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Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

Passagiere des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca. Bild: AFP

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.

          3 Min.

          Der Reisekonzern Thomas Cook hat Insolvenz beantragt. Fallen nun alle Thomas-Cook-Reisen aus?

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zunächst hat der britische Mutterkonzern Thomas Cook Group plc in London Insolvenz beantragt. Kunden aus Deutschland haben ihre Urlaube aber bei deutschen Gesellschaften wie Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH oder Bucher Reisen & Öger Tours GmbH gebucht. Für keine dieser Gesellschaften ist bislang ein Insolvenzantrag gestellt. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass das noch passiert. Das deutsche Thomas-Cook-Management hat in der Nacht mitgeteilt, auf „Notgeschäftsführung“ umzustellen. Das Unternehmen lotet „letzte Optionen“ aus, um das hiesige Geschäft, das besser dastand als das britische, eventuell noch zu retten. Scheitert das, drohen Folgeinsolvenzen. Sicher ist zunächst, dass Reisen, die an diesem Montag und am Dienstag beginnen sollten, von Thomas Cook abgesagt sind. Außerdem werden aktuell keine Buchungen angenommen. Für Reisen, die am Mittwoch oder später beginnen sollen, hat das Unternehmen noch keine Aussage gemacht. Diese Kunden müssen zunächst die Ungewissheit aushalten.

          Ist im Fall einer Insolvenz gezahltes Geld verloren?

          Grundsätzlich sind alle Pauschalreisen gegen die Insolvenz des Anbieters abgesichert, das schreibt die EU-Pauschalreiserichtlinie vor. Kunden sollen ihr Geld für nicht erhaltene Urlaubsleistungen zurückerhalten. In Großbritannien ist diese Absicherung durch das sogenannte Atol-System in Verantwortung der Luftfahrtbehörde CAA organisiert. Reiseanbieter zahlen dort für jeden Kunden 2,50 Pfund in einen Fonds ein, aus dem Erstattungen und Ersatzrückflüge finanziert werden.

          In Deutschland ist die Absicherung über private Versicherer organisiert. Jeder Reiseveranstalter muss eine Versicherung abgeschlossen haben, um vorab Geld von Urlaubern kassieren zu dürfen. Als Beleg dafür erhalten Kunden mit der Buchung einen Sicherungsschein. Im Fall von Thomas Cook ist unter anderem der Versicherer Swiss Re involviert. Die Versicherungen müssen ermöglichen, dass eine begonnene Reise bis zum Ende durchgeführt werden kann oder entgangene Teilleistungen erstatten oder für nicht begonnene Reisen schon geleistete Zahlungen erstatten.

          Wie sicher ist dieses gesetzliche Absicherungsversprechen?

          Darüber lässt sich aktuell nur spekulieren. Denn das deutsche Recht enthält im Paragraf 651r des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Besonderheit, dass die Haftungspflicht für einen Versicherer auf 110 Millionen Euro im Jahr begrenzt werden kann. Mit Thomas Cook sind aktuell 140.000 Kunden aus Deutschland auf Reisen, weitere 21.000 sollten heute oder morgen aufbrechen. Betroffen sind auch  Kunden, die mit der Buchung 20 Prozent des Reisepreises angezahlt beziehungsweise bei einem Urlaubsbeginn in den nächsten vier Wochen schon komplett bezahlt haben. Reicht die Versicherungssumme nicht für alle Zahlungen, sollen Kunden nach deutschem Recht nur anteilig Erstattungen bekommen, sie blieben auf einem Teil ihrer Kosten sitzen. Solch einen Fall hat es noch nicht gegeben. Unter Reiserechtlern ist umstritten, ob die Deckelung nach deutschem Recht mit den EU-Vorgaben vereinbar ist.

          Wie kommen Thomas-Cook-Urlauber, die gerade auf Reisen sind, wieder heim?

          Für britische Kunden läuft schon eine Rückholaktion mit alternativen Flügen an, Kunden kommen also auch ohne Thomas-Cook-Flug heim, müssen sie aber mitunter auf andere Flugzeiten einstellen. Für Deutschland gibt es solch eine Aktion noch nicht, weil die hiesigen Cook-Gesellschaften noch keinen Insolvenzantrag gestellt haben. Heute oder morgen dürfen sich Urlauber darauf einstellen, wie gebucht heimzukehren. Aussagen für die Zeit danach hängen davon ab, ob deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenz beantragen und wie die Zukunft der zum Konzern gehörenden Fluggesellschaft Condor sich gestaltet. Andere Urlaubsflieger planen schon vorsorglich Ersatzflüge.

          Die Fluggesellschaft Condor gehört zu Thomas Cook. Fallen Condor-Flüge jetzt weg?

          Vorerst nicht, Condor hat in der Nacht zum Montag mitgeteilt, dass der Flugbetrieb aufrecht erhalten bleibt. Somit können Reisende, die ein reines Flugticket für die Gesellschaft oder eine Pauschalreise von Thomas-Cook-Konkurrenten wie TUI, DER Touristik oder FTI mit Condor-Flug gebucht haben, zunächst weiter reisen. Käme es doch zu einer Insolvenz, wäre Kunden mit einem reinen Flugticket nicht abgesichert. Für Urlauber, die eine Pauschalreise von einem anderen Anbieter als Thomas Cook mit Condor-Flug gebucht haben, müsste der Reiseanbieter eine Alternativbeförderung organisieren.

          Wie stehen die Zukunftschancen für Condor?

          Anders als der Mutterkonzern Thomas Cook ist Condor mit acht Millionen Passagieren im Jahr profitabel. Dennoch ist unklar, wie lange die Gesellschaft unverändert weiter arbeiten kann. Denn wahrscheinlich fehlen nun sämtliche Thomas-Cook-Pauschalreisekunden an Bord. Dadurch würde rund ein Drittel der Sitze leer bleiben, die damit verbundenen Einnahmen fehlen dann. Kurzfristig ließe sich diese Lücke nicht schließen.

          Um Liquiditätsengpässe zu verhindern, hat Condor deshalb bei der Bundesregierung eine Staatsbürgschaft für einen Überbrückungskredit angefragt. Solch eine Staatsbürgschaft war zuletzt Air Berlin gewährt worden. Damals sollte so ein sofortiges Betriebsaus nach dem Insolvenzantrag verhindert werden, im Fall von Condor soll hingegen die Insolvenz abgewendet werden. Wie der Bund entscheidet, ist offen. Daher lassen sich für einen längeren Zeitraum noch keine sicheren Aussagen zu Condor treffen. Die Air-Berlin-Bürgschaft war scharf kritisiert worden.

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