https://www.faz.net/-gqe-9mhsh

Teddys aus Deutschland : Kinder brauchen ein dickes Fell

  • -Aktualisiert am

So stellt man sich bei Teddy Hermann glückliche Kinder vor. Bild: Teddy Hermann

Seit mehr als 100 Jahren stellt die Teddy Hermann GmbH Teddybären und Plüschtiere her. Wie sie sich trotz starker Konkurrenz am Markt hält.

          Eine große Auswahl an kuscheligen Freunden, jedes Stück einzigartig – seit mehr als 100 Jahren stellt die Teddy Hermann GmbH Teddybären und Plüschtiere her; das Sortiment besteht aus gut 400 Artikeln. Nach Angaben der Geschäftsführerin Margit Drolshagen ist das Unternehmen der zweitälteste Plüschtierhersteller Deutschlands, „gegründet von meinem Großvater Bernhard Hermann in Sonneberg in Thüringen“.

          Drolshagen leitet das Unternehmen in dritter Generation. Im Jahr 1912 gründete Hermann das Unternehmen. Als im Zweiten Weltkrieg Sonneberg sowjetische Besatzungszone wurde, erkannte er, dass eine Enteignung drohte, und verlegte den Firmensitz nach Hirschaid bei Bamberg.

          Heute ist das Unternehmen, das 50 Mitarbeiter beschäftigt, international aktiv. Der Exportanteil betrage 30 Prozent, sagt Drolshagen. Der Umsatz habe im vergangenen Jahr bei mehr als 4 Millionen Euro gelegen. „Wir beliefern den Fachhandel und Online-Händler, die auf Spielwaren spezialisiert sind, zum Beispiel MyToys und Tausendkind.“

          Skandinavisches Design

          Das Sortiment teilt sich in vier große Produktlinien: Hermann Teddy Collection, Original, Miniaturen und Herzekind. Die Hermann Teddy Collection besteht aus naturnahen Plüschspieltieren. Die Herzekind-Produktlinie gibt es seit 2018; die Artikel sind inspiriert vom reduzierten Stil des skandinavischen Designs und richten sich an Kleinkinder. Im Jahr 2018 wurden laut Drolshagen 400 000 Artikel aus dem Collection- und Herzekind-Sortiment verkauft.

          In der Miniaturlinie sind die Teddybären 4 bis 6 Zentimeter klein. Die Original-Produktlinie richtet sich hauptsächlich an Sammler und umfasst Teddybären-Repliken, klassische Teddybären, Künstlerbären und Designerbären. Nach Drolshagen ist die Kundschaft überwiegend weiblich.

          Trotz großer Konkurrenz, zum Beispiel durch die viel größere Margarete Steiff GmbH, halte man sich am Markt. Drolshagen sagt, der Erfolg des Unternehmens basiere auf dem stark naturalistischen Aussehen der Plüschtiere. Außerdem verkauft man Tiere, bei denen man auf den ersten Blick nicht erkennt, was es ist. „Wir werden auch von den Einzelhändlern sehr dafür gelobt, dass wir Tiere haben, die andere nicht auf den Markt bringen“, sagt Drolshagen.

          Trendtier Lama

          Für diese Serie wurde ein Etikett erstellt mit den wichtigsten Merkmalen des Tiers wie Lebensraum und Nahrung. Zu ihr gehört auch die kleine Delphinart Vaquita, die stark vom Aussterben bedroht ist. Die Preisspanne der Kuscheltiere variiert stark: von 25 bis 300 Euro.

          Für das Aussehen der Produkte orientiert man sich an aktuellen Geschehnissen und Trends, wie Drolshagen erklärt. Im vergangenen Jahr sei das Lama sehr beliebt gewesen, das zuvor schon in Asien, vor allem in Japan stark im Trend gelegen habe. Es sind auch Sonderanfertigungen möglich. Jährlich bekomme man rund dreißig individuelle Aufträge. In die Sohlen dieser Artikel wird eine hochwertige Stickerei eingearbeitet. Sie kann variieren und auf Anlässe wie Geburtstage und Hochzeiten angepasst werden.

          Ein wichtiges Produkt sei der Sammlerbär, erklärt die Geschäftsführerin. Er wird in Hirschaid aus reinen Naturmaterialien wie Mohair gefertigt. Obwohl die Sammlerbären nur 4 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten, wolle man auf keinen Fall die Herstellung in Deutschland aufgeben, sagt Drolshagen. „Wir sind eines der ganz wenigen Unternehmen, die heute noch in Deutschland produzieren.“

          Sammlerclub mit 2000 Mitgliedern

          Jährlich kommen 30 bis 40 Neuheiten auf den Sammlermarkt. Die Geschäftsführerin berichtet, dass 2018 rund 10 000 Sammlerbären verkauft wurden. Sie kosten zwischen 25 und 200 Euro. Seit dem Jahr 2000 existiert ein Teddy-Hermann-Sammlerclub, der rund 2000 Mitglieder hat und eine stärkere Kundennähe schaffen soll. Einer der Vorteile des Clubs ist die Bärenpost, die den Mitgliedern im April und im Oktober zugeschickt wird. Sie enthält exklusive Einblicke in das Unternehmen.

          Drolshagen will sich bald aus dem Unternehmen zurückziehen. Ihre Tochter, Dorothee Weinhold, wird die Position der Geschäftsführerin übernehmen. Laut Weinhold ist ein Leben ohne Teddy wie ein Leben ohne Träume.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

          Weitere Themen

          Kampf gegen den Dampf Video-Seite öffnen

          San Francisco : Kampf gegen den Dampf

          Nicht nur das Rauchen, auch die Herstellung von E-Zigaretten wird in San Francisco verboten. Eine schwierige Situation für die Ortsansässigen wie Juul Labs, einer der größten Hersteller von E-Zigaretten.

          Topmeldungen

          Oh Schreck! Der Gesundheits-Check!

          FAZ Plus Artikel: Führerschein : Kommt der Gesundheits-Check?

          Seit 20 Jahren gilt die Lkw-Fahrerlaubnis nicht mehr auf ewig, und keiner hat sich beschwert. Und auch junge Fahrer schwerer Wohnmobile mit mehr als 3,5 Tonnen müssen jetzt regelmäßig zum Arzt. Wann droht das dem Autofahrer?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.