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Thomas Middelhoff : Wenn das Lächeln gefriert

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Denn im Zusammenhang mit der Schieflage von Oppenheim hat die Finanzaufsicht Bafin die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte eingeschaltet. Und nach dem von ihr erstellten, eigentlich geheimen Untersuchungsbericht, aus dem Passagen offenbar gezielt gestreut wurden, sollen Engagements des Ehepaars Middelhoff in Oppenheim-Esch-Fonds mit 107 Millionen Euro durch Oppenheim kreditfinanziert sein. Da diesen Fonds aber einige an Karstadt vermietete Warenhausfilialen gehören, mussten die Wertansätze der Darlehen im Zuge der Insolvenz nach unten korrigiert - und eine entsprechende Risikovorsorge getroffen werden. Der Grund: Inzwischen ist der Mietvertrag mit dem Einkaufszentrum in Wiesbaden gekündigt, und für die Warenhäuser in Karlsruhe, Potsdam, Leipzig und München hat der Karstadt-Insolvenzverwalter deutliche Abstriche an den hohen Mieten ausgehandelt. Im Zuge der Neubewertung wurde Middelhoff also aufgefordert, Sicherheiten nachzuliefern. Die Rede ist von 57 Millionen Euro. Die Aufforderung zur Leistung solcher Summen ist offenbar geeignet, geschäftsschädigende Gerüchte einer möglichen Illiquidität zu provozieren. Deshalb hat Middelhoff gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ unter anderem über solche Details wie den ausreichenden Füllungsgrad seiner Festgeldkonten gesprochen.

Immense Datenfülle

Die lange vor seiner Zeit bei dem Essener Handelskonzern begonnenen Immobiliengeschäfte Middelhoffs hatten auch die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) auf den Plan gerufen. Sie forderte Aufklärung und ein entsprechendes Ermittlungsverfahren. In dem seither laufenden Verfahren hat die Staatsanwaltschaft Bochum eine immense Datenfülle zusammengetragen, Festplatten beschlagnahmt und vor wenigen Wochen weitere Unterlagen in der Essener Konzernzentrale gesichtet. Und dabei geht es längst nicht nur um die Fonds. Im Rahmen eines solch großen Unternehmenszusammenbruchs werde generell ermittelt, ob strafrechtlich relevante Vorgänge zur Insolvenz geführt haben, heißt es auf Nachfrage in Bochum. Das bedürfe angesichts der Fülle der Information viel Zeit. Unter anderem soll sich die Staatsanwaltschaft für die Flugkosten des ehemaligen Konzernchefs interessieren. So soll Middelhoff 2006 rund 800.000 Euro verflogen haben, unter anderem durch Nutzung der Flugzeuge der Challenge Air, einer Fluggesellschaft der Esch-Gruppe. „Eine entsprechende schriftliche Vereinbarung mit dem Aufsichtsrat war Teil von Middelhoffs Anstellungsvertrag. Die Einhaltung dieser Vereinbarung wurde vierteljährlich von den Wirtschaftsprüfern sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden geprüft. Es wurden dabei keine Beanstandungen festgestellt“, sagt Anwalt Thomas hierzu.

Dass die Person Middelhoffs auch für die Kölner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes auf Beihilfe zur Untreue von Interesse ist, dürfte mit einem Beratervertrag zusammenhängen. Diesen hatte Middelhoff nach seinem Ausscheiden in Essen mit der inzwischen abgelösten Oppenheim-Führung abgeschlossen. Kommentieren will das der zuständige Staatsanwalt freilich nicht: Für insgesamt rund 10 Millionen Euro sollte Middelhoff nach vor gut einem Jahr ausgehandelten Vertragsbedingungen dem Bankhaus als einem der Hauptaktionäre von Arcandor mit seinem Wissen über den angeschlagenen Handelskonzern und dessen Beteiligungen zu Diensten sein. Wegen der vorzeitigen Auflösung sollen die Zahlungen aber deutlich niedriger ausgefallen sein, wobei die Mutmaßungen eher um 6 Millionen Euro schwanken. Über Details aus der am 11. Februar 2009 geschlossenen Vereinbarung über die „Aufhebung des Dienstverhältnisses“ bei Arcandor wurde jüngst ebenfalls berichtet. Welche der kolportierten Millionenbeträge aber tatsächlich ausbezahlt wurden und werden, lässt sich nicht nachvollziehen. Und auch wenn Middelhoff, der zu seinem Abschied vollmundig davon ausgegangen war, Arcandor geordnet und aufgeräumt übergeben zu haben, durch die Insolvenz Teile dieser Ansprüche verloren hat - schlecht verhandelt hat der Mann nicht, der Arcandor in die Insolvenz begleitet hat.

Ob sich der noch immer in eng getaktete Terminpläne eingebundene Manager weiterhin mit Dienstleistungen von Esch betreuen lässt, ist nicht bekannt. Zumindest früher soll sich eine solche in der Welt der Superreichen angeblich nicht ganz unübliche Rundumbetreuung von der Zulassung des Autos für die Tochter über die gecharterte Yacht im Mittelmeer bis hin zur passenden Eigentümerkonstruktion für das Ferienhaus in Südfrankreich erstreckt haben. Auch auf die Frage, ob noch die Dienste der Challenge Air genutzt werden, gibt es derzeit keine Antwort. Unlängst wurde Middelhoff nach einem Rückflug aus London jedenfalls am ganz normalen Ausgang der British Airways gesichtet - und ging grußlos vorbei, ohne Lächeln.

Highstreet steht bereit:

Sollte sich kein geeigneter Investor für die insolvente Karstadt-Gruppe finden, wird vermutlich das Highstreet-Konsortium in die Bresche springen. Dem Konsortium, hinter dem Goldman Sachs und der Deutsche-Bank-Fonds Rreef stehen, gehört ein Großteil der Karstadt-Immobilien. Highstreet ist einer der Hauptgläubiger des Unternehmens und deshalb stark daran interessiert, dass ein solventer Investor mit Einzelhandelsexpertise gefunden wird. Denn anderenfalls wären die Mietzahlungen und damit die Bedienung der Fonds gefährdet. Am heutigen Freitag endet die Angebotsfrist. Dem Vernehmen nach wird mit mindestens einem, aus der Sicht von Highstreet vermutlich aber zu niedrigen Angebot gerechnet. Zuletzt kursierte der Name des Finanzinvestors Triton.

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