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Technischer Fortschritt : Die E-Zigarette erobert Amerika

Beliebter Elektrosmog: Immerhin hält sich die Geruchsbelästigung von elektrisch produzierten Rauchschwaden in Grenzen Bild: dpa

Dampfmaschinen zum Abgewöhnen: E-Zigaretten werden immer beliebter. Sie enthalten keinen Teer und kosten wenig. Und könnten Rauchen wieder salonfähig machen.

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          Das Restaurant „Silver Spurs“ im New Yorker Stadtteil Greenwich Village ist eigentlich nicht allzu bemerkenswert. Es ist ein klassischer amerikanischer Diner, schlicht eingerichtet, mit einer Speisekarte, die von Hot Dogs über Chicken Wings bis zu Dutzenden verschiedener Hamburger reicht. Aber an diesem Sonntagabend mag man bei einem Besuch im „Silver Spurs“ seinen Augen kaum trauen. In einer Ecke des Lokals sitzen knapp zwei Dutzend Gäste, die munter vor sich hin qualmen. Es ist wie eine Szene aus längst vergangener Zeit – vor dem Rauchverbot in Restaurants, das es in New York seit mehr als zehn Jahren gibt. Die Gäste rauchen, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre, und sie bleiben unbehelligt. Niemand scheint sich daran zu stören. Freilich genießt die Gruppe keine gewöhnlichen Glimmstengel, sondern tabakfreie elektronische Zigaretten. Es ist das monatliche Treffen des „New York City Vapers Club“, in dem sich Fans von E-Zigaretten zusammengetan haben. Die meisten von ihnen verstehen sich nicht als Raucher, sondern als „Dampfer“ („Vapers“). Fast alle sagen, die batteriebetriebenen E-Zigaretten hätten ihnen geholfen, das Rauchen gewöhnlicher Zigaretten aufzugeben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zigaretten sind in vielen Teilen der Welt zu einem gesellschaftlich geächteten Produkt geworden. Nun aber schicken sich die elektronischen Varianten an, ein Comeback des Rauchens in anderer Form einzuläuten. E-Zigaretten geben ihren Nutzern Nikotin in Form einer verdampften Flüssigkeit. Was sie im Vergleich zu gewöhnlichen Tabakzigaretten nicht haben, sind Teer und sonstige schädliche Stoffe, die als krebserregend gelten. Auch verursachen sie nicht den typischen und von vielen als unangenehm empfundenen Zigarettengeruch, und sie sind bislang deutlich billiger.

          Auf Erfolgskurs in New York

          All das macht E-Zigaretten nach Ansicht mancher Analysten so bestechend, dass sie den Tabakmarkt auf den Kopf stellen könnten. Bonnie Herzog von der Bank Wells Fargo meint, dass E-Zigaretten im Jahr 2021 in den Vereinigten Staaten gemessen am Umsatz reguläre Zigaretten überholen werden. Das ist eine kühne Prognose, denn im Moment sind E-Zigaretten noch ein vergleichsweise überschaubarer, wenn auch wachstumsstarker Markt. Herzog erwartet, dass sich der Umsatz mit E-Zigaretten in Amerika in diesem Jahr von 500 Millionen auf 1,4Milliarden Dollar fast verdreifacht, für konventionelle Zigaretten sagt sie 28,7 Milliarden Dollar voraus.

          In New York ist die wachsende Beliebtheit des „Dampfens“ an der steigenden Zahl von Läden abzulesen, die sich ausschließlich auf E-Zigaretten spezialisieren. Zum Beispiel die „Vapor Lounge New York“, die es seit ein paar Monaten im Brooklyner Trendviertel Williamsburg gibt. Der Laden gehört Ilona Orshansky, die sich selbst als „lebendes Beispiel“ dafür bezeichnet, dass E-Zigaretten helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. „Ich finde Zigaretten heute abstoßend,“ sagt Orshansky, die nach eigenem Bekunden bis vor neun Monaten eine Schachtel am Tag geraucht hat. Spike Babaian, ebenfalls eine frühere Raucherin mit einem Tageskonsum von zwei Schachteln, hat in diesem Jahr schon ihr zweites Geschäft für E-Zigaretten mit dem Namen „Vape NY“ aufgemacht. Der neue Standort an der Lower East Side in Manhattan bringt heute jeden Tag einen Umsatz von 2400 Dollar ein. Als Babaian vor zwei Jahren ihr erstes Geschäft eröffnet hat, dauerte es noch einen ganzen Monat, bis 1200 Dollar in die Kasse kamen.

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