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Teenie-App : Musical.ly ist tot, lang lebe Tik Tok

Koordination ist alles bei Musical.ly: Die Social-Media-Sternchen Lisa und Lena (rechts). Bild: dpa

Die chinesische Mitsing-App ist vor allem bei jungen Mädchen beliebt. Der Erfolg brachte dem Unternehmen aber auch viel Kritik ein. Deshalb baut der Eigentümer um – und ändert den Namen.

          Lisa und Lena kommen aus einer Stadt nahe Stuttgart und sind die größten Stars in einer chinesischen App, die ihren Hauptsitz in Amerika hat – das ist Globalisierung im App-Zeitalter. Die Zwillingsschwestern, gerade einmal 16 Jahre alt, haben auf „Musical.ly“ 30,6 Millionen Follower und auf Instagram noch einmal 13,5 Millionen. Noch nie von Musical.ly gehört? Macht nichts, denn den Namen kann man gleich wieder vergessen, weil die App seit Donnerstag Tik Tok heißt.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Bei ihren Fans – das sind alle Menschen unter 15 Jahren – war die App schon unter altem Namen ungemein beliebt: Auf der Plattform kann man kurze Videos hochladen, meist in einer Länge von bis zu 15 Sekunden. Bekannt geworden ist die 2014 gegründete Plattform durch Musikvideos zu Popsongs, die sich frei gestalten lassen. Meist junge Mädchen singen lippensynchron und tanzen zur Musik. Weil sie die Videos verlangsamen und vorspulen können, gibt es immer wieder sehr kreative Kurzvideos – die wie bei Lisa und Lena Millionen Fans anlocken.

          Allerdings tummeln sich auf der Plattform eben nicht nur junge Fans. Zunehmend wird Kritik laut, dass die Plattform auch Pädophile ansteuern, die junge Nutzerinnen dazu auffordern, viel Haut zu präsentieren. Das Fargo Police Department in den Vereinigten Staaten warnte Eltern gerade davor, dass die App nicht so harmlos ist, wie sie auf den ersten Blick wirkt.

          Zwar sprechen die Landeskriminalämter davon, dass es bisher wenige aktenkundige Fälle gibt, doch sind es weit mehr als Einzelfälle. Unter Hashtags wie #Bikini oder #bellydanc (das englische Wort für Bauchtanz, das vollständige „bellydance“ ist gesperrt) sind immer wieder Videos von zumeist sehr jungen Mädchen zu sehen und Kommentare von mehr als zwielichtigen Accounts. Offiziell ist die Nutzung der App ab 13 Jahren erlaubt. Wer minderjährig ist, soll seine Eltern fragen. In der Praxis passiert das allerdings wenig. 

          So sehen die Musical.ly-Videos aus: Eine Zusammenstellung der beliebtesten Videos von Lisa und Lena

          Bytedance, das chinesische Konglomerat, das Musical.ly im Dezember für einen Preis zwischen 800 Millionen und 1 Milliarde Dollar gekauft hat, investiert deshalb gerade viel Geld, um die Plattform technisch aufzurüsten. Anstößige Inhalte oder Kommentare sollen mittels maschinellem Lernen schneller erkannt und gesperrt werden.

          Das Unternehmen wolle die Plattform sicherer machen, sagt ein Sprecher des Unternehmens. So sollen auch die Eltern ihre Kinder besser darin anleiten können, wie sie sich im Internet bewegen. Künftig soll es deshalb ein „Safety Center“ geben, in dem Nutzer nicht nur leichter einstellen können, wer ihre Inhalte sehen darf, sondern auch Tipps an Eltern, die schnell den Überblick verlieren, auf was für Plattformen ihre Kinder sich so tummeln.

          Weg von reiner Tanz-und-Sing-Plattform

          Außerdem wollen die Macher hinter der App weg von der reinen Tanz-und-Sing-Plattform. Seit einiger Zeit können die Videos auch 5 Minuten lang sein, es gibt 19 Kategorien, von Beauty bis zu Reise und Sport. Weil dann der Name nicht mehr so gut passt, ändert Bytedance die Strategie: Musical.ly wird mit Tik Tok zusammengelegt, einer Videoapp, die ebenfalls zum Unternehmen gehört und 2016 gegründet wurde.

          Während Musical.ly vor allem in Europa und Amerika erfolgreich war, nutzen junge Asiaten vor allem Tik Tok. Damit verdoppelt sich die Zahl der Nutzer, auf 200 Millionen im Monat. „Musical.ly und Tik Tok teilen die gleiche Mission. Deshalb ist es ein logischer Schritt, aus zwei Plattformen eine zu machen”, sagt Alex Zhu, Mitgründer von Musical.ly und „Senior Vice President“ von Tik Tok. Mit vereinten Kräften soll nun mehr Wachstum erzielt und auch eine ältere Zielgruppe angesprochen werden. Ein großer Markt fehlt allerdings: In China, wo Musical.ly erfunden wurde, heißt die Variante der Videoapp Douyin. Eine weitere Verschmelzung ist unrealistisch.

          Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über Musical.ly und Tik Tok am Freitag im Magazin Frankfurter Allgemeine Woche.

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