https://www.faz.net/-gqe-ab5nd

9 Milliarden Euro : Teure Erbschaftsteuer

Die Familie des verstorbenen Ex-Chefs des Samsung-Konzerns hat die Zahlung einer Erbschaftsteuer von 8,9 Milliarden Euro angekündigt. Bild: dpa

Die Familie des verstorbenen Samsung-Patriarchen stiftet dessen Kunstsammlung, doch die Erbschaftsteuer schlägt teuer zu Buche.

          4 Min.

          Südkorea wird teils spöttisch, teils kritisch die „Republik von Samsung“ genannt. Das ist eine Anspielung auf die wirtschaftliche Bedeutung des Konglomerats für das Land, aber auch auf den Einfluss, den die größte familiengeführte Unternehmensgruppe des Landes auf Politik und Gesellschaft hat. Eine andere Bedeutung des Wortspiels zeigte sich am Mittwoch. Die Hinterbliebenen des im vergangenen Oktober im Alter von 78 Jahren gestorbenen Samsung-Vorsitzenden Lee Kun-hee teilten mit, dass sie mehr als 12 Billionen Won (8,9 Milliarden Euro) Erbschaftsteuer zahlen werden.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Es ist die wohl größte Erbschaftsteuerzahlung in Südkorea, die es je gab. Sie beträgt mindestens das Dreifache der üblichen jährlichen Erbschaftsteuereinnahmen des Landes. Nach Angaben der Familie entspricht die Steuer mehr als der Hälfte des Aktien- und Immobilienbesitzes des verstorbenen Samsung-Vorsitzenden. Über den Gesamtwert des Vermögens schwieg die Familie.

          Unternehmertum und eine milliardenteure Sammlung

          Forbes hatte Lee zuletzt im vergangenen Sommer das zwölfte Mal als reichsten Südkoreaner mit umgerechnet 14,6 Milliarden Euro eingestuft. Südkorea hat im Kreis der OECD-Staaten mit 50 Prozent einen der höchsten Erbschaftsteuersätze, der noch auf 60 Prozent steigt, wenn es um den Besitzübergang der größten Anteilseigner eines Unternehmens geht.

          Die Steuerzahlung wäre noch weit höher ausgefallen, wenn die Erben nicht die Kunstsammlung von Lee an Museen des Landes stiften würden. In der Kollektion sind ein Teich mit Wasserlilien von Claude Monet, die Zentaur-Familie von Salvador Dalí und eine Komposition von Joan Miró. Dazu kommen Werke von Marc Chagall, Pablo Picasso, Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin oder Camille Pissarro. Der Wert der Sammlung wird auf umgerechnet mehrere Milliarden Euro geschätzt. Neben den westlichen Werken umfasst die Kollektion mit mehr als 23 000 Stücken 14 als nationales Kulturgut eingestufte Stücke und südkoreanische Kunst etwa von Kim Whanki, Park Soo-Keun oder Lee Jung-Seop.

          Die Stiftung der Kunstwerke entspricht nicht nur dem Ziel, die Steuerlast zu verringern. Es geht auch darum, den Ruf der Lee-Familie und Samsungs aufzupolieren. Immer wieder betont die koreanische Fassung der Erklärung die Aufgabe des Unternehmens: dem Lande zu dienen. Die Familie führt auch die Gründungsphilosophie von Samsung an: durch Unternehmertum zur Nation beizutragen. Die Lee-Familie teilte ferner mit, 1 Billion Won (745 Millionen Euro) für medizinische Forschung und Versorgung spenden zu wollen. Davon soll im Zeichen von Covid unter anderem ein Krankenhaus zur Erforschung und Behandlung ansteckender Krankheiten gebaut werden.

          Erbschafts-Reglungen und Besitzverhältnisse im Konzern

          Das Bemühen um Wohlwollen in der Bevölkerung kommt zu einer Zeit, in der gerade Samsung-Erbe Lee Jae-yong Zustimmung brauchen kann. Der 52 Jahre alte stellvertretende Vorsitzende und faktische Chef von Samsung sitzt wegen Bestechung der früheren Präsidentin Park Geun-hye und wegen Veruntreuung für zweieinhalb Jahre im Gefängnis. Erst im Juli 2022 könnte er freikommen. Pikanterweise ging es bei der Bestechung darum, den Erbübergang des Konglomerats auf die dritte Generation zu erleichtern.

          Weitere Themen

          VW will Europcar zurückhaben

          15 Jahre nach Verkauf : VW will Europcar zurückhaben

          Europas größter Autohersteller bestätigt öffentlich Interesse daran, den Autovermieter wieder zu kaufen. Denn seit 2006 haben sich die Prioritäten im Konzern verschoben.

          Bosch baut seine Führung komplett um

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Regenbogen-Spiel in München : Die Welt zu Gast bei Moralisten

          Die Politisierung des Fußballs hat ihren Preis. Ist der Regenbogen jetzt das neue Schwarz-Rot-Gold? Das deutsche EM-Spiel gegen Ungarn beschert einen Abend beklemmender Gefühle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.