich strahlenden und stets umtriebigen Ex-Bertelsmann-Managers in den Einzelhandel mündete aber in eine der größten Unternehmenspleiten der Nachkriegsgeschichte. Gleich zwei Staatsanwaltschaften haben Middelhoff ins Visier genommen, die in Bochum und die in Köln.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Der einst so gute Ruf des „Magiers“ ist ruiniert. Inzwischen wird er stattdessen als „Deutschlands gierigster Manager“ tituliert. Und auch darüber, ob Middelhoff über das Arcandor-Desaster trotz der ihm unterstellten Gier am Ende noch arm geworden ist, darf inzwischen gestritten werden. Fest steht: Er hat viel genommen, er hat hoch gewettet - und viel verloren.

          Komplizierte Gemengelage

          Die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft in Bochum ermittelt im Zusammenhang mit der Arcandor-Insolvenz wegen des Verdachts auf Untreue. Im zweiten Fall, in dem es vorwiegend um ein von der Finanzaufsicht Bafin beanstandetes Kreditgebaren früherer Verantwortlicher des inzwischen der Deutschen Bank gehörenden Bankhauses Oppenheim geht, wird in Köln eine mögliche Beihilfe zur Untreue untersucht. Zwischen beiden Ermittlungsverfahren gibt es eine Menge Berührungspunkte. Entsprechend kurz dürften die Drähte zwischen beiden Behörden jetzt sein. Wohlgemerkt handelt es sich bisher nur um Ermittlungen; den Verdacht der Untreue im Amt hat Middelhoff selbst zurückgewiesen. Nach den Worten seines Anwalts Sven Thomas erweckt die Staatsanwaltschaft Bochum nach monatelangen Ermittlungen noch immer den Eindruck, als sei sie auf der Suche nach einem Verdacht. „Und der Beratervertrag mit Oppenheim war vernünftig begründet“, fügt Thomas mit Blick auf die Ermittlungen in Köln an.

          So strahlt das geschäftliche Beziehungsgeflecht zwischen Arcandor, Oppenheim, dem schillernden Bauunternehmer Josef Esch als dem Vermögensverwalter von Middelhoff und der Oppenheim-Kreditkundin Schickedanz auf beide Fälle ab. Die Gemengelage gibt Anlass zu vielen Diskussionen, denn sie ist längst nicht nur für Außenstehende kompliziert: So sind Middelhoff und seine Frau an Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt, die einige Warenhausfilialen an Karstadt vermietet haben. Oppenheim hat hohe Kredite an Schickedanz vergeben, für die wiederum ehemalige Oppenheim-Gesellschafter privat gehaftet haben sollen. Zu diesem Zweck sollen sie hohe Kredite von der Bank erhalten haben, und zwar zu marktunüblich niedrigen Zinsen und ohne ausreichende Gewährung von Sicherheiten. So jedenfalls wird es kolportiert.

          Das ganz große Rad

          Middelhoff, heute gemeinsam mit Roland Berger und Florian Lahnstein Partner der Investmentfirma BLM mit Büros in London und Köln, hat es jedenfalls stets geliebt, das ganz große Rad zu drehen. Für ein milliardenschweres Geschäft rund um das Internetunternehmen AOL soll er zu seinen Bertelsmann-Zeiten rund 40 Millionen Euro Bonus erhalten haben. Später kam bei seinem vorzeitigen Ausscheiden in Gütersloh eine millionenschwere Abfindung hinzu. Auch bei seinem nächsten Arbeitgeber, dem Finanzinvestor Investcorp. soll er bestens verdient haben, weit mehr jedenfalls, als er in der späteren Funktion als Karstadt-Quelle-Chef erhielt. In Fragen rund um die Anlage seines Geldes ließ er sich von Esch beraten. Hier beginnen die Probleme.

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