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Telekom, Lidl und HP : Die Vertrauensbrecher

  • -Aktualisiert am

Vertrauensbrecher I: die Telekom Bild: dpa

Dass Unternehmen Informationen über Mitarbeiter und Journalisten sammeln, weiß jeder. Aber in drei aktuellen Fällen wurden Grenzen überschritten. Mancher Vorstand fühlte sich zu stark, mancher zu schwach. Am Ende steht das Versagen.

          Kriminell werden Personen, nicht Unternehmen. Entweder sind es die Angeschlagenen, die aus einer Position der Schwäche nach Auswegen aus ihrer verfahrenen Position suchen - und dabei zu unlauteren Mitteln greifen. Schwach war zum Beispiel der einstige Telekom-Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke, als während seiner Amtszeit Journalisten und eigene Manager bespitzelt wurden. In die Ecke getrieben war auch die frühere Verwaltungsratsvorsitzende des Computerherstellers Hewlett-Packard, Patricia Dunn, als sie in den Vereinigten Staaten Ähnliches geschehen ließ.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Es gibt auch diejenigen, die sich aus zu großer Selbstgewissheit und vermeintlicher Allmacht über Gesetze hinwegsetzen, die sie für sich selbst nur als Marginalie empfinden, weil die Verstöße doch einem höheren Ziel dienen. So stark wähnte sich offenbar der frühere Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel. Oder auch die Führung des Lebensmittelfilialisten Lidl. Den Managern, die das ausgefeilte Schmiergeldsystem von Siemens ersonnen haben, war geltendes Recht ebenfalls gleichgültig. Man arbeitete schließlich für den größten deutschen Industriekonzern.

          Wichtige Gespräche lieber auf dem Hof statt im Büro

          Lange bevor die erste Zeile über alle diese Skandale geschrieben worden ist, hätte aber wohl jeder Wirtschaftsjournalist vermutet, dass solche Nachrichten am ehesten einmal vom Automobilhersteller Volkswagen kommen würden. Dort hieß es von ehemaligen Mitarbeitern immer wieder, man habe wichtige Gespräche lieber auf dem Hof statt im Büro geführt. Denn, so raunten sich VW-Angestellte zu, der Konzernsicherheit seien sogar Abhörmethoden zuzutrauen. Der starke Vorstandsvorsitzende von damals, Ferdinand Piëch, ist heute der allmächtige Vorsitzende des Aufsichtsrats. Die Sache hat einen Haken: Das Stadium der Gerüchteküche haben diese Unterstellungen nicht verlassen. Und mehr Verwertbares als die „Babyphon“-Affäre, den plumpen Abhörversuch des Zimmers des Porsche-Vorstandsvorsitzenden und VW-Aufsichtsratsmitglieds Wendelin Wiedeking in einem Wolfsburger Luxushotel, haben Ermittler nicht in der Hand. Dafür mussten sich Richter und Staatsanwälte intensiv mit strafrechtsrelevanten Lustreisen des VW-Betriebsrats beschäftigen.

          Vertrauensbrecher II: Lidl

          Bevor in Deutschland etwas passierte, war es denn auch der amerikanische Computerkonzern Hewlett-Packard (HP), der durch Spitzelmethoden gegenüber Journalisten unangenehm auffiel - und dafür gerichtlich zur Rechenschaft gezwungen worden ist. In dem Skandal um die interne Untersuchung eines Informationslecks in Aufsichtsratskreisen im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der früheren Vorstandsvorsitzenden Carly Fiorina hatten private Ermittler seite Ende 2004 unter anderem Journalisten mit fragwürdigen Methoden ausgeforscht. Die Reporter, darunter Angestellte der „Business Week“, der „New York Times“ sowie „Cnet-News“, und einige ihrer Angehörigen hatten HP daraufhin verklagt. Mit drei Journalisten der „Business Week“ sowie der „New York Times“ hat sich das Unternehmen erst im Februar auf einen Vergleich geeinigt.

          Auch Hewlett-Packard ließ Journalisten bespitzeln

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