https://www.faz.net/-gqe-yfcp

Telekom-Rückzug aus Amerika : „Schiere Größe ist kein Ziel“

Der Telekom-Konzern wird kräftig schrumpfen Bild: Edgar Schoepal / F.A.Z.

Der Vorstand redet den Verkauf von T-Mobile USA schön, die Anleger belohnen ihn an der Börse. Vorerst aber wird der Telekom-Konzern kräftig schrumpfen. Zweifel an der Genehmigung durch die Behörden machen den Deal zudem höchst unsicher.

          2 Min.

          Nach dem Verkauf ihres amerikanischen Mobilfunkgeschäftes will die Deutsche Telekom neue Einnahme- und Wachstumsquellen in Deutschland und in Europa erschließen. „Wir können uns nun stärker auf den Ausbau der schnellen Netze in Europa und die Entwicklung moderner Internetprodukte konzentrieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende René Obermann. Vorerst jedoch wird der Konzern kräftig schrumpfen. Mit dem Rückzug aus Amerika gehen mehr als 16 Milliarden Euro Umsatz, etwa 26 Prozent der Gesamterlöse, verloren. „Das werden wir nicht unmittelbar durch Wachstum im Kerngeschäft aufholen können. Aber schiere Größe ist kein Ziel, das ein Unternehmen verfolgen sollte“, sagte Finanzvorstand Timotheus Höttges am Montag.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          An der Börse sorgte der Verkauf der Mobilfunktochtergesellschaft T-Mobile USA an den amerikanischen Konkurrenten AT&T für kräftig steigende Kurse der Telekom-Aktie; in der Spitze stieg er um 16 Prozent. Viele Analysten lobten den Abschluss, der der Telekom wohl 39 Milliarden Dollar einbringen wird, davon voraussichtlich 25 Milliarden Dollar in bar und 14 Milliarden Dollar in Aktien von AT&T. Bis zu 8 Prozent der Aktien von AT&T werden an die Telekom übergehen, deren Vorstandschef Obermann einen Platz im Vorstand des amerikanischen Konzerns bekommt. Über die Ausschüttungen von AT&T werde die Deutsche Telekom auch weiterhin vom Wachstum des amerikanischen Marktes profitieren, meinte Obermann.

          Kartellrechtliche Genehmigung alles andere als gesichert

          Die Verkaufserlöse sollen überwiegend genutzt werden, um Schulden abzubauen und eigene Aktien zurückzukaufen. Dass die Telekom nun versucht, Konkurrenten wie Telefónica oder France Télécom nachzueifern und nach Übernahmeobjekten in wachstumsstarken Schwellenländern sucht, schloss Höttges kategorisch aus. Die neue Strategie setze auf „werthaltige Wachstumssteigerung“. Übernahmen in Asien oder Lateinamerika seien damit nicht vereinbar. Insbesondere in Süd- und Osteuropa sieht Höttges noch großes Potential. Ebenso wie Obermann verwies er darauf, dass nun die im vergangenen Jahr verkündete Wachstumsstrategie mit Hochdruck vorangetrieben werde.

          Mit dem Vollzug des Verkaufs ist frühestens im ersten Halbjahr 2012 zu rechnen. An den bisherigen Planungen und Ergebnisprognosen für das laufende Geschäftsjahr hält die Telekom deshalb fest. Die Transaktion ist darüber hinaus noch mit einem großen Fragezeichen versehen, denn die kartellrechtliche Genehmigung ist angesichts der schon jetzt sehr starken Konzentration auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt alles andere als gesichert. Zum Vollzug der Übernahme sind Genehmigungen des amerikanischen Justizministeriums sowie der Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) nötig. „Kein Übernahmeversuch in Amerika war jemals mit einem größeren Kartellrisiko verbunden“, sagte Analyst Jonathan Chaplin von der Bank Credit Suisse. Um die Freigabe zu bekommen, sind nach seiner Auffassung „massive Desinvestitionen und Zugeständnisse“ nötig. Verbraucherschützer haben bereits Protest angemeldet, die auf Internet- und Telekommunikationspolitik spezialisierte Organisation „Public Knowledge“ nannte die Kombination „undenkbar“. Der drittgrößte amerikanische Mobilfunkbetreiber Sprint Nextel, der durch den Zusammenschluss im Wettbewerb weiter an Boden verlieren würde, hat angekündigt, bei den Kartellbehörden Einspruch zu erheben.

          AT&T und die Deutsche Telekom sind sich dieses Risikos offenbar bewusst. Aus diesem Grund dürften sich die Amerikaner auf die milliardenschwere Strafgebühr eingelassen haben, falls die Transaktion scheitert. Wie Höttges erläuterte, würden dann 3 Milliarden Dollar zugunsten der Deutschen Telekom fällig, zudem bekämen die Bonner Zugriff auf Frequenzen und Wiederverkaufsrechte von AT&T. Dessen Management gab sich daher am Montag auch große Mühe, auf die positiven Auswirkungen der Übernahme hinzuweisen. So könne AT&T zusammen mit dem Neuerwerb den Mobilfunkstandard der vierten Generation schneller verbreiten, außerdem erlaubten die hinzukommenden Frequenzen eine bessere Servicequalität. Gleichwohl stellt sich AT&T darauf ein, sich von Unternehmensteilen trennen zu müssen. Durch die Aktienkomponente würde die Deutsche Telekom nach dem Vollzug der Transaktion zum größten Minderheitsaktionär bei AT&T. Das Unternehmen hat 27 Jahre in Folge seine Dividenden erhöht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.