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Technologiefestival „South by Southwest“ : Ein Supercomputer lernt kochen

In der Quizshow „Jeopardy“ ließ Watson seinen Konkurrenten keine Chance. Bild: AP

Mit seiner „Big Data“-Maschine Watson triumphierte IBM einst in einer Quizshow. In Austin beweist der Konzern nun, dass ein Computer auch kreativ sein kann - und serviert Speisen, die Watson sich ausgedacht hat.

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          Der amerikanische Technologiekonzern IBM hat vor drei Jahren mit seinem Supercomputer Watson einen öffentlichkeitswirksamen Coup gelandet: Watson trat in der bekannten amerikanischen Quizshow „Jeopardy“ als Kandidat gegen zwei frühere Gewinner der Show an und ließ ihnen keine Chance. Es war ein Triumph für IBM und eine Demonstration, was mit „Big Data“ möglich ist. Denn Watson war mit dem Einspeisen von Unmengen von Daten für die Show präpariert worden. Damit wurde es dem Computer möglich, nicht nur bloße Fakten abzurufen, sondern auch ein Verständnis für Kontext und Doppeldeutigkeiten zu entwickeln.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Seither ist es um Watson etwas ruhiger geworden. IBM hat zwar versucht, die Watson-Technologie für den kommerziellen Einsatz zu vermarkten, kam damit aber nur langsam voran. Jetzt werden die Anstrengungen intensiviert: Im Januar kündigte der Konzern an, Watson in eine eigene Geschäftseinheit mit 2000 Mitarbeitern auszulagern und eine Milliarde Dollar in sie zu investieren. Und nun versucht IBM in Austin bei „South by Southwest“, Watson mit einer neuen Anwendung ins Gespräch zu bringen. Watson liefert Rezeptideen für zwei Köche, die dann die entsprechenden Speisen für die Konferenzbesucher zubereiten und aus einem Essenswagen servieren. Damit will IBM demonstrieren, dass ein Computer auch kreativ sein kann – zum Beispiel indem er Ideen für ungewöhnliche Speisen liefert, auf die ein Koch vielleicht selbst gar nicht kommen würde. „Kognitives Kochen“ sagt IBM dazu.

          Watson liefert die Rezeptideen - und diese beiden Köche bereiten sie dann zu.

          Und so gab es am Freitag für die Besucher einen „Vietnamesischen Apfel-Kebab“, der in der Tat ziemlich gut war. James Briscione, einer der Köche, erzählte, wie das Rezept entstand: Watson bekam die Vorgaben „Vietnamesisch“, „Apfel“ und „Kebab“ und spuckte dann eine Liste mit Zutaten aus, darunter Pilze, Ananas, Frühlingszwiebeln und Curry. Die genauen Mengen liefert der Computer nicht – und lässt damit Ermessensspielraum für die Köche. Für die Aufgabe ist Watson mit einer riesigen Datenbank von Rezepten trainiert worden.

          Für manchen Koch, der viel auf seinen eigenen Erfindungsreichtum hält, mag das wie eine Horrorvorstellung klingen. Aber Briscione meint, Watson mache die Kreativität des Kochs nicht überflüssig, sondern unterstütze sie mit seinen manchmal überraschenden Rezeptvorschlägen. Briscione erinnert sich, als er Watson einmal auftrug, sich Rezepte für eine „Tschechische Moussaka mit Schweinebauch“ auszudenken. „Die Liste der Zutaten klang grauenvoll, aber das fertige Gericht war köstlich.“

          Die Besucher in Austin können darüber abstimmen, was an jedem Tag in dem IBM-Wagen gekocht wird. Und sie können sich auf Tabletcomputern nach ihren Vorgaben selbst von Watson Rezepte vorschlagen lassen. Wem zum Beispiel nach einem herzhaften und fleischhaltigen deutschen Strudel ist, für den schlägt Watson unter anderem folgende Zutaten vor: Schweinefleisch, Wiener Würstchen, Pilze, Sellerie und Kreuzkümmel.

          Steve Abrams, der bei IBM unter anderem für das kulinarische Projekt von Watson zuständig ist, kann sich eine Reihe von kommerziellen Anwendungen vorstellen, in denen das Computersystem Kreativität unter Beweis stellen kann. Neben der Gastronomie sei zum Beispiel auch eine Anwendung in der Parfümindustrie denkbar. IBM führe auch Gespräche über solche Einsatzmöglichkeiten in der Praxis, aber es gebe derzeit noch keine konkreten Vorhaben. „Im Moment ist das noch ein Experiment.“

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