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Thilo Hardt : „Am Ende des Tages will Google vor allem eines: Geld verdienen“

Thilo Hardt Bild: Anna Daki

Thilo Hardt, Geschäftsführer von E-Wings, im Protokoll.

          „E-Wings ist seit Februar diesen Jahres online und ein sehr junges Unternehmen, das Buchungen für Vielflieger anbietet. Bevor wir angefangen haben, unser Produkt zu verkaufen, haben wir den Markt für längere Zeit observiert. Unsere größten Konkurrenten, die Flugportale und Online-Reisebüros „Expedia.de“ und „Priceline.com“, geben jährlich etwa 2,5 Milliarden Dollar aus, um Werbung via Google-Adwords zu schalten. Wir haben leider kein solches Werbebudget, für uns war deswegen von Beginn an klar, Google aus dem Weg zu gehen.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Wie schaffen wir das? Zum einen fokussieren wir uns auf Vielflieger, also eine Zielgruppe, die eher wiederkommt, wenn sie zufrieden ist. Zum anderen versuchen wir, diesen Leuten einen möglichst übersichtlichen und einfachen Buchungsprozess anzubieten, also etwas, das bei Google derzeit noch nicht so leicht geht. Da lassen sich zwar relativ simpel Flüge finden; buchen muss man aber auf einer Drittseite.

          Man muss sich klarmachen, dass Google am Ende des Tages vor allem Geld verdienen will. Sollten wir es also schaffen, relevant zu sein und viele Kunden zu gewinnen, wird Google uns nicht von ihrer Seite verdrängen wollen, sonst verliert sie selbst Einnahmen und Relevanz. Aber es ist grundsätzlich eine schlechte Idee, zu abhängig von Google zu sein. Nehmen Sie zum Beispiel Internetseiten, auf denen man Preise vergleichen kann. Den Großteil ihrer Nutzer bekamen diese Seiten durch Google. Als Google dann aber vor etwa fünf Jahren mit „Google-Shopping“ die Möglichkeit anbot, Preise direkt auf ihrer Seite zu vergleichen, brachen den Portalen plötzlich die Kunden weg. Für die Internetnutzer war das eine Erleichterung, für die Vergleichsportale ein immenser Schock.

          Wir vergegenwärtigen uns deshalb ständig, dass Google ein Konkurrent ist. Andererseits ist Google für uns auch Ansporn; wir wollen ähnlich gute Produkte bauen. Ja, Google dominiert den Wettbewerb, aber warum? Eben weil sie hervorragende Produkte anbietet. Wenn Google einen Vorsprung hat, ist es auch legitim, dass sie ihn ausnutzt, solange sie den Wettbewerb nicht verzerrt. Schlussendlich ist es ein kreativer Wettkampf, bei dem sich die bessere Idee durchsetzt.

          Viel problematischer ist angesichts des NSA-Skandals die Frage, auf welchem Kontinent man seine Daten lagert. Besonders, wenn man als Firma wirklich etwas herstellt, also aus der Industrie oder dem produzierenden Gewerbe stammen. Wenn sie da im internationalen Wettbewerb stehen, müssen sie äußerst vorsichtig mit sensiblen Daten umgehen. Und wie wir jetzt wissen, sind sie in den Vereinigten Staaten nicht mehr sicher, also auch nicht in Googles Cloud. Erst kürzlich hat Marc Andreessen, der Gründer des Netscape-Browsers, in einem Interview darauf hingewiesen, wie immens der Schaden durch die Enthüllungen Edward Snowdens für die IT-Branche in den Vereinigten Staaten sei. Die Folgen ließen sich noch gar nicht absehen, sagte er. Und dieser Schaden wird eher noch steigen, solange das Vertrauen noch nicht wiederhergestellt ist.“

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