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Telekom-Affäre : Skandal im volkseigenen Betrieb

  • -Aktualisiert am

Die Telekom - ein Schattenreich? Bild: REUTERS

In der Telekom wird geschnüffelt, beschattet und intrigiert. Und mit den Daten der Kunden ungeniert hantiert. Vorstandschef René Obermann weist jede Schuld von sich und gibt sich als brutalstmöglicher Aufklärer. Ob er die Spitzelaffäre übersteht, ist keineswegs sicher.

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          Ist der Schaden erst einmal angerichtet, hilft nur die Flucht nach vorn. Dies haben Manager nach der Skandalserie in ehemaligen deutschen Vorzeigekonzernen begriffen. Also gibt sich Telekom-Chef René Obermann als der brutalstmögliche Aufklärer. Lückenlos werde alles aufgedeckt. Rückhaltlos. Alles komme auf den Tisch.

          Schön ist es nicht, was da jetzt offenbar wird: In der Telekom wurde geschnüffelt und beschattet, spioniert und intrigiert. Ehemalige Top-Manager haben sich ehemaliger Stasi-Spione bedient. Zu besichtigen ist der moralische Verfall in einem Staatskonzern, einem ehemaligen Monopolisten, der bis zum heutigen Tag von der Regierung als Großaktionär kontrolliert wird. Das gibt der Sache die Würze. Der Skandal sei "schlimmer als die Spiegel-Affäre", sagen Politiker in Berlin. Von einem Saustall reden sie, der schleunigst ausgemistet gehört.

          Wer hat wann von den Spitzeleien gewusst und den Auftrag erteilt?

          Als Helfer hat Obermann dazu am Freitag einen ehemaligen Richter am Bundesgerichtshof engagiert. Das verschafft ihm etwas Luft. Ausgestanden hat er die Affäre noch lange nicht. Die entscheidende Frage lautet: Wer hat wann von den Spitzeleien gewusst? Und vor allem: Wer hat den konkreten Auftrag dazu gegeben?

          Telekom-Chef René Obermann weist jede Verantwortung für den Skandal von sich.

          Die ehemaligen Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat, Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel, werden als Verdächtige von der Staatsanwaltschaft geführt, bestreiten aber jeden Vorwurf, die Detektive angeheuert zu haben. René Obermann beruft sich darauf, erst später Amt und Kenntnis erlangt zu haben.

          Die Welle an Abscheu und Empörung baut sich auch deswegen so hoch auf, weil die Telekom, zu einem Drittel immer noch volkseigener Betrieb, sich gegenüber Kunden wie Aktionären schon in der Vergangenheit einiges geleistet hat: Die T-Aktie - ein Desaster. Der Service - zum Davonlaufen.

          Obermann verordnete der Telekom schon früh die Selbstgeißelung

          Als René Obermann vor anderthalb Jahren als Vorstandsvorsitzender angetreten ist, hat er der Telekom die öffentliche Selbstgeißelung verordnet. Man sei zu lahm, zu unfreundlich, kurz: zu schlecht, hat er verkündet und eine Serviceoffensive ausgerufen. Die ersten Früchte begannen gerade zu reifen. Doch nach dem jüngsten Schock sind alle Anstrengungen erst einmal zunichte, bald ein kundenfreundliches Image zu erhalten.

          Die Spitzelaffäre hat eine andere Qualität als frühere Skandale, etwa der um die schwarzen Kassen von Siemens. Dort ging es darum, mit Schmiergeldern Aufträge zu ergattern, Milliarden zu verdienen. Der Fall Telekom dreht sich ausnahmsweise nicht um Geld. Es geht um Daten. Und das macht ihn gerade so brisant. Denn die Telekom ist kein gewöhnliches Unternehmen: Wer telefoniert, hinterlässt dort Spuren. Jeder, so wird plötzlich deutlich, könnte ein Opfer von Datenmissbrauch werden.

          Das macht den Menschen Angst. Und es macht sie wütend. Längst ist kein Geheimnis, dass die Telekom alle Verbindungsdaten für eigene Zwecke auswertet. Mit dem Wissen, welche Kunden wie lange mit wem telefonieren, errechnet sie ihre Tarife, steuert sie ihr Marketing. Alles völlig legal, ebenso wie die Speicherung der Telefondaten. Die hat die Regierung sogar gesetzlich vorgeschrieben.

          Ausgelöst hat den Skandal ein Sechsmannbetrieb in Berlin

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