https://www.faz.net/-gqe-9g39s

Spezielle Maschinen : Wie der Tee in den Beutel kommt

  • -Aktualisiert am

Bei manchen Teesorten greifen die Deutschen lieber zum Beutel. Bild: Teekanne

Bei manchen Teesorten greifen Verbraucher am liebsten zum Teebeutel. Der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Maschine des Weltmarktführers Teepack vom Niederhein hergestellt worden.

          Der Beutel wird mit heißem Wasser aufgegossen, kurz darauf steht das wohlriechende Getränk dampfend auf dem Frühstückstisch. „Der Teebeutel ist das Convenience-Produkt für Tee“, erklärt Kyra Schaper, Pressereferentin des Deutschen Teeverbandes und der Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee.

          Noch im Ersten Weltkrieg wurde Tee unter anderem in den Werken der Teekanne GmbH & Co. KG in mühevoller Handarbeit in kleine Mullsäckchen gepackt, bei den Soldaten an der Front als Teebombe bekannt. Das verwendete Material färbte allerdings das Wasser nur braun.

          Gut dreißig Jahre später gelang es Adolf Rambold, einem Teekanne-Ingenieur, erstmals Tee maschinell in geschmacksneutrale Teebeutel zu verpacken. Er wurde 1948 der erste Geschäftsführer der Teepack Spezialmaschinen GmbH & Co. KG in Meerbusch am Niederrhein. Dort stellt das Teekanne-Schwesterunternehmen bis heute Teebeutelverpackungsmaschinen her.

          Politische Konflikte wirken sich aus

          Der einzige Konkurrent auf dem Weltmarkt ist nach Angaben Teepacks die IMA S.p.A. Das Unternehmen vom Niederrhein betrachtet sich gemeinsam mit dem Wettbewerber aus Bologna als Weltmarktführer für Doppelkammerteebeutel-Verpackungsmaschinen, wobei der Marktanteil von Teepack laut Pressesprecherin Bettina Nolte-Ernsting mehr als 50 Prozent beträgt.

          Der Umsatz von Teepack lag zwischen 2006 und 2017 in den allermeisten Geschäftsjahren (bis 31. März) zwischen 30 und 40 Millionen Euro, wie die im Elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse des Unternehmens zeigen. 2016/17 war er jedoch auf rund 24 Millionen Euro gesunken; auch 2008/09 und 2009/10 lag er unter 30 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ist in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls zurückgegangen, auf rund 200.

          Wegen seiner hohen Ausfuhrquote haben politische Konflikte starke Auswirkungen auf die Lage des Unternehmens. Rund 90 Prozent des Umsatzes wird laut Geschäftsführer Frank Wiedenmaier im Export erzielt. „Früher haben wir zum Beispiel auch viel nach Syrien exportiert. Das machen wir derzeit gar nicht mehr, da keine Mitarbeiter in Krisengebiete geschickt werden“, berichtet Nolte-Ernsting.

          Maschinen für eine Million Euro

          In normalen Jahren verlassen 35 bis 40 Maschinen Meerbusch. Zu Beginn stellte Teepack ausschließlich Doppelkammer-, später auch Einkammerbeutelmaschinen und seit 2005 vertikale Schlauchbeutelmaschinen her. Letztere verpacken neben Tee Nudeln, Chips oder Reis.

          Die Maschine spannt zunächst das Filterpapier über eine Rolle; der Tee fällt dann portionsweise darauf. Anschließend werden die Seitenränder so zusammengepresst, dass sich ein Schlauch bildet. Aufgrund des verwendeten Filterpapiers und des Pressverfahrens wird kein Klebstoff benötigt. Die beiden Kammern entstehen durch ein weiteres Falten. Die komplexesten Maschinen können unterschiedliche Materialien verarbeiten und kosten etwa eine Million Euro. Die einfacheren sind auf eine Verpackungsart der Beutel beschränkt; ihr Preis liegt bei 350 000 Euro.

          Der größte Absatzmarkt ist Asien, gefolgt von Europa und den Vereinigten Staaten. Kunden sind neben Teekanne der taiwanesische Teekonzern Good Young Co. Ltd. und der saudische Teegigant AMS Baeshen & Co. Auch der Weltkonzern Unilever mit seinem Tochterunternehmen Lipton zählt zu den Kunden.

          Kräutertee in Beuteln beliebt

          Die ersten Doppelkammerteebeutel-Verpackungsmaschinen stellten 120 bis 180 Beutel in der Minute her, heute sind es bis zu 420. Die schnellsten Einkammerteebeutelmaschinen produzieren 600 Beutel je Minute. Die Fallgeschwindigkeit des Tees auf das Filterpapier begrenzt die Produktionsgeschwindigkeit. „Wir sind inzwischen an der Grenze angekommen“, erklärt Nolte-Ernsting.

          Doppel- sollen im Vergleich zu Einkammerteebeuteln den Vorteil einer größeren Oberfläche bieten, wodurch der Tee sein Aroma besser an das Wasser abgeben könne. Je nach Verwendung werden unterschiedliche Beutel bevorzugt. Kantinen nutzen beispielsweise besonders große Beutel, um schnell große Mengen Tee aufkochen zu können.

          Der Beuteltee hat laut Kyra Schaper vom Teeverband den losen Tee in manchen Bereichen überholt: 2017 brühten 60 Prozent der deutschen Teetrinker losen Schwarz- und Grüntee auf, bei Kräuter- und Früchtetee griffen allerdings 90 Prozent zum Beuteltee.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.