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Thomas Ebeling : Pro-Sieben-Chef lästert über Fernsehzuschauer

Thomas Ebeling ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media AG. Bild: dpa

„Sie sind Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen“, sagt Thomas Ebeling über einige seiner Zuschauer. Wie das wohl im Aufsichtsrat ankommt.

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          In kleinem Kreis ist Thomas Ebeling bekannt für klare Worte. Mitunter sagt der Vorstandsvorsitzende der Pro Sieben Sat1 Media SE aber auch öffentlich Dinge, die er besser für sich behalten hätte. So wie vor einem Jahr, als der Achtundfünfzigjährige in einem Zeitungsinterview über sein vorzeitiges Ende an der Vorstandsspitze räsonierte, weil man doch mit sechzig Jahren kein Medienunternehmen mehr leiten solle.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          An diesem Mittwoch wurde nun bekannt, wie sich Ebeling in einer Analystenkonferenz über einige seiner Zuschauer geäußert hatte: „Sie sind Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen.“

          Ebelings im kleinen Kreis und auf Englisch getroffene Einschätzung zitierte das Medienmagazin „dwdl.de“ aus dem Transkript des Telefonats. Daraufhin bemühte sich zunächst ein Unternehmenssprecher von Pro Sieben Sat 1 um eine Einordnung: „Die im Englischen getroffene Bemerkung im Analysten-Call war eine zugespitzte Aussage im Zusammenhang mit einer provokanten Frage durch einen französischen Analysten.“

          Als im Internet die Wellen der Empörung hochschlugen, verbreitete die Sendergruppe eine persönliche Erklärung von Ebeling. „Bei meiner Aussage handelte es sich natürlich um eine plakative Zuspitzung zur Illustration unterschiedlicher Mediennutzungsweisen. Mitnichten wollte ich unsere TV-Zuschauer diskreditieren. Aus dem Zusammenhang der Diskussion gerissen, ist diese Äußerung leider falsch verstanden worden, was ich sehr bedauere“, hieß es darin. Eigentlich hatte Ebeling ja sagen wollen, dass sich nicht jeder ein teures Abonnement der amerikanischen Online-Videothek Netflix leisten könne oder künstlerisch wertvolle Filme schauen wolle, der Konkurrenzdruck durch die Streamingdienste also gar nicht so groß sei.

          Ob Ebelings Bedauern über das Missverständnis auch im Aufsichtsrat richtig ankommt, wird sich zeigen. Die Sendergruppe verliert immer mehr Zuschauer und Werbeeinnahmen, die Suche nach einem neuen Vorstandschef läuft auf Hochtouren. Womöglich ist Ebeling bald frei genug und hat auch ausreichend Zeit und Muße, um mal klipp und klar zu sagen, was er von all den Sendungen im Privatfernsehen wirklich hält.

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