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Technischer Fortschritt : Wo die Roboter uns reich machen

Gerade in der Autobranche, in der viele Roboter „angestellt“ sind, ist die Produktivität enorm gewachsen. Bild: dapd

Wie sehr die Digitalisierung den Wohlstand steigert, ist in der Statistik schwer greifbar. Ökonomen rätseln darüber schon lange. Nun zeigt eine Analyse, dass man vielleicht nur richtig hinschauen muss.

          Es ist ein Rätsel, das Ökonomen schon länger Kopfzerbrechen bereitet: Während wir in Zeiten rasanten technologischen Fortschritts durch die Digitalisierung leben, sinkt gleichzeitig das statistisch errechnete Produktivitätswachstum. Wie passt das zusammen?

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Einsatz hochleistungsfähiger Computerprogramme, vernetzter Maschinen und Roboter müsste die Menschen viel produktiver machen. Stattdessen flacht das Produktivitätswachstum aber merklich ab. Schon in den achtziger Jahren spottete der spätere Nobelpreisträger Robert Solow: Man kann die Computer-Revolution überall sehen - nur nicht in den Produktivitätsstatistiken. Ähnlich rätselhaft ist es heute.

          Wie die Roboter unsere Rente sicher - eine Analyse.

          Es gibt zwei Erklärungsansätze für das Paradox: Die einen Forscher wie Robert Gordon sagen, dass der aktuelle technologische Fortschritt doch nicht so groß sei, wie seine Anhänger wähnen. Andere Forscher wie Erik Brynjolfsson versichern, dass die Revolution erst am Anfang stehe und sich mit Zeitverzögerung in den Wachstumsstatistiken zeigen werde. Eine dritte Gruppe verweist auf das Problem der Statistik zum Bruttoinlandsprodukt, die kostenlos erbrachte Internet-Dienstleistungen nicht erfassen kann.

          Doch wer die Statistiken differenziert anschaut, erkennt Bemerkenswertes, wie Carsten Brzeski, Deutschland-Chefvolkswirt der ING Diba Bank, in einem aktuellen Forschungspapier zeigt, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Zwar betrug das Produktivitätswachstum je Arbeitsstunde in Deutschland seit Beginn der Währungsunion nur 1 Prozent.

          Doch unter der Oberfläche der Gesamtstatistik zeigen sich erstaunliche Unterschiede, betont Brzeski. „Die Daten für das Verarbeitende Gewerbe widerlegen ganz deutlich die These, dass es in Deutschland eine breite Produktivitätsschwäche gibt“, schreibt er.

          In der Industrie wuchs die Arbeitsproduktivität nämlich um mehr als 3 Prozent jährlich. Das Wachstum hier hat sich sogar im letzten Vierteljahrhundert beschleunigt.

          Ganz vorne liegt der Fahrzeugbau, der von 2010 bis 2014 sogar auf gut 10 Prozent Zuwachs jährlich in der Arbeitsproduktivität kam - und dies ist eine Branche, in der Roboter und Digitalisierung sehr stark zum Einsatz kommen. Auch in der Produktion von Datenverarbeitungs-, elektronischen und optischen Geräten entwickelte sich die Produktion stark.

          Ganz schwach ist die Entwicklung hingegen im Dienstleistungsbereich, dem beherrschenden Sektor der Volkswirtschaft. Lediglich bei den IT-Dienstleistungen und besonders in der Telekommunikation stieg die Arbeitsproduktivität kräftig. Praktisch Stillstand gab es im Verkehr, in der Lagerei und dem Gastgewerbe.

          Brzeskis Fazit lautet, dass in den technologie- und digitalintensiven Branchen durchaus ein kräftiger Effekt des neuen technischen Fortschritts zu sehen ist. Nur seien dies „Oasen“ inmitten einer Wüste. In der Breite habe die Digitalrevolution die Wirtschaft noch lange nicht erfasst.

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