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Jetzt also doch : T-Mobile einigt sich auf Fusion mit Sprint

Eigentlich hatten die Telekom und der japanische Technologiekonzern Softbank das Ringen um eine Fusion ihrer amerikanischen Mobilfunktöchter erst vor fünf Monaten offiziell eingestellt. Bild: dpa

Eigentlich wurden die Gespräche vor fünf Monaten für beendet erklärt – nun kommt es doch zur Mega-Fusion: Telekom-Tochter T-Mobile und ihr amerikanischer Rivale Sprint schließen sich zusammen.

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          Die Deutsche Telekom unternimmt einen dritten Anlauf, um ihre amerikanische Mobilfunk-Tochtergesellschaft T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint zusammenzuschließen. Wie der Bonner Konzern am Sonntagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mitteilte, hat er die Fusionsvereinbarung besiegelt. Sprint, eine Tochtergesellschaft des japanischen Technologiekonzerns Softbank, soll in der Transaktion mit rund 26 Milliarden Dollar bewertet werden. Die Telekom, heute mit 63 Prozent an der börsennotierten amerikanischen Tochtergesellschaft beteiligt, wird an dem fusionierten Konzern nur noch einen Minderheitsanteil von 42 Prozent halten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Der Partner Softbank ist mit 27 Prozent dabei, rund 31 Prozent liegen bei den freien Aktionären. Die Telekom hat mit Softbank aber den Zugriff auf die Stimmrechte für deren T-Mobile-Aktien vereinbart. Im Board hat außerdem weiterhin der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges den Vorsitz, und operativ bleibt die Telekom mit dem bisherigen T-Mobile-Chef John Legere ebenfalls im Führungsstand. Dank der Stimmrechtsmehrheit und der klaren Regeln zur Unternehmensleitung kann die Telekom den neuen Verbund konsolidieren, seine Umsätze und Ergebnisse also in den eigenen Konzernzahlen ausweisen.

          Das „schlagkräftigste Mobilfunkunternehmen in den USA“

          Die Fusion soll es T-Mobile und Sprint erlauben, zusammen zu einer dritten starken Kraft im amerikanischen Mobilfunkmarkt zu werden. Gemeinsam kämen sie auf Basis der für 2018 erwarteten Zahlen auf einen Jahresumsatz von 76 Milliarden Dollar und 127 Millionen eigene Kunden. „Zusammen mit Sprint wird die neue T-Mobile US das schlagkräftigste Mobilfunkunternehmen in den USA“, sagte Höttges. Die beiden Unternehmen erwarten Netto-Einsparungen und andere Verbundvorteile im heutigen Barwert von 43 Milliarden Dollar. Die Integrationskosten werden auf rund 15 Milliarden Dollar veranschlagt. Drei Jahre nach dem Zusammenschluss sollen die Synergien zum ersten Mal höher sein als die Integrationskosten. Der Deal habe keine Auswirkungen auf ihre Gewinnprognose und die Dividendenaussage für das laufenden Jahr, teilte die Telekom mit. Die Fusion soll beiden Unternehmen zufolge im ersten Halbjahr 2019 vollzogen werden.

          Schon 2014 hatten sie einen ersten Fusionsversuch unternommen, damals sollte die Kontrolle über das kombinierte Unternehmen noch bei Softbank liegen. Der Plan scheiterte am Widerstand der amerikanischen Wettbewerbsbehörden, ebenso wie schon 2011 der Versuch, das Geschäft an den noch größeren Rivalen AT&T abzugeben. Bei den damaligen Fusionsanläufen war T-Mobile in viel schwächerer Verfassung als heute. Die 2001 vom früheren Telekom-Chef Ron Sommer für rund 40 Milliarden Euro übernommene Sparte war lange Zeit das Sorgenkind der Telekom. Aber die Ausgangslage hat sich geändert. Die Bonner Konzernführung steckte viel Geld in die amerikanische Tochtergesellschaft und machte sie zum schlagfertigen Angreifer. Die Strategie ging auf: T-Mobile hat Sprint als Nummer drei auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt abgelöst und wird heute an der Börse doppelt so hoch bewertet wie der Wettbewerber.

          Frequenzen als Mitgift von Sprint

          Gleichwohl ist T-Mobile immer noch zu klein, um sich dauerhaft gegen die beiden Riesen Verizon und AT&T zu behaupten – zumal in den kommenden Jahren gewaltige Investitionen für den Ausbau des Zukunftsnetzes 5G anstehen. T-Mobile mangelt es laut Analysten auch an den notwendigen Frequenzen, die nun Sprint als wertvolle Mitgift in die Ehe einbringt. Schon im vergangenen Herbst unternahmen T-Mobile und Sprint einen weiteren Fusionsversuch. Die Verhandlungen wurden aber wieder abgebrochen, offenbar weil Softbank damals noch nicht bereit war, die unternehmerische Führung abzugeben.

          Freilich könnten die Regulierungsbehörden auch diesmal zu einer großen Hürde werden. Die Transaktion würde wohl von der Telekommunikationsbehörde FCC und dem amerikanischen Justizministerium geprüft. Amerika hat heute eine andere Regierung als 2014, und der heutige Präsident Donald Trump verfolgt grundsätzlich einen Deregulierungskurs, aber mit Blick auf den Umgang mit Fusionen gibt es bislang kein einheitliches Bild. Tom Wheeler, der 2014 an der Spitze der FCC stand, sagte damals, er wolle die Zahl der großen amerikanischen Mobilfunkbetreiber nicht von vier auf drei schrumpfen sehen. Sein Nachfolger Ajit Pai sagte dagegen unlängst, er wolle sich nicht von vorneherein auf eine „optimale Zahl“ festlegen. Andererseits hat das Justizministerium überraschende Strenge gezeigt und eine Kartellklage eingereicht, um die geplante Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch AT&T zu verhindern. Eine Ausfallentschädigung (Break-up Fee) für den Fall, dass die Fusion kartellrechtlich scheitert, sei im Vertrag zwischen Telekom und Softbank nicht vorgesehen.

          Wie wichtig die Tochtergesellschaft T-Mobile US für die Telekom geworden ist, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen. In Amerika ist der Umsatz 2017 um sechs Prozent gewachsen, der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda), den die Telekom als eine zentrale Steuerungsgröße nutzt, stieg sogar um 8,8 Prozent. Damit steuerte Amerika mehr zu Umsatz und Ergebnis bei als der Heimatmarkt, wo die Erlöse nur um 0,7 Prozent wuchsen und das Ergebnis um 2,8 Prozent zulegte. Im Europa-Geschäft und in der Großkundensparte T-Systems ging es mit dem Betriebsgewinn sogar abwärts.

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