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Gesundes Bauen : Holzhäuser, die gut fürs Herz sein sollen

  • -Aktualisiert am

Ganz aus dem Hölzchen: In einem von Thoma gebauten Haus Bild: Thoma Holz GmbH

Holzhäuser, für die kein Leim verwendet wird, ersparen dem Herz Arbeit, behauptet Thoma Holz. Für ihre Gebäude verzichten sie zudem auf Holzschutzmittel. Das liegt daran, dass man das Holz im Winter zur abfallenden Mondphase erntet.

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          Warum lässt ein Hotelier in Leogang in Österreich sein Hotel erst mit siebzigprozentiger Heizausstattung bauen und verzichtet dann beim zwei Jahre später folgenden Hotelkomplex vollkommen darauf? Die Antwort liegt im Baustoff des Gebäudes und in dessen Verarbeitung mit dem System Holz100 begründet. Die Forsthofalm, ein Wellnesshotel in den Bergen, besteht nämlich zu 100 Prozent aus Holz.

          Gebaut wurde die Forsthofalm von der Thoma Holz GmbH, die 1990 vom Förster Erwin Thoma gegründet wurde. Zu Beginn wollte er nur das gesündeste Haus für seine Kinder bauen. Heute betreibt das österreichische Unternehmen mit 160 Mitarbeitern zwei Holz100-Werke in Deutschland und Österreich, ein Forschungszentrum in Goldegg, ein Hobelwerk in Neukirchen und ein Sägewerk in Gußwerk. Man baut in mehr als 30 Ländern. „Unser Kerngebiet ist dabei Mitteleuropa“, berichtet Elisabeth Thoma, zuständig für Marketing und PR und Tochter von Erwin Thoma. Rund 60 Prozent des Umsatzes erwirtschafte man in Deutschland, vor allem im süddeutschen Raum.

          Gebaut habe Thoma unter anderem ein elfstöckiges Rathaus in Venlo, das österreichische Filmarchiv bei Wien, ein vollkommen abhörsicheres Militärgebäude in Norwegen und eine Universität in Moskau. Die Häuser sind immer an die Kunden angepasst, sowohl mit Blick auf die Maße als auch die Oberflächengestaltung.

          Das größte Mondholzsägewerk Europas

          Doch die Massivholzbauten waren nicht immer so flexibel. Zu Anfang baute Erwin Thoma Blockhäuser. Infolge jahrelanger Forschung entstand dann das System Holz100. „Bei diesem System gibt es eine dickere Kernlage, auf die dünnere Bretter mit einem Buchendübel kreuzweise gedübelt werden, sodass eine ausschweifende Platte entsteht“, erklärt Elisabeth Thoma. Dabei wird vollständig ohne Leim, Metall, Chemie und Holzschutzmittel gearbeitet und ganz auf das Bausystem und die natürliche Widerstandskraft des Holzes gesetzt. Zur Herstellung der Wände wird nur heimisches Nadelholz aus PEFC-zertifizierter Waldwirtschaft genutzt.

          Dabei ernte man nur im Winter zur abfallenden Mondphase. „Das Mondholz ist, mittlerweile wissenschaftlich erklärbar, ruhiger und resistenter gegen Schädlinge und hilft uns somit, auf jegliche Holzschutzmittel verzichten zu können.“

          Ist das Holz geerntet, werden im laut Thoma größten Mondholzsägewerk Europas, der Säge Gußwerk, die auch dem Unternehmen gehört, Holzschnitte produziert und dann an einem der Standorte zu Wänden verarbeitet. „Jedes Jahr werden ungefähr 200 Häuser gebaut”, sagt Elisabeth Thoma. „Beim schlüsselfertigen Bau befinden wir uns im Schnitt bei etwa 2500 bis 3000 Euro pro Quadratmeter“, berichtet Erwin Thoma. Der Umsatz im Jahr 2020 hat nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Euro betragen.

          Das Immunsystem wird gestärkt

          Ein großer Kundenkreis kommt aus dem Objektbau, zu dem Hotels und Großbauten gehören. Dazu kämen junge Familien, Privatpersonen und Menschen, die ein zweites Mal bauen, weil sie in den herkömmlichen Bauten krank geworden seien. „Wir haben herausgefunden, dass sich das Herz im vollen unverleimten Holz pro Nacht eine Stunde Herzarbeit spart“, sagt Elisabeth Thoma. Der Organismus fahre runter, das Immunsystem werde gestärkt.

          Auch andere Eigenschaften von Holz spielten für viele eine Rolle. Die wärmedämmende Fähigkeit führe zur Energieautarkie, sodass in den Häusern auch ohne Heizung oder Klimaanlage im europäischen Raum immer eine Temperatur von rund 20 Grad herrsche, wofür eine einfache Solaranlage auf dem Dach ausreiche. Nach eigenen Angaben ist man der einzige Hersteller mit einer Garantie auf 50 Jahre Kondensatfreiheit. In einen dauerhaften Kontakt mit nasser Erde dürfe ein Holzhaus freilich nicht kommen; auch bei Thoma werden die Keller betoniert. Man sei, sagt Elisabeth Thoma, der erste Baustoffhersteller mit einer echten ehrlichen Kreislaufwirtschaft („cradle to cradle“).

          Auch die Aicher Holzbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Halfing in Bayern fertigt Holzhäuser komplett ohne Holzschutzmittel oder Pestizide an. Das 1949 gegründete Familienunternehmen war zunächst nur eine Zimmerei. Im Jahr 1976 konnte es mithilfe von Forschung und Entwicklung die ersten zertifizierten Holzhäuser herstellen. Man baue schlüsselfertig, erzählt Peter Aicher. „Ein fertiger Quadratmeter kostet in etwa zwischen 1700 und 2500 Euro.“ Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet

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