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Tencent will UMG-Anteile : China greift nach Bob Dylan und den Beatles

Die Universal Music Group könnte bald in Teilen chinesisch werden. Bild: dpa

Ob Ariana Grande, die Beatles oder Bob Dylan: Die Universal Music Group hat ein großes Repertoire an Künstlern. Der Tencent-Konzern aus China will jetzt bis zu 20 Prozent der Anteile erwerben – und macht Spotify weiter Konkurrenz.

          3 Min.

          Das weltgrößte Musiklabel, die Universal Music Group (UMG), dürfte demnächst ein Stück weit chinesisch werden. Das umfangreiche Künstler-Repertoire von UMG, das von den Beatles über Bob Dylan bis zu Ariana Grande und Billie Eilish reicht, ist derzeit Verhandlungsobjekt zwischen dem Vivendi-Konzern aus Frankreich und der chinesischen Internet-Gruppe Tencent.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Wie das französische Unternehmen am Dienstagmorgen mitteilte, diskutiert Vivendi als UMG-Muttergesellschaft derzeit über einen Verkauf von 10 Prozent des UMG-Kapitals an Tencent; eine Option auf den Verkauf von weiteren 10 Prozent ist vorgesehen. Basis der Gespräche ist eine Marktbewertung von UMG von 30 Milliarden Euro. Vivendi könnte für den Verkauf von 20 Prozent an UMG also mit etwa 6 Milliarden Euro rechnen. „Zusammen mit Tencent will Vivendi die Künstler von UMG, mit denen der schönste Song-Katalog aller Zeiten aufgebaut wurde, weiter fördern und dabei auch neue Talente finden und auf neuen Märkte nach vorne bringen“, teilte Vivendi mit.

          Das französische Unternehmen berichtet zwar, dass die Verhandlungen sich noch in einem frühen Stadium befinden, doch die genannten Details zeigen, dass man sich über die wichtigsten Punkte schon einig ist. Der Vivendi-Konzern, der auch im Fernseh- und im Computerspielegeschäft engagiert ist, prüfe mit Tencent zudem die kommerzielle Zusammenarbeit zudem auf anderen strategischen Feldern.

          Vivendi auf Partnersuche

          Der Anteilsverkauf kommt nicht überraschend, weil sich Vivendi schon seit rund einem Jahr auf Partnersuche befindet. Tencent würde dem Musikkonzern UMG die Expansion auf dem bevölkerungsreichsten Markt der Welt erlauben. Gleichzeitig will Vivendi einen versprochenen Aktienrückkauf finanzieren. Bis zu 50 Prozent könnte Vivendi an UMG verkaufen, hat Vivendi-Großaktionär Vincent Bolloré angekündigt. Daher spricht das französische Unternehmen nun nach eigenen Angaben auch mit anderen potentiellen Investoren.

          Die Anleger waren erfreut. Bis zu 7 Prozent stieg die Vivendi-Aktie am Dienstag an der Pariser Börse. Politische Hürden, die für die einst dem amerikanischen Universal-Konzern gehörende Musikgruppe aus dem chinesisch-amerikanischen Handelskrieg resultieren könnten, wollen die Aktionäre nicht sehen.

          Zuvor hatten nicht wenige Anleger und Analysten schon Zweifel geäußert, dass der Vivendi-Eigner Bolloré einen zahlungskräftigen Investor für UMG finden würde. Doch die vereinbarten 30 Milliarden Euro als Marktbewertung gelten als zufriedenstellend, wenn auch einige wenige Schätzungen höher lagen.

          Der Verhandlungswert, der für UMG zugrunde gelegt wird, entspricht derzeit etwa der Börsenbewertung des ganzen Vivendi-Konzerns. Das bedeutet auf dem Papier, dass alle anderen Geschäftsbereiche des französischen Multimedia-Konzern nichts wert sind, darunter das Fernseh-Geschäft mit der Kernmarke Canal Plus, die Werbeagentur Havas, die Computerspiele von Gameloft sowie die in diesem Jahr gekaufte Verlagsgruppe Editis. Doch der 67 Jahre alte Bolloré, der als ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann gilt, hatte immer gesagt, dass die Aktionäre an der Börse seine Gruppe unterbewerten.

          Mehr Wert als Spotify

          Mit seinen 30 Milliarden Euro übersteigt UMG auch die Börsenkapitalisierung der weltgrößten Streaming-Plattform Spotify, die etwa mit 27 Milliarden Dollar gehandelt wird. Sowohl UMG als auch Tencent sind als Minderheitsaktionäre an Spotify beteiligt. Denn ohne Streaming geht heute nichts mehr im Musikgeschäft. Es hat der ganzen Industrie nach einer existenzgefährdenden Krise das Überleben gesichert.

          UMG ist der größte Musikkonzern der Welt vor Sony Music Entertainment und Warner Music. Unter sein Dach gehören Labels wie EMI, Deutsche Grammophon, Abbey Road Studios, Virgin Records, Motown oder Polydor sowie Künstler wie Lady Gaga, Taylor Swift, Drake et Kendrick Lamar. Im ersten Halbjahr setzte UMG 3,2 Milliarden Euro um und war der größte Umsatzträger des Vivendi-Konzerns.

          Tencent, das größere der beiden Unternehmen, ist wegen seiner breiten Angebotspalette mit verschiedenen Dienstleistungen weniger auf das Musikgeschäft konzentriert als Vivendi. Dennoch ist die Tochtergesellschaft Tencent Music Entertainment (TME) ein riesiger Anbieter, der sich in China viele Rechte an Musikern gekauft hat und diese per Streaming kommerziell vermarktet. 800 Millionen Nutzer hat TME nach eigenen Angaben, viermal so viel wie Spotify, doch nur ein kleiner Teil davon sind zahlende Kunden.

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