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Teil-Übernahme von Sinotruk : MAN steigt groß in China ein

...jetzt auch in China Bild: ddp

Für rund eine halbe Milliarde Euro steigt der Nutzfahrzeughersteller MAN beim börsennotierten Lastwagenproduzenten Sinotruk ein. Von der strategischen Allianz mit den Chinesen verspricht sich der Dax-Konzern nachhaltige Erfolge im wichtigen asiatischen Markt. An der Börse kam der Schritt gut an.

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          Nach der Übernahme der brasilianischen Lastwagenaktivitäten von Volkswagen vor einem dreiviertel Jahr steigt MAN nun mit einer Sperrminorität beim chinesischen Lastwagenhersteller Sinotruk ein. Das Unternehmen aus Hongkong ist mit mehr als 20 Prozent Marktanteil größter Hersteller von schweren Lastwagen im Land.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          MAN übernimmt 25 Prozent plus eine Aktie der an der Börse Hongkong notierten Gesellschaft. Damit sichern sich die Deutschen Mitspracherechte. Die Vereinbarung kommt inmitten der schwersten weltweiten Krise in der Nutzfahrzeugbranche. Alle Hersteller verzeichnen seit Ausbruch der Finanzkrise schwere Auftragseinbrüche, auch MAN - und Sinotruk. An der Börse wurde der Schritt gut aufgenommen. Die MAN-Aktie legte zwischenzeitlich um 3,5 Prozent zu.

          Die Deutschen zahlen 560 Millionen Euro. Da Sinotruk allerdings im Zuge der geplanten engen Zusammenarbeit auch Lizenzen für MAN-Technologien erhält, zahlen die Chinesen im Gegenzug 85 Millionen Euro. Per saldo ergibt sich somit eine Zahlung von 475 Millionen Euro. Sie wird nach Angaben von MAN-Chef Håkan Samuelsson aus eigenen Mitteln finanziert. MAN hatte den 1,3 Milliarden Euro teuren Kauf der brasilianischen Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen, der VW Truck & Bus, im Herbst 2008 fremdfinanziert.

          MAN übernimmt ein Viertel von Sinotruk
          MAN übernimmt ein Viertel von Sinotruk : Bild: AP

          Verhandlungen liefen über ein Jahr

          MAN erhält einen Aktienanteil von 9 Prozent vom Sinotruk-Hauptaktionär, der staatlichen China National Heavy Duty Truck Corp. (CNHTC). Sie reduziert ihre Mehrheit damit von 60 auf 51 Prozent. Den anderen Teil der Aktien bekommen die Deutschen über eine Kapitalerhöhung. Gegenüber dem Durchschnittskurs der Sinotruk-Aktie in den zurückliegenden 60 Tagen hat MAN einen Aufschlag von 21 Prozent gezahlt. Somit bleiben 24 Prozent im Streubesitz. Die Verhandlungen gingen über ein Jahr. Sinotruk-Vorstandsvorsitzender Ma Chunji sprach am Mittwoch in Hongkong von mehreren Verhandlungsrunden.

          Nach einer starken Position in Europa als Nummer drei hinter der Nutzfahrzeugsparte von Daimler sowie Volvo/Renault, nach der Übernahme der VW Truck & Bus in Brasilien, bringt die strategische Allianz mit Sinotruk dem Münchener Dax-Konzern nun einen nachhaltigen Einstieg in den chinesischen wie auch in den asiatischen Markt allgemein.

          Diese tiefe Kooperation ist im Automobilsektor, der in China als strategisch wichtig angesehen wird und damit einen Zugang durch ausländische Firmen erschwert, in ihrer Art bislang die weitestgehende in China. Unternehmen wie VW und General Motors arbeiten nur im Rahmen von Gemeinschaftsunternehmen. MAN-Chef Samuelsson betonte, dass von vornherein diese Form der Kooperation nicht in Betracht gekommen sei. Durch eine direkte Beteiligung sollten alle Fragen des Technologietransfers klar geregelt werden. Die Tatsache, dass Sinotruk an der Börse gehandelt wird, soll auch den Abschluss erleichtert haben.

          MAN suchte seit Jahren nach einer engen Allianz

          MAN sucht schon seit Jahren nach einer engen Allianz. Gespräche hatte es auch mit dem ebenfalls börsennotierten Sinotruk-Konkurrenten Weichai gegeben. Doch führten nervenaufreibende, nicht endenwollende Verhandlungen zu einem Scheitern. Mit den Deutschen und den Chinesen arbeiten künftig ein Premium- und ein Massenhersteller zusammen. Geplant ist die gemeinsame Entwicklung und der Bau eines neuen Modells für den chinesischen und den asiatischen Markt, wobei die Technologie von MAN kommt.

          MAN hat im Konzern mit der neu erworbenen VW Truck & Bus im vergangenen Jahr 17,1 Milliarden Euro umgesetzt, 1,7 Milliarden Euro Betriebsgewinn erzielt und etwa 158.600 Fahrzeuge produziert. Sinotruk ist mit 2,5 Milliarden Euro Umatz und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 122 Millionen Euro deutlich kleiner, fertigt aber auch immerhin rund 100.000 Fahrzeuge. Das allerdings war 2008. Die Branche leidet derzeit beträchtlich unter der Weltwirtschaftskrise. MAN verzeichnete im Nutzfahrzeuggeschäft im ersten Quartal einen Auftragseinbruch von 61 Prozent. Selbst wenn sich die Lage etwas entspannen sollte, wird eine Halbierung für das laufende Jahr nicht ausgeschlossen.

          Für Sinotruk sagen Analysten einen Rückgang in der Großenordnung von „nur“ 10 bis 20 Prozent voraus. Frühestens 2010 wird dem chinesischen Markt und damit auch Sinotruk wieder ein Zuwachs zugetraut. Mittelfristig gilt China als attraktiver Wachstumsmarkt. China ist der größte und der am schnellsten wachsende Markt. Zugleich soll von dort aus der asiatische Raum bearbeitet werden. MAN und Sinotruk haben eine klare regionale Abgrenzung ihrer Aktivitäten vereinbart, um sich nicht in die Quere zu kommen.

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