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Pleite von Thomas Cook : Gestrandet auf Fuerteventura

  • -Aktualisiert am

Auch für Urlauber auf der kanarischen Insel Fuerteventura droht sich der Urlaub unfreiwillig zu verlängern. Bild: AP

Wie es ist, wenn der Reiseveranstalter am letzten Urlaubstag plötzlich pleite ist, erlebt derzeit auch F.A.Z.-Redakteur Tobias Rabe. Die Rückreise nach Deutschland wird überlagert durch die Insolvenz des Unternehmens.

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          Am Montagmorgen bin ich nach dem Aufwachen schnell hellwach. Beim Blick auf mein Smartphone entdecke ich etliche Eilmeldungen: Thomas Cook ist insolvent. Im Normalfall wäre das eine Nachricht, die ich zur Kenntnis nehme, schnell ein oder zwei Texte dazu lese und ausreichend informiert bin. Schließlich bin ich Sportredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Zahlungsunfähigkeit eines Reiseveranstalters gehört daher nicht unbedingt in mein journalistisches Aufgabengebiet.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Normal ist für mich an diesem Morgen aber gar nichts. Denn ich bin im Urlaub, wache in einem Hotelzimmer auf Fuerteventura auf – und soll nach drei Wochen auf den Kanaren ausgerechnet an diesem Nachmittag zurück nach Frankfurt fliegen. Gebucht habe ich die Pauschalreise bei Neckermann, die Fluglinie ist Condor. Und beides gehört zu Thomas Cook. Na prima. Und nun?

          Schlagartig kommt mir der Scherz am Pool vom Vortag wieder in den Sinn. Beim Blick auf die Wetter-App waren wir uns einig. Frankfurt in den nächsten Tagen? Regen, Regen, Regen, Regen, Regen und nochmal Regen. Bei maximal 20 Grad. Hier indes hat es Sonne bei schönen 27 Grad mit dem für die Insel so angenehmen Wind. Fazit: „Wir bleiben einfach hier.“ Am Morgen hat sich an der Prognose des Wetters hier wie da nichts geändert. Doch so recht lachen mag keiner mehr, als die Nachricht über die Insolvenz des Reiseveranstalters die Runde macht.

          Fährt der Shuttlebus zum Flughafen?

          Immerhin ist die Internetverbindung im Hotel gut. Ich lese erstmal einige Nachrichten. Die sind zumindest ein wenig beruhigend. Die Flüge der Condor sollen wie geplant stattfinden. Klingt gut. Über den Atlantik paddeln bis Portugal mit Gepäck und dann trampen bleibt allen wohl erspart. Doch etwas anderes macht mir mehr Sorge: Wie sieht es mit dem Bustransfer zum Aeropuerto de Fuerteventura aus? Dazu steht natürlich nichts im Internet.

          Derweil kommt eine SMS von Thomas Cook. Die Infos sind aber lediglich die, die auch auf der Website stehen. „Wir loten derzeit letzte Optionen aus.“ Aha. Ich lote lieber meine persönlichen Optionen aus. Wie komme ich nur rechtzeitig zum Flughafen? Das Mobilitätskonzept hier ganz im Süden der Insel ist sehr auf die Shuttlebusse ausgelegt. Mietwagen und Taxen gibt es vor allem am Flughafen. Aber da bin ich ja nicht, sondern will dorthin. Fahrtzeit: eine gute Stunde die gesamte Ostküste entlang.

          Ich gehe zur Rezeption. Dort empfängt man mich schon mit skeptischem Blick. Ich bin offenbar nicht der erste Gast mit Fragen an diesem Morgen. Die Dame am Empfang wehrt ab. „Wir haben keine Informationen. Fragen Sie Ihren Reiseveranstalter.“ Also gut. Per WhatsApp frage ich dort nach. Immerhin wird angezeigt, dass man noch „Online“ ist. Ein gutes Gefühl. Doch eine Antwort kommt zunächst nicht. Sonst kam die immer innerhalb weniger Minuten auf diesem Weg.

          Der Flugbetrieb geht vorerst weiter

          Ich überlege. Bis zur geplanten Abfahrt sind es noch gut drei Stunden. Ich gehe auf die obligatorische Laufrunde, in die Dusche und dann zum Frühstück. Die Bedienung, die immer für einen kurzen Plausch zu haben ist, lächelt. „Heute geht’s nach Hause?“ Ich lächele zurück. „Ja. Vielleicht.“ Und ich nehme mir eine extra Brotscheibe. Man weiß ja nie, wie lange der Tag dauern wird und wann und wo man die nächste Mahlzeit bekommt.

          Zurück auf dem Zimmer sehe ich Nachrichten auf meinem Smartphone aus der Heimat. „Guten Rückflug. Viel Glück.“ Ja, danke. Oder auch: „Gefangen auf der Insel.“ Dazu ein Smiley, der Tränen lacht. Ich denke an einen Film. „Gefangen im Paradies“. Dabei gibt es einen Überfall von Piraten. Eigentlich geht es uns hier im Vergleich dazu doch noch ganz gut. Passend dazu kommt eine Antwort von Neckermann auf meine Whatsapp-Frage: „Für heute und morgen soll alles wie geplant verlaufen.“ Klingt auch gut. Doch als Journalist beruhigt mich das Wort „soll“ nicht unbedingt.

          Ich packe den Koffer und lese dazu ein paar spanische Websites in der Hoffnung, noch ein paar Infos zu erhalten und denke an meine Lehrerin aus dem Gymnasium, die immer sagte, dass man Spanisch immer gut gebrauchen kann. Sie hatte recht. Die Informationen dort sind auch ganz vielversprechend. Der Flugbetrieb gehe erstmal weiter. Chaos oder Panik gebe es nicht. Insgesamt 25.000 Touristen sollen an diesem Montag die Kanaren verlassen. Auch ich werde einer davon sein, hoffentlich.

          Doch dann sieht es ganz gut aus: Zumindest der Shuttlebus kommt auf die Minute genau, am Neckermann-Stand am Flughafen heißt es, der Condor-Betrieb laufe erstmal normal weiter. Ich habe den Boardingpass in der Tasche. Der Flugkapitän begrüßt die Gäste und verbreitet Optimismus: „Wir sorgen auch in Zukunft dafür, dass Sie in den Urlaub kommen und auch wieder in die Heimat. Die Condor ist profitabel.“ Auch die Chefstewardess, der ich nicht zum ersten Mal auf einem Flug begegne, schaut positiv in die Zukunft: „Bis zum nächsten Mal. Wir sehen uns wieder.“

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