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Telefonauskunft 11880 : Da werden Sie immer weniger geholfen

Die Werbung von Verona Pooth - damals noch Feldbusch - für die Telefonnummer wurde schnell Kult. Bild: dpa

Das Unternehmen hinter der Telefonnummer 11880 wurde einst an der Börse heiß gehandelt. Geholfen wurde zum saftigen Preis von 1,99 Euro pro Minute. Und heute?

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          „Risiko: sehr hoch“, urteilte eine Anlegerzeitschrift jüngst über die Aktie des börsennotierten Dienstleisters 11880 Solutions AG. Trotzdem sei das Papier „ein Hotstock mit dem Zeug zum Verdoppler“. Solche „Hotstocks“ nennen Börsianer auch gerne „Pennystocks“, wenn ihr Kurs sich eher im Cent- denn im Eurobereich bewegt. Üblicherweise sind diese Pennystock-Unternehmen dem breiten Publikum unbekannt; anders ist das im Fall von 11880 Solutions.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktiengesellschaft, als Telegate 1996 gegründet und seit 1999 an der Börse gehandelt, hat sich mit ihrer Werbung in den Gehirnwindungen der Deutschen verankert. „Elf Mann hat eine Fußballmannschaft, 88 ist meine Omi und die Null ... null Ahnung“, erklärte TV-Sternchen Verona Pooth (damals noch Feldbusch), wie sie sich die Nummer der Telefonauskunft merkt, mit der das Unternehmen der Deutschen Telekom und ihrer 11833 Konkurrenz machte. Unvergessen auch ihr eingängiger Werbespruch: „Da werden Sie geholfen.“

          Geholfen wird dem Publikum auch heute noch, zum saftigen Preis von 1,99 Euro je Telefonminute. Jedoch wollen immer weniger Menschen diese Hilfe wirklich haben. Wer einen Handwerker braucht oder ein Zimmer buchen will, schaut direkt via Smartphone kostenlos im Internet nach. „Auf die Idee, für zwei Euro und mehr pro Minute am Telefon nach der Nummer zu fragen, käme heute wohl kaum noch jemand – könnte man meinen“, formuliert die Nachrichtenagentur dpa und stellt zugleich fest: „Dass sie alle trotzdem noch im Dienst sind, mag manchen überraschen.“

          Tatsächlich scheint es noch Bedarf zu geben. Laut Unternehmen rufen im Schnitt 10.000 bis 12.000 Leute täglich die 11880 an, um sich persönlich eine Nummer ansagen zu lassen oder eine andere Information zu erhalten. Gefragt werde nicht nur nach Telefonnummern, sondern auch nach Kinoprogrammen, Fahrplänen, Börsenkursen oder nach Ergebnissen wichtiger Fußballspiele, heißt es seitens des Essener Anbieters. Um die Jahrtausendwende, als das World Wide Web noch in den Kinderschuhen steckte, sollen es jedoch eine halbe Million gewesen sein. Auch am Marktführer Deutsche Telekom geht der dramatische Schrumpfprozess nicht vorbei. Rund zehn Millionen Anfragen seien im vergangenen Jahr bei der 11833 eingegangen, rechnet man in Bonn vor. Vor zehn Jahren seien es noch rund 100 Millionen Anrufe gewesen.

          Und wer ruft heute noch die Auskunft an? Eigentlich nur noch „ältere Mitbürger“ oder „harte Technikverweigerer“, „Esoteriker“ und Menschen, „die Angst vor Handystrahlung haben“, sagt der Düsseldorfer Kommunikationsforscher Uwe Pöhls. „Das Smartphone hat in dieser Hinsicht die Welt verändert.“ Kein Wunder also, dass 11880-Solutions-Chef Christian Maar heute die Telefonauskunft nur noch als zweiten Geschäftsbereich nennt und lieber auf das Geschäftssegment Digital verweist. „Ich freue mich auf die kommenden Jahre, denn wir haben noch viel vor. Mit weiteren innovativen Produkten.“ Die klassische Auskunft scheint immer weniger in diese Kategorie zu passen.

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