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Teilverstaatlichte Bank : Commerzbank-Aktie schafft Trendwende

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt Bild: Irl, Maria

Die Börse reagiert begeistert auf den kleinen Gewinn der Commerzbank. Nun notiert die Aktie bei rund 10 Euro. Der Staat hat seinerzeit aber mehr als 25 Euro ausgegeben. Für ihn ist es noch ein langer Weg zum Gewinn.

          Das zweite Quartal hintereinander hat die Commerzbank die Börse begeistert. Der Aktienkurs des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts kletterte am Donnerstag um 10 Prozent. Doch die Kursgewinne bedürfen ebenso wie der Konzerngewinn nach Steuern im dritten Quartal von 67 Millionen Euro einer gelassenen Einordnung.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zweifellos hat die Aktie der Commerzbank eine spektakuläre Wende hingelegt. Seit Beginn des zweiten Halbjahres hat sie um 50 Prozent an Wert zugelegt. Gleichwohl erreichte der Kurs mit gut 10 Euro am Donnerstag nur das Niveau wieder, das er zuletzt im März hatte. Im Mai hatte die Bank die Kapitalanleger mit einer  Kapitalerhöhung verschreckt.Die Commerzbank musste zehn Aktien zu einer zusammen legen, um die Kapitalerhöhung plazieren zu können. Insofern hat die Commerzbank-Aktie nach alter Zählung am Donnerstag lediglich das Schicksal eines Penny-Stock abgeschüttet und kostet wieder mehr als 1 Euro.

          Aber bleiben wir bei der neuen Zählung. Auf Jahressicht liegt der Commerzbank-Kurs noch immer im Minus – wenn auch nur noch mit rund 4 Prozent. Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin hat im Durchschnitt für eine Commerzbank-Aktie mehr als 25 Euro ausgegeben. Für den Staat ist es somit noch ein langer Weg zum Gewinn. Für Anleger, die im Jahr 2010 rund 40 Euro für eine heutige Commerzbank-Aktie ausgeben haben, im Jahr 2009 50 Euro und im Jahr 2007 sogar mehr als 200 Euro ist die Gewinnschwelle nicht einmal am Horizont zu erkennen.

          Für die Commerzbank hingegen dürfte das von Konzernchef Martin Blessing zum Übergangsjahr deklarierte Jahr 2013 mit einem Gewinn enden. Zumindest hat die Bank im dritten Quartal den Verlust des ersten Quartals von 51 Millionen Euro ausgeglichen und liegt nun nach neun Monaten im Jahr 2013 mit 26 Millionen Euro im Plus.  Allerdings spricht die niedrige Steuerzahlung von 3 Millionen im dritten Quartal für eine niedrige Gewinnqualität. Außerdem ist für das vierte Quartal eine Ergebnisabschwächung angekündigt.

          Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die negativen Überraschungen im Geschäft der Commerzbank abnehmen. Anders als in Detroit scheint sie vom  Insolvenzfall des Brasilianers Eike Batista nicht betroffen zu sein. Außerdem sind die zum Abbau vorgesehenen Kredite aus Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierungen offensichtlich werthaltiger als von den Anlegern an der Börse befürchtet. Im dritten Quartal fiel hier „nur“ noch ein Verlust von 272 Millionen Euro an. Im ersten Halbjahr waren es 745 Millionen Euro Verlust. Die Bank konnte diese Risiken seit Jahresanfang um immerhin 18 Prozent auf 124 Milliarden Euro verringern. Damit einher geht eine  deutlich bessere Kernkapitalquote.  In die Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank geht die Commerzbank nun im Jahr 2014 mit einer Kernkapitalquote von 11 Prozent. Zum Bestehen braucht sie 8 Prozent. Das sollte sie locker schaffen.

          Zuverlässigster Ergebnisbringer im dritten Quartal war einmal mehr das Mittelstandsgeschäft. Es trug 349 Millionen Euro zum Quartalsgewinn bei. Hier muss die Commerzbank nur 42 Cent aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erzielen. Die Eigenkapitalrendite ist herausragend gut mit mehr als 20 Prozent. Lässt man die Abbaurisiken beiseite, liegt am anderen Ende der Renditeskala das Privatkundengeschäft. Hier muss die Commerzbank 91 Cent aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften. Das ist richtig schlecht. Die Bank verweist auf die hohen Investitionen, die sie derzeit tätigt, um ihre Filialen zu modernisieren. Offensichtlich hat sie in früheren Zeiten, als das Privatkundengeschäft sogar defizitär war, die Investitionen vernachlässigt. In der schwachen Kosten-Ertrags-Quote von 91 Prozent ist zudem die Direktbank Comdirect enthalten, die nur rund 60 Cent aufwendet, um einen Ertrag zu erwirtschaften. Das Filialgeschäft der Commerzbank arbeitet insofern mit einer Kosten-Ertrags-Quote von knapp 100 und ist damit auch nur knapp profitabel. Die Eigenkapitalrendite beträgt im gesamten Privatkundengeschäft kümmerliche 4,2 Prozent.

          Die Bank brüstet sich gerade im Privatkundengeschäft mit einem stürmischen Wachstum, etwa in der Baufinanzierung. Mit einem neuen Kunden überschreite sie nach acht bis 14 Monaten Gewinn, sagt Finanzvorstand Stephan Engels. Angesichts der schwachen Renditen im Pivatkundengeschäft ist das fast nicht zu glauben. Aber zumindest taugt dies als ein Ziel, das einen als Kunde vorsichtig stimmen sollte: Wie schafft es die Commerzbank, mit mir schon nach acht Monaten Gewinn zu machen, nachdem sie mir gerade erst 50 Euro Begrüßungsgeld gezahlt hat? Dies zeigt: Der Druck, den der Vorstand auf die Mitarbeiter ausübt, um Gewinn zu machen, ist groß. Das ist verständlich.  Denn längst ist nicht ausgemacht, dass der Commerzbank-Vorstand wie gewünscht bis 2016 Zeit bekommt, um seine Ziele zu erfüllen.

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