https://www.faz.net/-gqe-vb3u

Teil 6: Textilien : Flauschiges aus Bio-Baumwolle

Vom Strauch in die Webmaschine Bild:

In der Textilbranche ist Klimaschutz und Bio-Baumwolle in Mode. Doch noch immer macht organische Baumwolle schätzungsweise nur 0.1 Prozent der globalen Produktion aus. Naturtextilien bleiben ein Nischenprodukt.

          Britta Steilmann war ihrer Zeit voraus. Als die Tochter des Wattenscheider Textil-Patriarchen 2001 antrat, um das väterliche Unternehmen mit einer Kollektion aus Naturtextilien zu sanieren, stieß sie auf ein reges Medieninteresse, aber nicht unbedingt auf Erfolg. Öko-Mode galt als politisch korrekt, aber unschick. Weil das Wort "Naturfaser" eher nach Reformhaus und grober Jute als nach Paris oder Mailand klang, reüssierte das Projekt nicht. Im Jahr 2000 meldete der Naturmode-Versandhandel AlbNatura ebenso wie sein Wettbewerber Panda Insolvenz an. Und das strauchelnde Unternehmen Hess Natur wurde von Neckermann übernommen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mittlerweile ist Hess Natur einer der wenigen Erfolgsbringer im Versandhandelsgeschäft von Karstadt Quelle. Das Butzbacher Unternehmen, das sich als Marktführer im deutschsprachigen Raum bezeichnet und im vergangenen Jahr 61,5 Millionen Euro Umsatz machte, wächst kontinuierlich. In Zukunft will es seine Produkte noch stärker über Großstadt-Boutiquen und nicht nur über den eigenen Katalog vertreiben.

          Das Engagement lässt sich imagewirksam vermarkten

          Zu solch etablierten Anbietern sind neue Marken getreten, deren Auftritt nichts mit dem gängigen Öko-Klischee gemein hat. Wer eines der Geschäfte des Herstellers American Apparel betritt, die in den vergangenen beiden Jahren in deutschen Großstädten eröffnet wurden, vermutet hinter der coolen Anmutung kein Unternehmen, das vor allem aufgrund seiner hohen Sozialstandards bekannt geworden ist. Mit den Slogans „Sweatshop-free“ und „Made in Downtown L.A.“ ist American Apparel zu einem der größten T-Shirt-Hersteller der Vereinigten Staaten geworden. Sie geben dem Verbraucher das Versprechen, dass sein Kleidungsstück in den Vereinigten Staaten und nicht in einer „Schweißbude“ in der Dritten Welt gefertigt wurde.

          Der Trend zu ökologisch und sozialverträglicher Mode ist auch den großen Textilunternehmen nicht verborgen geblieben. Motiviert durch den Erfolg der kleineren Öko-Labels, wollen auch die Branchengrößen vom Biotrend in der Textilindustrie profitieren - vor allem, da sich das Engagement auf diesem Feld auch imagewirksam vermarkten lässt.

          „Fünf-Punkte-Plan“ für die Umwelt

          Mit großem Tamtam hat der spanische Textilhersteller Inditex (Zara, Massimo Dutti) erst kürzlich auf der Hauptversammlung in La Coruña seinen „Fünf-Punkte-Plan“ für die Umwelt vorgestellt. Durch neue Beleuchtungssysteme solle der Energieverbrauch in seinen Läden, der schon um 25 Prozent gesenkt worden ist, weiter sinken. In den kommenden drei Jahren sollen 150.000 Quadratmeter der Fabrikdächer mit Solarzellen ausgerüstet und die Lastwagenflotte auf Bio-Treibstoff umgestellt werden. Außerdem soll den Fahrern in Schulungen beigebracht werden, 7 bis 10 Prozent weniger Sprit zu verbrauchen. Auch mit der Anpflanzung von Bäumen am Firmensitz in Nordspanien will Inditex seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

          So konkret hat der schwedische Wettbewerber H&M seine Umweltziele bislang nicht formuliert. Zum Thema Transport heißt es bei den Schweden nur schwammig, er solle „sauber und effektiv“ sein und das Klima möglichst wenig belasten. Der Konzern setzt dafür stärker als sein spanischer Wettbewerber auf die Vermarktung ökologischer Mode. Nachdem im Frühjahr eine kleine Kollektion aus Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau getestet wurde, wird der Modehersteller die Kollektion auf mehr als 100 Stücke ausbauen und im Herbst in die Läden bringen. H&M reagiere damit auf die veränderten Bedürfnisse der Kunden, heißt es. Außerdem wolle das Unternehmen durch die erhöhte Nachfrage auch den Markt für Bio-Baumwolle stimulieren. Der wird immer größer: Die amerikanische Organisation "Organic Exchange" berichtet, dass sich die Umsätze mit Produkten aus Öko-Baumwolle von 2001 bis 2006 von 245 Millionen auf 583 Millionen Euro mehr als verdoppelt hätten.

          Gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht erlaubt

          Weitere Themen

          Gut in Form

          FAZ Plus Artikel: Das perfekte T-Shirt : Gut in Form

          Stoff, Schnitt, Kragen und Länge: Das T-Shirt sieht simpel aus. Damit es echt perfekt ist, müssen aber die Details stimmen. Unser Autor hat mal genauer hingeschaut.

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          Bundesliga im Liveticker : Dortmund dreht auf – Bayer wieder vorne

          Bis zur Pause hält Augsburg ein 1:1 in Dortmund – doch nach Wiederanpfiff ist die BVB-Offensive nicht mehr zu halten. Zwei Aufsteiger drohen hingegen mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.