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Textilindustrie in Bangladesch : Inspektoren finden 80.000 Sicherheitsmängel

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In Trümmern: Vor 16 Monaten stürzte in Bangladesch das Textilfabrik-Hochhaus Rana Plaza ein. Bild: dpa

Vor über einem Jahr stürzte in Bangladesch ein Fabrikhochhaus ein. Mehr als 1100 Menschen starben. Nun haben Kontrolleure nachgeforscht und gravierende Probleme aufgelistet.

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          Rund 16 Monate nach dem Einsturz eines Fabrikhochhauses in Bangladesch haben Inspektoren erste Prüfungen von mehr als 1100 Textilfabriken in dem Land abgeschlossen. Dabei stellten sie mehr als 80.000 Sicherheitsmängel fest, wie die Amsterdamer Geschäftsstelle des Abkommens für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladeschs Textilindustrie mitteilte. In 17 Gebäuden waren die Mängel so gravierend, dass den Behörden empfohlen wurde, sie zu evakuieren.

          In 110 Gebäuden sind den Angaben zufolge Sofortmaßnahmen notwendig, um die Produktion fortsetzen zu können. Zu den Mängeln gehörten zum Beispiel fehlende Feuerschutztüren, Rauchmelder, Wegweiser und sichere Notausgängen, aber auch die überlastete Gebäudeteile. Allerdings seien auch jetzt schon Verbesserungen erzielt worden, teilte die Geschäftsstelle des Abkommens mit.

          Zu den 180 Unterzeichner-Firmen gehören Primark, Aldi, KiK und Karstadt sowie Gewerkschaften. Das „Bangladesh Accord“ genannte Abkommen kam nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Hochhauses unter internationalem Druck zustande. Infolge des Unglücks im April 2013 waren mehr als 1100 Menschen getötet und Tausende verletzt worden.

          Opfer entschädigen

          Als nächsten Schritt kündigte die Geschäftsstelle an, die Sanierungen zu überwachen und das Programm zur Beteiligung der Beschäftigten. „Das Abkommen-Team arbeitet jetzt intensiv mit Fabrikanten, Markenunternehmen und Arbeitskollegen zusammen, um sicherzustellen, dass Missstände behoben werden“, erklärte der Leitende Sicherheitsprüfer Brad Loewen schon am Dienstag.

          Die unabhängigen und transparenten Fabrikinspektionen sind aus Sicht von Arbeitsrechtsaktivisten erst ein Anfang, um die Situation der Textilarbeiterinnen in Bangladesch dauerhaft zu verbessern: „Jetzt muss sichergestellt werden, dass die Reparaturen und Umbauten vorgenommen werden“, sagte Frauke Banse, eine Sprecherin der Kampagne für saubere Kleidung. „Die Modeketten sind gefordert, für die Umsetzung bei ihren Lieferanten zu sorgen.“

          Zudem müssten die Rechte der Beschäftigten durchgesetzt werden, wie im Abkommen festgelegt. Dazu zähle auch das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit. „Werden Betriebe stillgelegt oder vorübergehend geschlossen, müssen die Löhne weitergezahlt oder eine angemessene Weiterbeschäftigung gesucht werden“, betonte Banse.

          Die Kampagne für saubere Kleidung und das Inkota-Netzwerk begrüßten unterdessen die Initiative von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), ein Bündnis für ökologische und soziale Standards in der internationalen Textil-Lieferkette zu starten. Allerdings habe sich gezeigt, dass Freiwilligkeit allein nicht ausreiche. So seien viele Opfer von Fabrikunglücken immer noch nicht entschädigt, und Arbeiterproteste würden brutal niedergeschlagen. Die Initiative soll an diesem Donnerstag vorgestellt werden. In Krefeld kündigten unterdessen Aktivisten für heute Proteste gegen die Eröffnung einer neuen Filiale der Billig-Textilkette Primark an.

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