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Thomas Middelhoff : Die Karstadt-Mieten werden zum Politikum

Merkel: Vermieter sollen sich an Rettung beteiligen

Nicht zuletzt gibt es auch für die in dieser Sache nicht betroffenen "Highstreet"- Immobilien offenbar eine von Middelhoff hinterlassene Schwierigkeit: Um trotz Krise und nachgebender Immobilienpreise im Geschäftsjahr 2007/08 den schon fest eingeplanten Kaufpreis für die 49 Prozent zu erzielen, die Arcandor bis dahin noch am Whitehall/Goldman-Sachs-Fonds hielt, nahm Middelhoff 2008 Mieterhöhungen für die Karstadt-Filialen in Kauf. Dieser Anteil an den "Highstreet"-Immobilien liegt nun bei einem Konsortium, das den Fonds Rreef Alternative Investments einschließt, der der Deutschen Bank, Pirelli Real Estate und der Borletti Gruppe gehört. Und die erhöhten Mieten sind heute eine Belastung für das Warenhausgeschäft.

In einem Gutachten, das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers für den Bürgschaftsausschuss des Bundes erarbeitet hat, heißt es zudem, dass ursprünglich von einem Verkaufserlös von 800 Millionen Euro ausgegangen worden sei, dieser tatsächlich aber bei lediglich 530 Millionen Euro gelegen habe. Nach weiteren Abzügen seien sogar nur liquide Mittel in Höhe von 470 Millionen Euro geflossen.

Deshalb steht nun, nicht zuletzt auch wegen des öffentlichen Drucks der Kanzlerin, die Frage im Raum, in welcher Form sich die Vermieter rund um Oppenheim/Esch und Highstreet/Goldman Sachs/Rreef an der Rettung von Karstadt beteiligen können, damit es der Politik leichter fällt, einen Kredit der Staatsbank KfW zu gewähren.

Hierzu gab es aus dem "Highstreet"-Konsortium am Sonntag keinen Kommentar. Im Umfeld des Konsortiums war aber zu hören, man sei an einer Insolvenz von Arcandor nicht interessiert. Vielmehr gehe es darum, konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten. Man könne sich auch nicht vorstellen, dass allein die Mieten die Ursache der Schwierigkeiten von Karstadt/Arcandor seien. Eine Mietminderung stehe deshalb nicht zur Debatte und bringe Arcandor auch nicht nach vorn. Es müsse vielmehr darum gehen, die Immobilien besser zu vermarkten. Karstadt leide darunter, zu viel Geld für unprofitable Flächen zu bezahlen. An dieser Stelle müsse man zu flexibleren Lösungen kommen, für die man zur Verfügung stehe. Branchenkenner vermuten, dass es sich dabei um die Fremdvermietung von Teilflächen handeln könnte.

Die Investitionen der Vermieter summieren sich auf 4,5 Milliarden Euro. Kommt keine Lösung zustande, droht ein fortgesetzter Mietausfall mit Filialschließungen. Zudem wurden die Kredite syndiziert, also auf viele Investorenschultern verteilt. "Bei einer Insolvenz fliegt uns die ganze Finanzierung auseinander", hieß es dazu aus Konsortiumskreisen von "Highstreet".

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