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Textilindustrie : Die Rückkehr der Handweber

In der Produktion der Teppiche sind auch Roma-Frauen an den Webstühlen beschäftigt. Bild: Christian Geinitz

Nach dem Zusammenbruch gewinnt die Textilbranche in Siebenbürgen wieder an Fahrt. Ein österreichisches Unternehmen belebt die Tradition. Und unterstützt zugleich die Roma.

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          David Humuzau denkt gern an die Textilmeisterschule in Kronstadt (Braşov) zurück, wo er den letzten Schliff zum Teppichweber erhielt. „Die hübschesten Mädchen waren die Moldawierinnen, die hatten blaue Augen“, sagt der Vierundsechzigjährige. In seiner Heimat, Siebenbürgen in Rumänien, lebte und lebt ein echtes Völkergemisch: Rumänen, Ungarn, Roma und die Siebenbürger Sachsen, denen Humuzau angehört. Er spricht sowohl Hochdeutsch als auch Dialekt, Rumänisch ohnehin. In seinem Heimatdorf Tarteln (Toarcla) nahe Kronstadt stellten „die Sachsen“ früher die Mehrheit, heute sind nur noch vier Familien übrig. Humuzaus blieb zurück, um seine gelähmte Mutter zu pflegen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das ganze Leben lang hat er in der Textilwirtschaft gearbeitet, die in Siebenbürger früher zu den bestimmenden Industrien gehörte. In der Stadt Heltau (Cisnădie) südlich von Hermannstadt (Sibiu) geht die Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurück, noch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es hier 150 Webereien. In kommunistischer Zeit wurden die Betriebe zu einem Kombinat namens Covtex zusammengeführt, das auf 320 000 Quadratmetern Werkshallen rund 5000 Mitarbeiter beschäftigte.

          „Ohne Rumänien gäbe es uns nicht mehr“

          Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks war Covtex nicht mehr konkurrenzfähig und kollabierte. Doch seit der Aufnahme Rumäniens in die EU im Jahr 2007 kehrt die Textilindustrie nach und nach in die Region zurück. Selbst große, prestigeträchtige Unternehmen wie die französische Bekleidungsmarke Lacoste produzieren hier. Ein Pionier unter den Mittelständlern in Siebenbürgen ist das schweizerisch-österreichische Unternehmen Tisca aus Vorarlberg. Hier arbeitet Humuzau - als einziger Siebenbürger Sachse unter 130 Vollzeitkräften. Der Betrieb stellt handgewebte Wollteppiche her, die sich beidseitig nutzen lassen. Auf der Suche nach kostengünstigen Standorten mit qualifiziertem Personal kam Tisca Ende der neunziger Jahre nach Heltau. Später verlagerten das Unternehmen die Produktion aus Tunesien hierher und 2012 auch jene aus Österreich.

          „Ohne Rumänien gäbe es uns heute nicht mehr“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Walter Aigner. „Andererseits tragen wir mit dazu bei, dass der alte Textilstandort wiederbelebt wird.“ Der Umsatz von Tisca dürfte im laufenden Jahr um 25 Prozent auf 5,5 Millionen Euro steigen; der Gewinn fließt zurück ins Unternehmen. In den kommenden zwanzig Jahren sollen die Erlöse auf 20 Millionen Euro klettern, die Erweiterungsflächen hat Aigner schon gekauft. Unter seinem Vater waren es in den goldenen Zeiten schon einmal 10 Millionen Euro Umsatz, doch dann drängten die günstigen Inder und Chinesen auf den Markt. Als dann auch noch der größte Kunde absprang, die Möbelhauskette Ikea, stand Tisca fast vor dem Aus.

          Der Umzug nach Rumänien hat den Betrieb gerettet. Die Arbeitskosten je Mitarbeiter betrügen dort 600 Euro im Monat, rechnet Aigner vor, in Österreich viereinhalbmal so viel, rund 2800 Euro. Dass das Unternehmen die Kurve kriegte, hat aber nicht nur mit den geringeren Kosten zu tun. Diesen Vorteil bieten auch Tunesien oder Ungarn. Auch die EU-Förderung spielte keine Rolle, denn bisher haben die Österreicher keinen Cent erhalten. Was aber für Aigner zählt, sind der Fleiß, die Flexibilität und das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter: „Siebenbürgen hat als Herstellungsregion einen guten Klang, besser als Rumänien im Ganzen.“

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