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Umsatzrekord für Küchengerät : Der Thermomix treibt Vorwerk an

Voller Chips: Innenleben des Thermomix von Vorwerk. Bild: Daniel Pilar

Das teure Küchengerät trotzt Krieg und Corona- Nach vielen schwachen Jahren kommt auch das Staubsaugergeschäft zurück. Gerade brauchen die Kunden aber Geduld.

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          Ein Mikro-Controller ist schuld daran, dass viele Kunden auf ihren Thermomix gerade zwischen zehn und elf Wochen warten müssen. Die Bestellungen für das mehr als 1300 Euro teure Küchengerät sind zudem in den ersten vier Monaten des Jahres sogar im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum noch einmal deutlich angestiegen. „Der Chipmangel ist ein Riesenthema für uns“, sagte Thomas Rodemann, der als Vorstand seit Jahresbeginn für das Wuppertaler Familienunternehmen Vorwerk das operative Geschäft verantwortet, am Dienstag auf der digital abgehaltenen Pressekonferenz zur Vorlage der Jahreszahlen für das vergangene Geschäftsjahr.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Beschaffungsmärkte seien weiter sehr angespannt, sowohl was die Verfügbarkeit als auch die Preise angehe. Die Lieferfähigkeit habe jedoch durch die guten Beziehungen zu den Lieferanten aufrechterhalten werden können – außerdem haben die Entwicklerteams mitunter gar alternative Bauteile erdacht, um die Lieferketten intakt zu halten. Auch für das Staubsaugergeschäft rund um die Marke Kobold sei der Chipmangel derzeit ein Faktor, wenngleich dabei die Lockdowns in China einen größeren Einfluss auf die Warenverfügbarkeit haben.

          Der “Kobold“ überrascht

          Nach fünf Jahren mit sinkenden Umsätzen hat Vorwerk für das Staubsaugergeschäft im vergangenen Jahr die Wende geschafft. Mit einem Umsatzplus von 16,5 Prozent auf 819 Millionen Euro wuchs die Sparte nicht nur relativ, sondern auch absolut im gesamten Konzern am stärksten. Im Jahr 2020 litt die Sparte noch stärker unter den Lockdowns vor allem in Italien, dem mit Abstand größten Absatzmarkt für die Staubsauger. Profitieren konnten die Hausgeräte, die Vorwerk schon seit mehr als 90 Jahren vertreibt, auch davon, dass das Familienunternehmen die Zahl seiner Vertriebler dafür deutlich steigern konnte. Ebenso wie beim Thermomix macht der Direktvertrieb den Großteil der Umsätze aus.

          Das Küchengerät ist freilich das mit Abstand wichtigste Produkt im Konzern, mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro macht es inzwischen die Hälfte des Gesamtumsatzes von Vorwerk aus. Einzig China macht Vorwerk dabei gerade Sorgen, dort ist der Umsatz im vergangenen Jahr um 40 Prozent eingebrochen. Anders als in den anderen Märkten vertreibt Vorwerk das Gerät dort nicht im Direktvertrieb und auf Partys im Zuhause der Kunden, sondern vor allem in Einkaufszentren. Die rigide Corona-Politik habe zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung geführt. „Wir sind da derzeit mit gebundenen Händen unterwegs“, sagte Vorstandssprecher Thomas Stoffmehl. „Aber China ist für uns ein wichtiger Markt und wird es bleiben.“

          Die Berater treiben den Umsatz

          Die anderen Länder konnten die Schwäche allerdings mehr als ausgleichen. Obwohl die Erlöse schon im Vorjahreszeitraum deutlich geklettert waren, weil mangels Urlauben und Ausgehmöglichkeiten viele Kunden dazukamen, die für ihre Küchenausstattung mehr Geld ausgeben wollten, konnte Vorwerk im Jahr 2021 den Umsatz mit dem Thermomix nochmals um 7,1 Prozent steigern. Das liegt vor allem an der um fast ein Viertel gestiegenen Zahl der Berater. Auch für 2022 rechnet Vorwerk laut Geschäftsbericht für den Thermomix mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. „Eins weiß ich sicher, solange wir kontinuierliches Beraterwachstum haben, haben wir auch Umsatzwachstum“, sagte der Vorstandssprecher Thomas Stoffmehl. „Auch in Krisenzeiten funktioniert die Logik unseres Geschäftsmodells.“

          So sei etwa das erste Quartal des ­laufenden Jahres eines der besten in der Unternehmensgeschichte gewesen, besonders gut lief eine limitierte Variante eines schwarzen Thermomix-Gerätes, wovon in kurzer Zeit 350 000 Stück verkauft wurden. Im Jahr liefert Vorwerk rund 1,5 Millionen Küchenmaschinen aus. Einen nicht ganz unwesentlichen Umsatzbeitrag leistet das Abonnement-Geschäft: Kunden kaufen im Jahresabo eine Rezeptplattform hinzu, inzwischen geben mehr als 3 Millionen Kunden dafür im Jahr 49 Euro aus.

          Langfristig sucht Vorwerk gleichwohl eine dritte Säule neben dem Kobold und dem Thermomix. Denn nach einem gescheiterten Handwerker-Produkt lässt Vorwerk zur Jahresmitte auch den Teeautomaten Teemial auslaufen, der seit 2018 verkauft wird. „Jetzt sind wir zweimal gescheitert, aber wir geben nicht auf“, sagte Rodemann. Es gebe noch einige Unternehmen, die das Angebot rund um den Haushalt abrunden könnten. Zur Vorwerk-Gruppe gehört zudem noch der Mittelstandsfinanzierer AKF. Die Kosmetikgesellschaft Jafra und den Gebäudereiniger Hectas hat Vorwerk kürzlich verkauft.

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