https://www.faz.net/-gqe-9oyp0

Konzern vor Rettung? : Chinesen bieten Thomas Cook frisches Geld

Heck eines Flugzeugs der Condor-Flotte, die zum britischen Reisekonzern Thomas Cook gehört. Bild: dpa

Der klamme Reisekonzern Thomas Cook, zu dem auch Condor gehört, hat von Großaktionär Fosun ein Rettungsangebot erhalten. Was passiert mit dem deutschen Ferienflieger?

          Der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook, zu dem die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor gehört, steht vor der Rettung durch seinen chinesischen Großaktionär Fosun. Derzeit befindet sich der Reiseveranstalter in fortgeschrittenen Gesprächen mit seinem größten Anteilseigner, der chinesischen Fosun-Gruppe, und kreditgebenden Banken über eine Kapitalspritze in Höhe von 750Millionen britischen Pfund (rund 834 Millionen Euro), teilte das Unternehmen in London mit.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Zuge dessen könnte Fosun die Kontrolle über das Reisegeschäft erlangen und eine Minderheitsbeteiligung am Fluggeschäft übernehmen.Das frische Geld soll Thomas Cook ausreichenden Spielraum für das Winterhalbjahr 2019/2020 liefern und Investitionen in das Geschäft ermöglichen. Mit den rund 750 Millionen Pfund sollen auch die Schulden der Briten signifikant reduziert werden. Ein Teil der Schulden soll dabei den Plänen zufolge auch in Eigenkapital gewandelt werden, was Anteile der Aktionäre deutlich verwässern würde.

          Frisches Geld zum Schuldenabbau

          Thomas Cooks Konzernchef Peter Fankhauser räumte schon ein, dass dies nicht das Ziel gewesen sein, dass sich der Konzern für seine Anteilseigner gewünscht habe. Gleichwohl sei der vorgelegte Plan eine „pragmatische und verantwortungsvolle Lösung, die die Mittel gibt, um die Zukunft des Thomas-Cook-Geschäfts für Kunden, Geschäftspartner und Mitarbrizrt zu sichern“.  Für die Aktien zeichnete sich denn auch seit Freitagmorgen ein deutlicher Kursverlust ab. Über das stärkere Engagement von Fosun bei Thomas Cook, die mit einem Anteil von 18 Prozent bereits größter Anteil des an der Londoner Börse notierten Unternehmens sind,  wird seit Wochen spekuliert.

          Zu einem eigenständigen Konzern, der sich auf den britischen Erfinder der organisierten Reise, Thomas Cook, beruft, war das Unternehmen 2009 im Zuge der Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor geworden. Arcandor hatte für letztlich nicht rettende Finanzhilfen von Banken seine Thomas-Cook-Beteiligung verpfändet. Die Banken machten diese zu Geld und plazierten die Aktien am Markt. Ein Jahrzehnt später wird voraussichtlich Fosun die Phase der Unabhängigkeit wieder beenden.

          Verkauf von Condor auf Eis gelegt

          Um an Geld zu kommen, hatte Thomas Cook seit Jahresbeginn erwogen, seine Flugsparte mit der Gesellschaft Condor zu verkaufen. Diese Verkaufspläne sind jedoch angesichts der Gespräche mit Fosun vorerst auf Eis gelegt, teilte Thomas Cook am Freitag weiter mit. Zu den Interessenten zählte bislang auch die Deutsche Lufthansa. Wie die F.A.Z. aus Branchenkreisen erfahren hatte, soll Lufthansa aber in einer unverbindlichen Offerte weniger als 200 Millionen Euro geboten haben. 

          Die Krise von Thomas Cook zeichnete sich seit langem ab. Der Veranstalter leidet unter der Zurückhaltung vor allem britischer Kunden, mehrere Kürzungen der Ergebnisprognosen und ein verhaltener Ausblick haben zudem Vertrauen an den Finanzmärkten gekostet. 2018 hatte der Konzern bei 10,8 Milliarden Euro Umsatz umgerechnet 184 Millionen Euro Verlust gemacht.

          Radikaler Umbau des Kerngeschäfts

          Seit kurzem baut der Konzern sein Kerngeschäft um und will sich mehr auf selbstbetriebene Hotels konzentrieren. Für die Vollendung dieses Umbaus ist das Geld allerdings knapp; mit diesem Argument war der einst Verkaufsprozess für die Flugsparte angestoßen worden. Eine stärkere Rolle von Fosun als Finanzier könnte Cook die nötige finanzielle Rückendeckung geben. Fosun will zudem davon profitieren, dass Chinesen immer mehr reisen. Zusammen mit Cook werden schon in Fernost Ferienhotels aufgebaut, in Europa hatte Fosun vor Jahren die traditionsreiche Clubmarke Club Med übernommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.