https://www.faz.net/-gqe-9fua4

Teslas Gewinn : Elon Musks neue Glaubwürdigkeit

Elon Musk hat diesmal Wort gehalten und Tesla in den Gewinnbereich geführt. Bild: AFP

Börsenkontroverse hin oder her: Der Tesla-Chef hat diesmal nicht zu viel versprochen. Das könnte sich als Zäsur erweisen – und muss auch den deutschen Wettbewerbern zu denken geben. Ein Kommentar.

          Was Elon Musk sagt, ist mit Vorsicht zu genießen. Der Vorstandsvorsitzende des Elektroautoherstellers Tesla macht gerne vollmundige Versprechungen, die er dann aber oft nicht einhalten kann. Ein besonders einprägsames Beispiel dafür waren seine Prognosen, wie schnell das Unternehmen die Produktion des „Model 3“ hochfahren könne. Musk blieb nicht einmal annähernd im Zeitplan.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Umso bemerkenswerter ist der jetzt veröffentlichte Quartalsbericht von Tesla: Musk hat einen Nettogewinn versprochen, und er hat ihn geliefert. Dabei wurde die Gewinnschwelle nicht etwa mit Ach und Krach überschritten, sondern Tesla war klar profitabel.

          Und das gute Ergebnis scheint nicht in erster Linie mit Einmalfaktoren zu tun zu haben, sondern im operativen Geschäft erwirtschaftet worden zu sein. Unter anderem dank verstärkter Kostendisziplin und erheblicher Produktivitätsfortschritte in der Herstellung des Model 3. Dessen Stückzahlen liegen zwar noch immer unter früheren Zielen, aber Tesla kommt voran.

          Was all das zu einer besonderen Genugtuung für Musk machen dürfte, ist der Umstand, dass er in den vergangenen drei Monaten wohl mehr als je zuvor in der Kritik stand. Das hat er sich selbst eingebrockt, insbesondere mit seinem dilettantisch kommunizierten Vorhaben, Tesla von der Börse zu nehmen, das an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließ. Den Plan gab er schnell wieder auf, aber er bescherte ihm eine Betrugsklage der Börsenaufsicht SEC und wird ihn seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrats von Tesla kosten. Es macht den jetzt veröffentlichten Gewinn umso wertvoller, dass er trotz der gewaltigen Ablenkung durch Musks schlecht durchdachtes Manöver entstanden ist.

          Das abgelaufene Quartal könnte sich als Zäsur für Tesla erweisen, wenn Musk noch ein weiteres Versprechen einhält. Denn er hat gesagt, dieser Gewinn solle nur der Anfang sein, und das Unternehmen wolle von nun an dauerhaft profitabel sein. Gewiss ist das nicht, und es muss sich auch noch zeigen, ob Tesla jetzt womöglich zu sehr an Forschung und Entwicklung spart, um Gewinne ausweisen zu können. Aber wenn es das Unternehmen nun tatsächlich schafft, langfristig von einem defizitären Nischenanbieter zu einem profitablen Massenhersteller zu werden, wird es zu einer noch viel größeren Bedrohung für die etablierten Autokonzerne. Und es wird in einer stärkeren Verfassung sein, um inmitten der gerade jetzt erst beginnenden Offensiven deutscher Marken wie Audi oder Mercedes-Benz im Markt für Elektroautos zu bestehen.

          Es ist vielleicht kein Zufall, dass Tesla jetzt ausdrücklich über seinen Optimismus für das europäische Heimatrevier dieser Wettbewerber gesprochen hat, wo das Model 3 jetzt auch bald ausgeliefert werden soll. Nach den jetzt vorgelegten Zahlen sind Musks Kampfansagen ernster zu nehmen denn je. Der Tesla-Chef hat jetzt eine neue Glaubwürdigkeit.

          Weitere Themen

          Wo unsere Smartphones herkommen Video-Seite öffnen

          Von Afrika über China zu uns : Wo unsere Smartphones herkommen

          Wir benutzen sie jeden Tag, doch wir fragen uns selten, wo sie herkommen: Der Weg eines Smartphones beginnt in Afrika und Südamerika und führt zu riesigen Fabriken in China. Unsere Grafik nimmt Sie mit auf die Reise.

          Topmeldungen

          Viel Lärm um Nichts: Theresa May steht nach ihren erfolglosen Verhandlungen auf dem EU-Gipfel in der Heimat mal wieder unter Druck.

          Brexit-Kommentar : Auf Mays nächsten Zug kommt es an

          Auf den Tisch hauen, wie es einst Maggie Thatcher tat, kann die heutige Premierministerin in der EU nicht mehr. Doch ein zweites Referendum könnte ihr helfen.
          Münchens Robert Lewandowski (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 4:0.

          4:0 in Hannover : Gnadenlose Bayern setzen Aufholjagd fort

          Der deutsche Fußball-Rekordmeister kommt in Hannover zu einem ungefährdeten Erfolg. Zwei Rückkehrer stehen bei den Münchenern dabei in der Startaufstellung. Und der Sieg hätte noch deutlicher ausfallen können.
          Moses Pelham über Frankfurt: „Ich weiß nicht, ob meine Geschichte in einer anderen Stadt möglich gewesen wäre.“

          FAZ Plus Artikel: Moses Pelham : Rap und Rechtsgeschichte

          Der Musiker Moses Pelham hat Rap mit deutschen Texten dem Massenpublikum schmackhaft gemacht. Als Produzent verhalf er Sabrina Setlur und Xavier Naidoo zum Durchbruch – und schrieb Rechtsgeschichte.
          Das Cover von „GG – Das Grundgesetz als Magazin“

          Das Grundgesetz als Magazin : Verfassung auf Hochglanz gebracht

          Damit einzelne Artikel nicht in einer grauen Paragraphenmasse untergehen, publiziert der Journalist Oliver Wurm das Grundgesetz als Magazin. Damit erzielt er einen bemerkenswerten Effekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.