https://www.faz.net/-gqe-9va9b

„Generationenwechsel einleiten“ : Wirecard wechselt vorzeitig Aufsichtsratschef aus

  • Aktualisiert am

Thomas Eichelmann wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender von Wirecard. Bild: Picture-Alliance

Thomas Eichelmann wird neuer Chefaufseher des Zahlungsabwicklers und löst den 75-jährigen Wulf Matthias damit schon früher ab als ursprünglich geplant. Aktionäre hatten eine Professionalisierung des Rates angemahnt.

          1 Min.

          Beim Zahlungsabwickler Wirecard kommt es vorzeitig zu einem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats. Der 75-jährige ehemalige Banker Wulf Matthias überlässt mit sofortiger Wirkung dem früheren Deutsche-Börse-Finanzvorstand Thomas Eichelmann den Vorsitz des Gremiums, wie Wirecard in der Nacht zum Samstag mitteilte. Matthias, der als enger Vertrauter von Vorstandschef Markus Braun gilt, stand seit elf Jahren an der Spitze des Gremiums und wollte nach früheren Wirecard-Angaben noch bis zur Hauptversammlung am 2. Juli im Amt bleiben. Nun erklärte Wirecard, Matthias wolle einen „Generationenwechsel einleiten“. Als einfaches Mitglied werde er dem sechsköpfigen Aufsichtsrat aber noch bis 2021 angehören.

          Zuletzt hatte sich Matthias im Oktober öffentlich zu Wort gemeldet, als das unter Dauerbeschuss geratene Unternehmen aus Aschheim bei München ankündigte, seine Bilanzen vom Wirtschaftsprüfer KPMG durchforsten zu lassen, um den Vorwurf frisierter Zahlen aus dem Weg zu räumen. „Wir gehen davon aus, dass die erneute unabhängige Prüfung dazu führt, alle weiteren Spekulationen endgültig zu beenden“, hatte Matthias damals gesagt. Das Unternehmen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die Sonderprüfung soll im ersten Quartal abgeschlossen sein. Fondsmanager und andere Aktionäre hatten in den Turbulenzen um Wirecard mehrfach eine Professionalisierung des Aufsichtsrats angemahnt.

          Eichelmann erst seit einem halben Jahr im Aufsichtsrat

          Eichelmann war erst vor einem halben Jahr in den Wirecard-Aufsichtsrat gewählt worden und hatte unmittelbar den Vorsitz im neu geschaffenen Prüfungsausschuss übernommen. Schon damals war er als Kandidat für die Nachfolge von Matthias gehandelt worden. Einen Namen gemacht hatte sich der Unternehmensberater von 2007 bis 2009 als Finanz- und Personalvorstand der Deutschen Börse, schied dort aber im Unfrieden vorzeitig aus. Zuletzt leitete er bis 2018 die Vermögensverwaltung des hessischen Unternehmers Lutz Helmig, Aton, und brachte im Zuge dessen Ende 2015 den Ingenieurdienstleister Edag an die Frankfurter Börse.

          Der 54-Jährige verfügt über einige Erfahrung in Aufsichtsräten: bis 2014 beim Baukonzern Hochtief, dort zuletzt als Vorsitzender des Gremiums, bis 2017 gehörte er dem Aufsichtsrat des Finanzkonzerns Wüstenrot & Württembergische (W&W) an. „Mit meiner gesamten Erfahrung werde ich die Wirecard AG gerne in ihrer nächsten Wachstumsphase und in der weiteren Unternehmensentwicklung begleiten“, sagte Eichelmann einer Mitteilung zufolge.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spionage-Kumpan? Ein Foto des Huawei-Logos in der chinesischen Provinz Guangdong

          Papua-Neuguinea : Baute Huawei im Pazifik ein Eingangstor für Spionage?

          In einem vom chinesischen Technologiekonzern Huawei eingerichteten Datenzentrum der Regierung in Papua-Neuguinea gab es offenbar eklatante Sicherheitslücken. Fachleute in Australien gehen davon aus, dass das Absicht war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.