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Technischer Fortschritt : Mit Wasser viel Sprit sparen

Gerade während Autobahnfahrten oder beim flotten Beschleunigen soll der Spritverbrauch durch die neue Technik deutlich niedriger sein. Bild: Bosch

13 Prozent weniger Spritverbrauch auf der Autobahn: Bosch präsentiert eine Technik, die eine kleine Revolution auslösen kann.

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          Es gibt schon ein Auto mit Wassereinspritzung ab Werk: den BMW M4 GTS, ein Wagen, der weniger als vier Sekunden braucht, um von 0 auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für die Sportwagen-Besitzer bedeutet die Wassereinspritzung noch ein bisschen mehr Leistung, für Bosch ist die Technik in diesem Auto der Beweis, dass sie serientauglich ist – auch wenn es von dem 6-Zylinder-BMW bisher erst ein paar hundert Exemplare gibt. „Die Wassereinspritzung kann jedem Turbomotor nochmal einen Extrakick verpassen“, stellt Stefan Seiberth in Aussicht, Bereichsvorstand Gasoline Systems. Selbst aus kraftvollen Sportmotoren könne man noch zusätzliche Leistung kitzeln.

          Große Einsparung während Beschleunigen

          Wirtschaftlich bedeutend ist die Wassereinspritzung aber vor allem aus einem anderen Grund: sie wird bei Bosch als der nächste große technologische Fortschritt zum Spritsparen betrachtet. Bis zum Jahr 2018, spätestens 2019 werde man den Durchbruch sehen, erwarten die Techniker von Bosch.

          Vor allem Kompaktwagen könnten dann mit Bosch-Water-Boost ausgestattet werden. Sie könnten besonders davon profitieren, dass ihre Motoren dynamischer und gleichzeitig effizienter werden. Bosch sei mit mehreren Autoherstellern, überwiegend aus Europa, im Gespräch über einen Großserien-Einsatz des Systems.

          „Mit der Wassereinspritzung zeigen wir, dass der Verbrennungsmotor noch einiges auf der Pfanne hat“, sagt Rolf Bulander, Bosch-Geschäftsführer mit Zuständigkeit für das Autoausrüstgeschäft. Gemessen mit dem künftigen offiziellen Verbrauchstest WLTC (Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycle) bringe Water-Boost eine Kraftstoff-Ersparnis von 4 Prozent. Im realen Verkehr aber sei die Wirkung noch viel größer. Gerade während Autobahnfahrten oder beim flotten Beschleunigen könne man bis zu 13 Prozent sparen, heißt es von Bosch.

          Der Stuttgarter Zulieferer, gemessen am Umsatz der größte Lieferant der Fahrzeugindustrie, geht davon aus, dass kein anderer Anbieter die Technik bisher serienreif entwickelt hat. Sie wird bisher lediglich von Auto-Tunern eingesetzt.

          Das System beruht auf der Notwendigkeit, den Motor vor einer Überhitzung zu schützen. Zu diesem Zweck wird bei den heutigen Benzinmotoren zusätzlicher Kraftstoff eingespritzt. Dieser verdampft und kühlt dadurch Teile des Aggregats herunter.

          Die Wassereinspritzung arbeitet nach dem selben Prinzip. Noch vor der Zündung des Kraftstoffs wird ein feiner Wassernebel in den Ansaugtrakt eingespritzt. Weil Wasser gut verdampfe, werde eine effektive Kühlung erzielt, heißt es bei Bosch.      

          Die Wassermengen, die benötigt werden, sind entsprechend klein: Von wenigen hundert Milliliter destilliertem Wasser pro hundert Kilometer ist die Rede. Ein Wassertank könnte also entsprechend kompakt sein, müsste aber gleichwohl nur alle einige Tausend Kilometer nachgefüllt werden. Allzu viel Umstände sollen die Verbraucher aber nicht haben.

          Sollte das Nachfüllen nicht rechtzeitig gelingen, wäre das kein ernsthaftes Problem, lautet die beruhigende Auskunft der Bosch-Techniker. Der Motor verhalte sich dann so wie einer ohne Wassereinspritzung: mit höherem Verbrauch und geringerem Drehmoment. Offenbar gibt es zudem weitere Ideen der Entwickler im Bereich der Wasserversorgung im Auto: Gerade weil keine großen Wassermengen nötig sind, könnte unter Umständen das in der Klimaanlage ohnehin entstehende Wasser verwendet werden, lautet ein Gedanke.

          Was die Wassereinspritzung die Kunden kosten wird, ist noch nicht klar. Viel hänge davon ab, wie die Autohersteller die Tanklösung für die unterschiedlichen Modelle gestalten, heißt es von Bosch. Vor allem wird der Preis von den produzierten Stückzahlen bestimmt. Der Zulieferer rechnet damit, dass die Autohersteller die Wassereinspritz-Technik bald zu einem Standard machten, weil die CO2-Regulierung eine weitere Senkung des Sprit-Verbrauchs nötig mache.

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