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Technologiefestival „South by Southwest“ : Bühne frei für das nächste Twitter

Das große Drängeln: Kritiker prangern an, dass aus dem einst überschaubaren „South by Southwest“-Festival eine Massenveranstaltung geworden ist Bild: picture alliance / AP Photo

Das Technologiefestival „South by Southwest“ in Austin machte einst Internetdienste wie Twitter und Foursquare groß. Jetzt findet es wieder statt – und alle warten gespannt auf das nächste große Ding.

          4 Min.

          Austin gilt als liberale Oase in dem ansonsten erzkonservativen amerikanischen Bundesstaat Texas. Das inoffizielle Motto hier lautet „Keep Austin weird“ – soll heißen: die Stadt versteht sich als Ort mit Ecken und Kanten und will auch so bleiben. Austin ist bekannt für seine Musiker- und Künstlerszene, entsprechend gut passen Musikfestivals hierher. Aber das jährliche Spektakel „South by Southwest“ (kurz: SXSW), das an diesem Freitag am Nachmittag deutscher Zeit beginnt, ist längst mehr als ein Musikereignis. Es ist ein bunt zusammengewürfelter Mix: Hier treffen sich Musiker und Filmschaffende ebenso wie Internetspezialisten und andere Vertreter der Technologiebranche. Das wird zum Beispiel dazu führen, dass in diesem Jahr die Rockband Coldplay im Rahmen eines erstmals in Austin veranstalteten „iTunes Festivals“ ebenso in der Stadt zu sehen sein wird wie Eric Schmidt, der Verwaltungsratsvorsitzende des Internetkonzerns Google. Gerade der techniklastige Teil der Veranstaltung mit dem Namen „SXSW Interactive“ hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Anfänge von South by Southwest waren sehr bescheiden. Es begann 1987 mit einer Musikkonferenz, zu der 700 Besucher kamen. 1994 wurde die Veranstaltung um die Schwerpunkte Film und Technologie erweitert. Der Technologieteil hieß zunächst „SXSW Multimedia“ und wurde später in „SXSW Interactive“ umbenannt. Es war lange Zeit das kleinste Segment von South by Southwest, aber Mitte des vergangenen Jahrzehnts nahm das Interesse sprunghaft zu. Ein wichtiger Moment kam 2007, als der Kurznachrichtendienst Twitter in Austin dank reger Nutzung der Festivalbesucher seinen Durchbruch schaffte und damit die ganze Veranstaltung für ein breiteres Publikum bekannter machte. 2009 begann das ortsbasierte soziale Netzwerk Foursquare in Austin seinen Aufstieg. Seither stellen sich die Besucher von South by Southwest jedes Jahr aufs Neue die Frage, welcher Internetdienst denn diesmal zum „nächsten großen Ding“ werden könnte. Unternehmensgründer wiederum kommen nach Austin in der Hoffnung, mit ihrem Produkt für Furore zu sorgen. Mittlerweile zieht die SXSW Interactive 30.000 Besucher an, fast dreimal so viele wie vor fünf Jahren.

          Für junge Unternehmen eine Pflichtveranstaltung

          Dieser große Andrang gefällt nicht jedem. Kritiker beklagen, dass das Treffen der Technik-Avantgarde zu einer Massenveranstaltung verkommen ist. Der Marketingspezialist und mehrfache SXSW-Teilnehmer Austin Gunter schrieb im vergangenen Jahr in einem Blogeintrag, die Veranstaltung sei heute „aufgebläht“ und lasse die Innenstadt von Austin wie Las Vegas aussehen. Nach seiner Beobachtung herrscht mittlerweile die Meinung vor, dass Austin kein guter Ort mehr für die Einführung eines neuen Produkts ist. Tatsächlich hat Austin in den vergangenen Jahren keine Erfolgsgeschichte wie etwa Foursquare mehr hervorgebracht.

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